Di., 21.01.2020

Dämpfer bei Mieten – Bielefeld und Paderborn in OWL am teuersten Das Ende der Fahnenstange?

Wer zur Miete wohnt, musste zuletzt immer tiefer in die Tasche greifen. Bei neu abgeschlossenen Mietverträgen waren zuletzt nur noch kleine Preissprünge zu verzeichnen. In einigen Städten in OWL gab es sogar einen Rückgang der Mietpreise.

Wer zur Miete wohnt, musste zuletzt immer tiefer in die Tasche greifen. Bei neu abgeschlossenen Mietverträgen waren zuletzt nur noch kleine Preissprünge zu verzeichnen. In einigen Städten in OWL gab es sogar einen Rückgang der Mietpreise. Foto: dpa

Hamburg/Bielefeld (WB/ef/dpa). Am heiß gelaufenen Mietmarkt deutet sich eine Beruhigung an. Die Neuvertragsmieten steigen nicht mehr so sehr wie bisher – auch in mehreren Städten in OWL. Aber: In bestehenden Verträgen stiegen die Mieten laut jüngsten Zahlen des Hamburger Immobilienspezialisten F+B weiter. Die Bestandsmieten kletterten im vierten Quartal um 0,4 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal und um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

„Es ist zu früh, um eine Trendwende auszurufen“, sagt Reiner Braun, Geschäftsführer des Immobilienspezialisten Empirica, der damit vorsichtiger ist als F+B. Allerdings beruhige sich die Lage. In manchen deutschen Städten stagnierten die Neuvertragsmieten über alle Baujahre – etwa in Berlin, München und Hamburg. „Der Zuzug in die Schwarmstädte flacht ab und teils hat der Neubau kräftig angezogen.“ In Stuttgart, Düsseldorf und Köln kletterten die Mieten jedoch weiter, ebenso in Bielefeld und Paderborn.

Fallende Mieten seien erst in Sicht, wenn günstiger gebaut und die Nachfrage nach Wohnraum gestillt werde, sagte Braun. „Davon sind wir weit entfernt.“ Strenge Vorschriften, teure Grundstücke und steigende Kosten für Fachkräfte und Material trieben die Baukosten weiter hoch.

Internationale Großanleger

Teures Bauen spiegelt sich auch in den Daten von F+B wider. Demnach sind die Immobilienpreise im vierten Quartal 2019 im Vergleich zum vierten Quartal 2018 erneut viel kräftiger gestiegen als die Mieten. Eigentumswohnungen verteuerten sich um 5,4 Prozent, Einfamilienhäuser um 3,8 Prozent. Seit Jahren laufen die Preise den Mieten davon.

Bei den Immobilienkäufern beobachtet F+B indes einen Wandel: Internationale Großanleger zögen sich teils zurück aus Deutschland. Ein Grund sei die unübersichtliche und kaum kalkulierbare Mietenregulierung, die sich auch je Bundesland unterscheide, sagte F+B-Geschäftsführer Bernd Leutner. Für die satten Preisaufschläge seien vor allem Käufe aus dem Inland verantwortlich, etwa von Immobilienkonzernen, Fonds, reichen Privatanlegern und Selbstnutzern. Zu Investments in Immobilien sähen sie keine Alternative.

Warnung vor einem „Herdeneffekt“

Leutner warnte vor einem „Herdeneffekt“ und finanziellen Einbußen, sollten die Preise fallen. Schon oft hätten deutsche Investoren verzögert auf internationale Kapitalmarktrends reagiert und spät Immobilien ge- oder verkauft. So hätten sich zwischen 1998 und 2005 vor allem angelsächsische Fonds beim Verkauf von Werkswohnungen und öffentlichen Immobilienbeständen engagiert und hohe Gewinne gemacht.

Deutsche Anleger seien erst spät dazugekommen. Leutner: „Besonders prozyklisch agiert die öffentliche Hand, die ihre Bestände aus heutiger Sicht zu Spottpreisen verkaufte, um diese nun mit enormen Aufschlägen teils wieder zurückzukaufen – teilweise auf einem Preisniveau, auf dem private Kaufinteressenten längst ausgestiegen sind.“

Zehn-Jahresvergleich: Berlin verdoppelt, Rostock billiger

Der Zehn-Jahresvergleich der Angebotsmieten des Immobilienportals immowelt.de zeigt: In Berlin hat sich die mittlere Neumiete seit 2009 von 5,60 auf 11,40 Euro je Quadratmeter mehr als verdoppelt. Teuerste Großstadt bleibt München, wo die Qua­dratmetermieten um 61 Prozent auf 17,70 Euro gestiegen sind. In Münster beträgt das Plus 40 Prozent von 7,20 auf 10,10 Euro. In OWL verzeichnet Paderborn den stärksten Anstieg: 42 Prozent von 5,30 auf 7,50 Euro. Bielefeld: plus 30 Prozent von 5,70 auf 7,40 Euro. Gütersloh: plus 25 Prozent von 5,60 auf 7,00 Euro.

Gegen den Trend fiel in Rostock die mittlere Miete um fünf Prozent von 6,60 auf 6,30 Euro je Quadratmeter.

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