Mi., 15.01.2020

Verein steht vor Zerreißprobe – Ehrenmitglied Karl Beckmann bereits ausgetreten Zwietracht im Brackweder Heimathaus

„Das rote Amt“ an der Cheruskerstraße 1 ist Brackwedes Heimathaus, Sitz des Heimatvereins und zugleich Büro der Ortsheimatpflegerin. Von dort aus haben Vereinsmitglieder jahrelang ehrenamtlich, vertrauensvoll, gewissenhaft und erfolgreich im Sinne der Heimatpflege gearbeitet. Jetzt verläuft plötzlich ein Riss durch das wertvolle Konstrukt.

„Das rote Amt“ an der Cheruskerstraße 1 ist Brackwedes Heimathaus, Sitz des Heimatvereins und zugleich Büro der Ortsheimatpflegerin. Von dort aus haben Vereinsmitglieder jahrelang ehrenamtlich, vertrauensvoll, gewissenhaft und erfolgreich im Sinne der Heimatpflege gearbeitet. Jetzt verläuft plötzlich ein Riss durch das wertvolle Konstrukt. Foto: Markus Poch

Von Markus Poch

Brackwede (WB). Vor der vielleicht schwierigsten Situation in seiner 73-jährigen Geschichte steht der Brackweder Heimatverein: Die ehrenamtlich Aktiven der rund 120 zahlenden Mitglieder haben damit begonnen, sich in zwei Lager aufzuspalten, die nicht mehr gerne miteinander umgehen und im Einzelfall schon per Anwalt kommunizieren. Außenstehende Beobachter sehen den Fortbestand des Vereins in seiner jetzigen personellen Zusammensetzung akut gefährdet – und damit die wichtige ehrenamtliche Arbeit in der örtlichen Heimatpflege und im Heimatarchiv.

Plötzlich Intrigen

Unter den zumeist pensionierten Männern und Frauen, die im Brackweder Heimathaus zum überwiegenden Teil seit Jahren eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten, geht es plötzlich um Intrigen, um Kompetenzgerangel, um Zuständigkeiten, um unterschiedliche Arbeitsauffassungen, um gekränkte Eitelkeiten und den „richtigen Umgang“ mit Archivmaterial. Nach Informationen dieser Zeitung sind zwischen den Lagern zwar noch keine Fetzen geflogen. Aber Meinungsverschiedenheiten sollen manches Mal in beträchtlicher Lautstärke „ausgetauscht“ worden sein.

Mittendrin steckt Brackwedes Ortsheimatpflegerin Rosemary Flöthmann (62), die seit 2004 eng mit ihrem Amtsvorgänger Rolf Künnemeyer kooperierte und diesen im Februar 2010 schließlich ablöste. Eine solche Zwietracht, wie sie seit einigen Monaten im Brackweder Heimathaus herrsche, habe sie weder beruflich noch privat jemals erlebt, sagt die frühere CDU-Bezirksvertreterin dem WESTFALEN-BLATT. Deshalb sei sie mit der augenblicklichen Situation „sehr unglücklich“.

Entspannung nicht einfach

Die Ursache des Streits auszumachen, ist nicht so einfach: Wie sooft im Leben zeigt das eine Lager auf das andere, das andere auf das eine. Was soll der Unparteiische dazu sagen? Wie verfahren die Situation ist, weiß inzwischen auch Stadtheimatpfleger Hans-Heinrich Klußmann. Nicht nur, dass er mit allen Beteiligten ausführlich gesprochen hat. Er war im November und Dezember 2019 auch schon als Mediator zu zwei Gesprächen im Vorstandskreise hinzu gebeten worden, konnte aber keine entscheidenden Impulse geben, die zur Zufriedenheit aller Beteiligten geführt hätten.

„Da gibt es gewaltige Gegensätze in der Darstellung der Sachverhalte“, sagt Klußmann auf Anfrage. „Es wird schwierig sein, einen Konsens zu finden.“ Man könne zur Person Rosemary Flöthmann geteilter Meinung sein, betonte Hans-Heinrich Klußmann, „aber was diese Frau in zehn Jahren als Ortsheimatpflegerin für Brackwede geleistet hat, ist fantastisch und kann nicht in Abrede gestellt werden“. Trotzdem will sich der Stadtheimatpfleger zum jetzigen Zeitpunkt weder auf die eine, noch auf die andere Seite schlagen und verweist zur weiteren Einschätzung der Lage auf die nächste, vielleicht finale Vorstandssitzung zu diesem Thema am 23. Januar. Erneut soll er als Schlichter dabei sein.

Indes hat ein stadtweit anerkannter Heimatkenner bereits seine Konsequenzen aus dem Streit gezogen: Der pensionierte Lehrer Karl Beckmann, Autor des Standardwerkes „Brackwede 1151 - 2001 (Stationen einer 850-jährigen Geschichte)“ und seit einem Jahr sogar Ehrenmitglied, ist aus dem Heimatverein ausgetreten. „Nach fast 44-jähriger Mitgliedschaft kann und will ich dem Verein nicht mehr angehören“, schreibt Beckmann in einem Brief an den Vorstand. Im Heimathaus herrsche „Unfriede, gar Zwietracht. Sie verhindert ruhiges, zweckvolles, zielgerichtetes Arbeiten zum Nutzen der Allgemeinheit“, formuliert der 83-Jährige weiter. Nach seinem Empfinden steht mit dieser Sache vielleicht sogar der Vereinszweck auf dem Spiel.

Archivmaterial in Gefahr?

Entsprechend scharf kritisiert Beckmann den Vorstand. Darüber hinaus schickte er sein Kündigungsschreiben zur Kenntnis an Stadtarchivar Dr. Jochen Rath, weil er das wertvolle Brackweder Archivmaterial in Gefahr sieht. Rath kennt das Problem jetzt, verweist Anfragen aber an Klußmann, „der in der Schlichtungsfrage den Hut auf hat“.

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