Di., 28.01.2020

Ungewöhnliche Umzüge im Tierpark: Steinböcke in den Schwarzwald, Nager nach Leipzig Olderdisser Ratten sind begehrt

Tierpflegerin Bianca Zech (links) und die neue Besitzerin Sarah Kluge mit einer der Hausratten, die sie am Montag von Olderdissen aus mit nach Leipzig genommen hat. Mit den insgesamt zehn Tieren will sie die vom Aussterben bedrohte Art züchten.

Tierpflegerin Bianca Zech (links) und die neue Besitzerin Sarah Kluge mit einer der Hausratten, die sie am Montag von Olderdissen aus mit nach Leipzig genommen hat. Mit den insgesamt zehn Tieren will sie die vom Aussterben bedrohte Art züchten. Foto: Thomas F. Starke

Von Hendrik Uffmann

Bielefeld (WB). Die einen haben einen Privat-Shuttle bekommen, den sie sich mit einem Zebra geteilt haben, die anderen haben die Deutsche Bahn genommen. Im Tierpark Olderdissen gab es am Montag zwei selbst für die erfahrene Tierpfleger nicht alltägliche Umzüge. Fünf junge Steinböcke haben sich auf den Weg gemacht in der Tierpark Steinwasen bei Freiburg im Südschwarzwald, und zehn Hauratten sind mit ihrer neuen Besitzerin per ICE nach Leipzig gefahren.

Den meisten Menschen gelten sie als Plagegeister und Schädlinge, nicht wenige ekeln sich vor ihnen: Ratten. „Die Ratten, die es im Stadtbild gibt, sind jedoch Wanderratten. Hausratten sind hingegen so gut wie ausgestorben“, erklärt Markus Hinker,  Chef-Tierpfleger in Olderdissen. Die Tiere stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten, und selbst in Zoos werde sie kaum gehalten. Der Bielefelder Heimattierpark ist eine der ganz wenigen zoologischen Einrichtungen in Deutschland, die die Art Rattus Rattus halten und züchten. „Deshalb bin ich sehr froh, dass ich von hier einige Tiere bekommen kann“, sagte am Montag Sarah Kluge.

Züchterin ist fasziniert von Nagetieren

Seit vielen Jahren ist die Buchhändlerin aus Leipzig so fasziniert von den Nagetieren, dass sie diese in großen Volieren hält. Derzeit hat sie 25 Exemplare der Akazienratte. „Hausratten sind jedoch viel munterer, lustiger und auch menschenbezogener“, erklärt die 32-Jährige, warum sie gerade an Rattus Rattus interessiert ist.

Diese Art zu züchten und als Haustier zu etablieren, hat sie sich zum Ziel gesetzt. Als private Hausratten-Züchterin sei sie dabei die einzige in Deutschland, in Austausch stehe sie mit einem Züchter in Kalifornien. „Er will die Art für Nordamerika erhalten, ich für Europa“, so Sarah Kluge.

In Olderdissen gab es schon seit vielen Jahren Hausratten, sagt Tierpark-Leiter Herbert Linnemann. Die Population sei jedoch eingegangen, so dass erst im vergangenen Frühjahr aus dem Zoo in Rostock acht neue Tiere nach Olderdissen geholt worden seien. Und weil sich die Art sehr stark vermehrt, konnten nun einige Exemplare abgegeben werden.

 

Im Mai gibt es ein „Rattenfest“ mit den Tieren aus Olderdissen

Jeweils fünf männliche und fünf weibliche Tiere hat Sarah Kluge am Montag in einer Transportbox im Zug mit nach Leipzig genommen. Und beim „Rattenfest“ im Mai in ihrem Buchladen sollen sie als ganz besondere „Lese-Ratten“ auch von den Besuchern bewundert werden können.

Neben den Ratten ist auch das Steinwild in Olderdissen eine Besonderheit. „Längst nicht jedem Zoo gelingt es, das Wild nachzuzüchten“, sagt Revierpfleger Dieter Boguschewski. Doch im Heimattierpark gibt es seit Jahren regelmäßig Jungtiere. Und da die Paarung bei den insgesamt fünf verbleibenden Tieren schon gelaufen ist, gehen die Tierpfleger davon aus, dass es im Frühsommer in Olderdissen erneut zwei bis drei Kitze geben wird. Deshalb können fünf Jungtiere – drei, die im vergangenen Juni zur Welt gekommen sind und zwei, die 2018 geboren worden waren – nun in ein neues Zuhause ziehen.

Streifen Olderdisser Steinböcke demnächst frei durch die Alpen?

Den Transport von Bielefeld nach Steinwasen hat am Montag Markus Köchling aus Coesfeld übernommen. Der Tierpfleger hat sich auf Transporte von Tieren von einem Zoo zum anderen spezialisiert. Und dabei gibt es dann schon mal interessante „Fahrgemeinschaften“. Nachdem Köchling am Montagmorgen die Steinböcke in dem speziell ausgestatteten Anhänger sicher untergebracht hatte, ging es für ihn zunächst weiter zum Safaripark in Stukenbrock. „Dort hole ich noch ein Zebra ab“, erklärte Köchling.

Auf die Olderdisser Steinböcke könnte vielleicht sogar ein ganz großes Abenteuer warten. Markus Köchling: „Es gibt Überlegungen, sie in ein Auswilderungsprogramm aufzunehmen.“ Dann würden sie in der Zukunft frei durch die Alpen streifen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7222321?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F