Verbraucherschützer raten, die Jahreszahl 2020 auszuschreiben
Experten warnen: Datum nicht abkürzen

Bielefeld (WB). Verbraucherschützer warnen davor, die aktuelle Jahreszahl 2020 mit “20” abzukürzen. Der Grund: Betrüger könnten aus der ”20” andere Jahreszahlen machen und damit Fristen manipulieren. Beides ist möglich: Verträge können in die Vergangenheit rück- und in die Zukunft vordatiert werden.

Montag, 20.01.2020, 04:30 Uhr aktualisiert: 20.01.2020, 07:00 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Notieren Kriminelle eine kleinere Zahl als die 20 hinter der 20, wird eine Frist verkürzt und ist damit bereits abgelaufen. Steht hinter der 20 eine höhere Zahl als 20, wird eine Frist verlängert. So ist zum Beispiel der Unterschied groß, ob eine Ratenzahlung am 1. Februar 2020 beginnt oder am 1. Februar 2019. Urkundenfälscher könnten auf diese Weise zwölf Monatsraten mehr einfordern.

Inhalte vor Unterschrift genau lesen

„Eigentlich liegt es auf der Hand, dass durch die Abkürzung der Jahreszahl 2020 weitreichende Probleme entstehen können. Aber nicht jedem ist das sofort bewusst“, sagt Ingrid Deutmeyer. Die Leiterin des Bielefelder Büros der Verbraucherzentrale NRW betont, dass Ratenzahlungen nicht die einzige Betrugsmöglichkeit sind: „Auch Garantiedauer und Widerrufsfristen können betroffen sein.“ Ebenso Schecks, Urkunden, Mietverträge, Gutscheine oder Quittungen. Generell müsse jeder Verbraucher die Inhalte sehr genau lesen, bevor er Kaufverträge oder andere Dokumente unterschreibt.

Deutmeyer: „Seriöse Anbieter kommen gar nicht auf solche Ideen, aber es gibt immer Kriminelle, die von unvorsichtigem Verhalten profitieren wollen. Und bei einer juristischen Auseinandersetzung kann man wohl nur mit einem Zeugen, der bei der Unterschrift anwesend war, erfolgreich gegen den Betrug vorgehen. Man erspart sich Ärger, wenn man 2020 einfach immer ausschreibt.“

Hohe Betrugsgefahr bei digitalen Verträgen

Juristen empfehlen auch, das Datum nach dem international verbreiteten Standard umzukehren, also 20-01-25 statt 25.01.20 zu schreiben. Wenn das Jahr zu Beginn des Datums steht, bleibe kein Platz für Fälschungen. Noch größer sei die Betrugsgefahr jedoch bei Verträgen in digitaler Form wie etwa bei PDF-Dateien.

Auch bei den Geldinstituten ist das Problem bekannt. „Wir haben die Diskussion zu Betrugsmöglichkeiten zur Kenntnis genommen. In den kommenden Wochen werden wir unsere Kunden über unsere Social-Media-Kanäle ebenfalls eine Information geben, damit sich jeder auch in seinem privaten und geschäftlichen Umfeld mit dem Thema auseinandersetzen kann“, heißt es aus der Sparkasse Paderborn-Detmold.

Auch die Verbundvolksbank OWL ist vorbereitet: „Unsere Mitarbeiter wurden direkt Anfang des Jahres sensibilisiert und zugleich die internen Abläufe so geregelt, dass das Jahr bei Vertragsunterzeichnungen stets komplett ausgeschrieben werden muss. Ist dies nicht der Fall, sprechen wir unsere Kunden darauf an.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7204305?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Die neuen Corona-Regeln in NRW
Gesundheitsminister Laumann hat am Mittwoch die neue Corona-Schutzverordnung vorgestellt. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker