Sa., 08.02.2020

Deutscher Wetterdienst rechnet mit Höhepunkt in der Nacht zum Montag Schulen zu, Helfer bereit: NRW erwartet Orkan

Eine Szene vom Orkantief „Friederike“ aus dem Jahr 2018: Helfer räumen einen Baum von einer Straße im ostwestfälischen Lübbecke. Im gesamten Westteil Deutschlands rechnen die Meteorologen mit orkanartigen Böen.

Eine Szene vom Orkantief „Friederike“ aus dem Jahr 2018: Helfer räumen einen Baum von einer Straße im ostwestfälischen Lübbecke. Im gesamten Westteil Deutschlands rechnen die Meteorologen mit orkanartigen Böen. Foto: Kai Wessel

Bielefeld/Paderborn/Gütersloh/Herford (WB/ca). Uni-Prüfungen sind abgesagt, Schulen schließen: Nordrhein-Westfalen bereitet sich auf den Orkan „Sabine“ vor, den der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Wochenende erwartet.

Bis Montagmorgen soll der Sturm anhalten, doch Straßen und Schienen könnten noch länger durch Bäume blockiert sein. In Bielefeld lassen einzelnen Schulen den Unterricht am Montag ausfallen, um die Sicherheit der Schulkinder nicht zu gefährden. Die Schulen im Kreis Paderborn sollen am Montag geschlossen bleiben, wie die Behörden am Samstag mitteilten. In Delbrück bleiben nach Angaben der Stadt am Montag alle Schulen geschlossen, allerdings wurde berufstätigen Eltern kein Betreuungsangebot gemacht. Auch in anderen Städten bleiben Grundschulen dicht. Das NRW-Schulministerium wies am Freitag darauf hin, dass Schulleiter den Unterricht ausfallen lassen können, wenn sie die Lage am Montag für zu gefährlich halten. Das Gleiche gilt für Eltern, die ihren Kindern am Montag den Schulweg nicht zumuten wollen.

Diese Grafik des Deutschen Wetterdienstes zeigt das Gebiet, in dem der Sturm wüten soll. Foto: DWD

Die Städte Löhne (Kreis Herford) und Bad Lippspringe (Kreis Paderborn) sagten dagegen nur den Unterricht ab, halten aber die Schulen offen, um Kinder, die kommen, zu betreuen – ebenso wie das Goerdeler-Gymnasium Paderborn. Auch das Immanuel-Kant-Gymnasium in Bad Oeynhausen hat angekündigt, den Unterricht am Montag ausfallen zu lassen, zudem sollen sich auch zwei Realschulen vor Ort dazu entschlossen haben. Nach Angaben des Schulministeriums können Eltern entscheiden, ob ihre Kinder zu Hause bleiben. Die Stadt Gütersloh empfiehlt, Kinder am Montag zu Hause zu lassen. Auch in Brakel und Bad Driburg fällt der Unterricht zum Teil aus. In Gütersloh empfehlen mehrere Schulen, die Kinder nach Möglichkeit zuhause zu lassen. Es werde aber Unterricht beziehungsweise Betreuung gewährleistet für diejenigen, die zur Schule kommen, hieß es am Freitag aus der Stadtverwaltung.

Helfer sind vorbereitet

Auch Helfer sind vorbereitet. Meinolf Haase, beim Kreis Lippe für den Bevölkerungsschutz zuständig: „Wir besetzen alle Ar­beits­plätze in der Feuerwehrleitstelle, je nach Vorhersage vielleicht auch alle Feuerwehrhäuser.“ Der Vorteil der Jahreszeit sei, dass die Bäume jetzt ohne Blätter wenig Angriffsfläche böten. „Schlecht ist, dass die Böden nass sind und Bäume deshalb nicht so fest stehen.“

Paderborn: 2600 Feuerwehrleute gerüstet

Schon alles gesichert?

Sind Sie schon gerüstet für „Sabine“? Am Sonntagmittag soll der Orkan von Westen her aufziehen und bis Montag anhalten. Wenn Sie interessante Fotos vom Sturm haben, dann schicken Sie uns die Bilder unter Angabe des Ortes, Ihres Namens und mit einer Kurzbeschreibung an online@westfalen-blatt.de

Die Feuerwehren im Kreis Paderborn treffen die letzten Vorbereitungen, um für die erwarteten Folgen des Sturms gerüstet zu sein. Bis zu 2600 aktive Feuerwehrleute stehen in den zehn Kommunen des Kreises für umfassende Hilfseinsätze bereit. Die volle Wucht des Sturms erwarten Kreisbrandmeister Elmar Keuter und sein Stellvertreter Christoph Müller in den Abendstunden des Sonntags und in der Nacht zu Montag. Angekündigt sind bis jetzt schwere Sturmböen mit Windstärken zwischen 10 und 11 in der Spitze. Falls diese Windstärken tatsächlich eintreten, rechnen Keuter und Müller mit zahlreichen umstürzenden Bäumen und gesperrten Straßen. Da in den meisten Fällen die Schäden aus Sicherheitsgründen erst nach Abflauen des Sturms beseitigt werden können, muss auch am Montagmorgen mit erheblichen Verkehrsbehinderungen gerechnet werden.

Durch die Orkane „Kyrill“ und „Friederike“ in den Jahren 2007 und 2018 sind die Feuerwehren im Kreis sturmerprobt. Alle Wehrführer im Kreis und die einzelnen Einheiten sind bereits vorgewarnt. Im Ernstfall richten in den Kommunen die Wehren in einem zentralen Gerätehaus eine Örtliche Einsatzleitung (ÖEL) ein.

Uni sagt Prüfungen ab

Die Uni Paderborn teilte mit, dass Prüfungen, die Montag vor 12 Uhr stattfinden sollten, abgesagt seien und nachgeholt würden. Ob die Regelung auch für den Rest des Tages gelte, werde man Montag bis 11 Uhr über Twitter und Facebook bekannt geben. Studenten können entscheiden, ob sie kommen, für Lehrkräfte gilt das bis 12 Uhr.

Straßen NRW richtet Rufbereitschaft ein

Der Landesbetrieb Straßen NRW hat eine Rufbereitschaft für die meisten seiner 80 Straßenmeistereien eingerichtet. „Vor allem Mitarbeiter mit Motorsägeschein wissen, dass sie möglicherweise raus müssen“, sagt Sprecherin Susanne Schlenga. Außerdem habe man sichergestellt, dass Privatfirmen erreichbar seien, die über schweres Gerät wie Fällbagger verfügten.

DWD: Sturm soll bis Montagmorgen anhalten

Der Sturm soll laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in NRW am Sonntagmittag von Westen aufziehen und bis Montagmorgen anhalten. Der DWD rechnet mit schweren Sturmböen der Stärke zehn und hält örtlich Böen bis Stärke elf für möglich. Auf Bergen werde die volle Orkanstärke zwölf erwartet, in einigen exponierten Kamm- und Gipfellagen mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 140 km/h. Der Höhepunkt werde in NRW voraussichtlich gegen Mitternacht erreicht. Möglicherweise falle in den Mittelgebirgen Dauerregen mit Mengen um 25 Liter in zwölf Stunden.

Deutsche Bahn rät: Zugfahrten verschieben

Die Deutsche Bahn ermöglicht Kunden, trotz bereits gekaufter Tickets geplante Zugfahrten im Zeitraum von Sonntag bis Dienstag zu verschieben. Alle Tickets im Fernverkehr, die vom 9. bis einschließlich 11. Februar betroffen sind, behalten demnach ihre Gültigkeit. Sie können vom kommenden Samstag bis mindestens Dienstag, den 18. Februar, genutzt werden. Das gelte auch für zuggebundene Tickets.

Alternativ ließen sich die Fahrkarten kostenlos stornieren. Die Erstattung könnten in den Reisezentren der Bahn, DB-Agenturen und im Internet beantragt werden.

Video: Sturm „Sabine“ über Ostwestfalen-Lippe

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7246749?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F