Der Brackweder Frank Becker ist von Donnerstag an als Komparse in Kino-Epos zu sehen
Zwei Sekunden „Ein verborgenes Leben“

BIelefeld  (WB). Das von anspruchsvollen Kinogängern seit Monaten mit Spannung erwartete Weltkriegsdrama „Ein verborgenes Leben“ feiert an diesem Donnerstag, 30. Januar, Premiere in Deutschland. Der Kriegsfilm, der bis auf einige wenige Wochenschau-Aufnahmen ganz ohne Kriegsbilder auskommt, nicht aber ohne die Hilfe eines Cineasten aus Brackwede, läuft im Bielefelder Lichtwerk an.

Dienstag, 28.01.2020, 17:30 Uhr
Sequenz aus „Ein verborgenes Leben“: Der Brackweder Medienarchivar Frank Becker ist in seiner Komparsenrolle als Filmvorführer (links) deutlich zu erkennen. Die Aufnahme entstand als Screenshot von einer Arbeitskopie des Verleihs Pandora. Bildschirmfoto: Thomas F. Starke

Renommierte Schauspieler

Der amerikanische Meisterregisseur Terrence Malick hat sein biografisch eingefärbtes Epos um das Schicksal des gläubigen Bergbauern und späteren „Wehrkraftzersetzers“ Franz Jägerstätter mit renommierten Schauspielern gespickt. Neben bekannten Leinwandgesichtern wie August Diehl, Bruno Ganz (†), Maria Simon, Ulrich Matthes, Martin Wuttke, Michael Nyqvist (†), Tobias Moretti, Karl Marcovics, Mark Waschke, Sophie Rois oder Alexander Radszun ist auch der Brackweder Frank Becker (59) eingebunden – und zwar nicht nur in die Handlung, sondern vor allem in die Requisitenbeschaffung.

Arbeitstitel „Radegund“

Der Film, der als Arbeitstitel zunächst den Namen des Jägerstätter-Heimatortes Radegund trug, dauert fast drei Stunden oder auch 10.380 Sekunden. Wer Beckers Komparsenauftritt abpassen will, der muss verdammt schnell sein und genau hinschauen: Exakt zwei Sekunden lang ist er groß im Bild (siehe Foto oben). Mitte der 14. Minute steht er als Filmvorführer („projector operating officer“) mit strengem Blick in der Wehrmachtsuniform eines Feldwebels im Südtiroler Kasernenhof und lässt eine Wochenschau mit Bildern des deutschen Frankreichfeldzuges durch den analogen Projektor rattern.

Im Hintergrund jubeln Soldaten, die von einem Nazi-Offizier und Einpeitscher (Horst Saller) für ihren Fronteinsatz heiß gesprochen werden. So könnte sich die Szene Anfang der 1940er Jahre abgespielt haben. Aber woran es liegt, dass ausgerechnet der Brackweder Schreibwarenhändler und Medienarchivar in der amerikanisch-deutschen Koproduktion mitspielen durfte, ist eine längere Geschichte und eigentlich Zufall. Wer lehnt schon ab, wenn er darum gebeten wird, im Spielfilm eines berühmten Regisseurs eine kleine Rolle zu übernehmen?

Technik für Babelsberg

Frank Becker tat dies nicht und freut sich nun über das Ergebnis, das er selbst noch gar nicht gesehen hat. Stolz ist er weniger auf seine winzige „schauspielerische Einlage“, als auf die Tatsache, dass er mit seinem Medienarchiv Bielefeld, Deutschlands größter privater Film- und Filmtechnik-Sammlung, dem Studio Babelsberg die benötigten Gerätschaften zur Verfügung stellen konnten.

„Der Projektor ist ein Bauer Sonolux II von 1936. Er war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 80 Jahre alt, hat tadellos funktioniert“, erklärt Becker und hebt den rechten Daumen. Die portable Ausstattung, die einst zum Fundus des Scala-Kinos Friedrichsdorf gehörte, war genau das, was der Requisiteur aus Babelsberg haben wollte. Und als Becker vorschlug, die vier insgesamt 120 Kilogramm schweren Kisten direkt zum Drehort nach Südtirol bringen zu wollen, wurde er als Filmvorführer gleicht mit engagiert. So verbrachte der Brackweder den 28. Juli 2016, seinen 56. Geburtstag, bei 35 Grad von früh bis spät im Auto, um das alte Wehrmachtkino am Abend in der Festung Franzensfeste in Brixen pünktlich abzuliefern.

Treffen mit dem Regisseur

Die eigentlichen Dreharbeiten fanden erst am nächsten Abend statt. Zwischendurch traf Becker nicht nur die beiden Hauptdarsteller August Diehl und Valerie Pachner, sondern auch Regisseur Malick. „Er war unheimlich aufmerksam und hat sich den Projektor ausführlich von mir erklären lassen“, erzählt Becker. „Aber am Catering-Wagen hat er genau so lange gestanden wie alle anderen.“ Nach acht Wiederholungen sei die Szene im Kasten gewesen.

Archaische Bilder vom Land

„Ein verborgenes Leben“ ist ein ruhiger Film mit tief greifenden Dialogen. Kameramann Jörg Widmer bettet die Handlung ein in traumhaft schöne Bergpanoramen aus den deutsch-österreichischen Alpen. Er zeigt archaische, stimmungsvolle Bilder vom harten Leben auf dem Land, von Familie, Liebe und Zusammenhalt. Gleichzeitig ist der Gewissenskonflikt zu spüren, unter dem Jägerstätter leidet. Obwohl er mit seinem anfänglichen „Pfui Hitler“ die Dorfgemeinschaft gegen sich aufbringt, bleibt er diesem Motto treu bis zum Schluss und wird dafür 1943 hingerichtet.

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