Mo., 10.02.2020

Nordrhein-Westfalen: Bahnverkehr kommt langsam wieder in Gang – Landesbetrieb Wald und Holz warnt – mit Video Neue Sturmböen in NRW erwartet – 13 Verletzte durch „Sabine“ – Wälder nicht betreten!

Eine Buche stürzte während des Sturmtiefs in Herford von einem Privatgrundstück auf die Fahrbahn und auf ein geparktes Auto.

Eine Buche stürzte während des Sturmtiefs in Herford von einem Privatgrundstück auf die Fahrbahn und auf ein geparktes Auto. Foto: Feuerwehr Herford/dpa

Düsseldorf/Paderborn (dpa/WB). Leere Bahnsteige, abgesagte Flüge, genervte Eltern: Orkantief „Sabine“ hat das öffentliche Leben in NRW am Montag kräftig durcheinandergebracht. Das Orkantief ist zwar überstanden, doch auch am Dienstag bleibt es stürmisch.

Ein wechselhaftes Schauerwetter und Sturmböen bis Windstärke neun können das Bundesland auch am Dienstag noch durcheinanderwirbeln, erklärte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Essen. „Der Wind wird punktuell wieder auffrischen“, sagte ein Sprecher, auch wenn er insgesamt zurückgehe.

7100 Einsätze und 13 Verletzte

Bilanz einer Sturmnacht: Mehr als 7100 Einsätze und 13 Verletzte hat Sturmtief „Sabine“ in Nordrhein-Westfalen verursacht. Fast 22.000 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Hilfsorganisationen seien auf den Beinen gewesen, teilte das NRW-Innenministerium am Montag mit. Hinzu kamen noch fast 3000 Einsätze der Polizei.

Der Landesbetrieb Wald und Holz warnte Spaziergänger und Freizeitsportler davor, die Wälder in NRW zu betreten. „Die bis Dienstag erwarteten Windgeschwindigkeiten reichen weiterhin aus, in den angeschlagenen Wäldern Bäume zu entwurzeln und schwere Äste herabstürzen zu lassen“, hieß es.

NRW eher glimpflich davongekommen

Etliche Schulen und Kitas sollten dagegen am Dienstag wieder öffnen. Der Betrieb werde wieder aufgenommen, teilten etwa die Städte Aachen, Köln, Düsseldorf und Moers am Montag mit. „Es liegt im Ermessen der Eltern, ob ihre Kinder bei der herrschenden Witterung den Weg zur Schule gefahrlos zurücklegen können oder nicht“, erklärte die Stadt Köln. Andere Städte, darunter Dortmund, Münster und Essen, stimmten sich zum Schulbetrieb zunächst noch ab.

In der Nacht auf Montag hatte „Sabine“ teils orkanartige Winde gebracht, die Feuerwehr wurde zu hunderten Einsätzen gerufen. Trotzdem ist NRW eher glimpflich davongekommen. Am Vormittag kam der Bahnverkehr nach der Orkannacht wieder in Gang, und auch auf den Autobahnen gab es kaum noch Sperrungen durch umgestürzte Bäume. Die Schäden in den Wäldern sind nach ersten Einschätzungen von Wald und Holz weniger dramatisch als befürchtet.

„Sabine war wohl doch nur ein Sabinchen“, schrieb die Stadt Solingen in ihrer Bilanz. Die Erleichterung war vielen Einsatzkräften anzumerken. Allerdings gab es einige Verletzte durch den Sturm. In einigen Ortschaften fiel der Strom aus.

Vor logistischen Problemen standen am Montagmorgen Eltern von Schul- und Kindergartenkindern. Etliche Städte hatten den Unterricht an ihren Schulen ausfallen lassen. Auch viele Kindertagesstätten blieben ganz geschlossen oder boten nur eine Notbetreuung an. Viele Eltern mussten kurzfristig Alternativen organisieren oder freinehmen.

137 Stundenkilometer

Die höchste Windgeschwindigkeit in Nordrhein-Westfalen wurde in der Nacht auf Montag auf dem Kahlen Asten (842 Meter) gemessen. Einer Grafik auf Kachelmannwetter.de zufolge war dort eine Orkanböe 137 Stundenkilometer schnell. Dies entspricht Windstärke 12. Orkanartige Böen wurden demnach unter anderem in Wuppertal (111 km/h), Aachen und Werl (beide 106 km/h) registriert.

Die Feuerwehrleute waren vielerorts im Dauereinsatz, landesweit gab es Hunderte Einsätze. In Mülheim an der Ruhr hatten zwei Insassen eines Autos großes Glück: Ein 25 Meter hoher Baum stürzte um und erwischte ihren fahrenden Wagen im hinteren Bereich. „Wäre das Fahrzeug nur eine Sekunde eher an der Stelle gewesen, hätte es wesentlich schlimmer ausgehen können“, berichtete die Feuerwehr.

In Paderborn erlitt ein 16-Jähriger durch einen herabstürzenden Ast Kopfverletzungen. In Essen wurde eine 47 Jahre alte Frau von einer herabstürzenden Schieferplatte leicht verletzt. In Duisburg wurde ein Feuerwehrmann im Einsatz leicht am Auge verletzt. Im Kreis Lippe musste ein Zug mit 150 Passagieren evakuiert werden, der von einem umstürzenden Baum getroffen worden war. In Spenge im Kreis Herford wirbelte eine Sturmböe einen leeren Swimmingpool in die Luft. Teile des Pools sollen in ein Haus eingeschlagen sein und Fensterscheiben zerstört haben. Im Kreis Höxter konnten Anwohner ein außer Kontrolle geratenes Trampolin einfangen und sichern.

Die Einsatzkräfte waren nicht nur mit dem Zersägen von Bäumen beschäftigt, die auf Straßen, geparkte Autos oder gegen Häuser gefallen waren. So berichtete die Feuerwehr Essen, dass mehrfach Bauzäune oder Baugerüste gesichert werden mussten – ebenso Baustellentoiletten, ein Pavillon oder Trampoline. Gelockerte oder herabgewehte Dachziegel waren ebenfalls häufig.

Dem Deutschen Wetterdienst zufolge soll der Wind auch am Mittwoch weiter zurückgehen. Einzelne Schauer seien möglich.

Bahn nimmt Betrieb wieder auf

Das private Bahnunternehmen Abellio schickte am Montagmorgen wieder Züge auf einige Strecken. „Wir fahren langsam und vorsichtig“, sagte eine Sprecherin. Die Deutsche Bahn und die Eurobahn wollten hingegen noch abwarten. „Bei uns gilt safety first für Fahrgäste und Mitarbeiter“, sagte eine Eurobahn-Sprecherin.

Die Deutsche Bahn hatte nach der Sturmnacht nach eigenen Angaben rund 50 Einsatztrupps mit Räumgerät und Kettensägen im Einsatz. „Wir rechnen damit, dass im Laufe des Vormittags erste Stecken wieder befahrbar sind“, sagte eine Bahn-Sprecherin. Der Fernverkehr sollte bis mindestens 10 Uhr komplett stillstehen. Am Sonntagabend hatte die Bahn in mehreren Bahnhöfen sogenannte Aufenthaltszüge für gestrandete Reisende bereitgestellt. Auch Hotel- und Taxigutscheine wurden ausgegeben.

Auf der wichtigen Linie RE1 von Hamm über Dortmund, Essen und Duisburg nach Düsseldorf, Köln und Aachen seien die ersten Züge unterwegs, teilte die Deutsche Bahn dann später am Montagvormittag mit. Die Bahnen seien allerdings langsamer als sonst unterwegs, dadurch komme es zu Verspätungen. Auch Ausfälle seien nach wie vor möglich. Im Fernverkehr sollten im Laufe des Vormittags die ersten Züge wieder fahren. Bahnkunden mussten den ganzen Tag über noch mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen.

Video: Sturm Sabine über Ostwestfalen-Lippe

Vergleichsweise entspannt war die Lage auf den Autobahnen: Der WDR meldete um 7.50 Uhr in ganz Nordrhein-Westfalen knapp 140 Kilometer Stau – das ist eher wenig für einen Montagmorgen. „Vielleicht arbeiten heute einige von zu Hause aus oder nehmen Urlaub“, spekulierte ein Sprecher der Landesleitstelle der Polizei. Auf der A4 bei Kerpen und der A45 bei Hagen blockierten am Morgen noch Bäume die Fahrbahn. Mehrere Bundes-, Landes- und Kreisstraßen waren ebenfalls gesperrt. „Wir sind glimpflich davon gekommen“, sagte ein Sprecher der Verkehrsleitzentrale des Landesbetribes Straßen NRW. Der Sturm sei zu einem Zeitpunkt gekommen, an dem die Bäume keine Blätter mehr trugen. „Da hatte der Wind weniger Angriffsfläche als bei früheren Stürmen.“

Straßenperrungen in Lippe

Sperrungen wegen umgestürzter Bäume gab es laut Polizei etwa an der B 238 in Detmold und an der B1 bei Blomberg. Sie sollten jeweils bis etwa acht Uhr anhalten. „Wir sind glimpflich davon gekommen“, sagte ein Sprecher der Verkehrsleitzentrale des Landesbetriebs „Straßen NRW“. Der Sturm sei zu einem Zeitpunkt gekommen, an dem die Bäume schon keine Blätter mehr trugen. „Da hatte der Wind weniger Angriffsfläche als bei früheren Stürmen.“ Umgekippte Bäume auf kleineren Straßen seien aber teils auch schon in der Nacht entfernt worden.

An der Eckendorfer Straße in Bielefeld ist ein Anhänger umgekippt und blockierte auf Höhe der Bushaltestelle „Am Wellbach“ den Gehweg.

Der umgekippte Anhänger an der Eckendorfer Straße in Bielefeld. Foto: Christian Althoff

Am OWL-Flughafen hebt eine Maschine ab

An den beiden größten NRW-Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn wurden wegen des Sturms insgesamt 165 Flüge storniert. Vor allem die Entscheidung von Eurowings, während des Sturms fast alle Flüge zu streichen, führte an den beiden großen NRW-Flughäfen zu Annullierungen. Auch in Paderborn/Lippstadt fielen Starts und Landungen aus. Trotz des Sturms hob dort am Sonntag eine Maschine nach Hurghada ab.

Die Feuerwehrleute waren in der Nacht zum Montag vielerorts im Dauereinsatz, landesweit gab es Hunderte Einsätze. In Mülheim an der Ruhr hatten zwei Insassen eines Autos großes Glück: Ein 25 Meter hoher Baum erwischte ihren fahrenden Wagen im hinteren Bereich. Das Auto geriet ins Schleudern und landete im Straßengraben. Die beiden konnten sich selbst befreien. Nur leicht verletzt kamen sie in ein Krankenhaus. „Wäre das Fahrzeug nur eine Sekunde eher an der Stelle gewesen, hätte es wesentlich schlimmer ausgehen können“, berichtete die Feuerwehr Mülheim am frühen Montagmorgen.

Weitere Informationen aus den Kommunen der Region finden Sie hier:

- Bielefeld: https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Bielefeld

- Kreis Paderborn: https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Paderborn

- Kreis Höxter: https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Hoexter

- Kreis Gütersloh: https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Guetersloh

- Kreis Minden-Lübbecke: https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Minden-Luebbecke

- Kreis Herford: https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Herford

Der Sturm in NRW am Sonntag

Über die Ereignisse in der Region bis Sonntagabend haben wir hier berichtet: Orkan „Sabine“ lähmt NRW – Bahnverkehr eingestellt.

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