Di., 11.02.2020

Seit 2011 hat die Stadt gut die Hälfte ihrer Straßenlampen erneuert LED-Laternen halbieren den Stromverbrauch

Im Bürgerpark wird es deutlich: Zwischen den Laternen liegt ein Dunkelfeld, das bei LED-Lampen stärker ausgeprägt ist.

Im Bürgerpark wird es deutlich: Zwischen den Laternen liegt ein Dunkelfeld, das bei LED-Lampen stärker ausgeprägt ist. Foto: Bernhard Pierel

Von Peter Bollig

Bielefeld (WB). Es ist ein Millionenprojekt, das sich gleichwohl auszahlen und die Umwelt schonen soll: Seit 2011 stellt die Stadt Bielefeld die Beleuchtung von Straßen und Grünanlagen auf energiesparende LED-Technik um – und sieht sich dabei auf einem guten Weg.

Gut die Hälfte ist geschafft: Von aktuell genau 31.582 Leuchten, die an Bielefelds Straßen und Wegen des Nachts ein Licht aufgehen lassen, sind 17.678 inzwischen mit Leuchtkörpern ausgestattet, in denen Leuchtdioden (Englisch: light-emitting diodes – LED) strahlen. Dadurch, sagt Stephan Korbmacher, Abteilungsleiter Straßenausstattung im Amt für Verkehr, konnte allein der Stromverbrauch von zuvor rund 12 Millionen auf jetzt 6,2 Millionen Kilowattstunden halbiert werden. Im Durchschnitt verbrauchen die LED-Lampen 15,8 Watt. Das verbessert auch die Klima-Bilanz: 3658 Tonnen weniger Kohlendioxid werden pro Jahr in die Luft geblasen.

Als seinerzeit mit Fördermitteln für die Umstellung der Straßenbeleuchtung geworben wurde, war Bielefeld eine der ersten Kommunen, die mitmachten, sagt Korbmacher dem WESTFALEN-BLATT. „Und wir liegen bei der Umsetzung auch heute im Vergleich zu anderen Kommunen mit vorn.“ In mehreren Förderphasen waren von 2011 bis 2013 zunächst Anliegerstraßen, von 2013 bis 2018 auch Grünzüge und Parks sowie Hauptverkehrsstraßen in Angriff genommen worden. Rund 25 Prozent der Kosten übernahmen die Fördergeber von Bund und Land. 10,7 Millionen Euro hat der bisherige Austausch zwischen 2011 und 2018 gekostet – mit einem städtischen Anteil von 7,9 Millionen.

50 Jahre alte Masten

Ausgetauscht wurden vor allem die alten Pilz-Lampen, in denen noch alte Glühbirnen, teilweise die bereits energieeffizienteren Leuchtstofflampen steckten. Wo noch keine LED-Technik eingezogen ist, wurden Pilz-Leuchten mit Klarglas ausgestattet und Leuchtstofflampen eingesetzt. Langfristig sollen auch sie gegen LEDs ausgetauscht werden – schon deshalb, weil es die alten Leuchtmittel auf dem Markt irgendwann nicht mehr geben wird.

Für Stephan Korbmacher ist das einer der Aspekte, in welcher Reihenfolge der Umbau weitergehen muss. Mit dem jährlich im städtischen Haushalt dafür zur Verfügung stehenden Budget werden solche Lampentypen erneuert, für die es entsprechende Ersatzteile nicht mehr gibt. So sind als nächstes unter anderem die so genannten Freileitungslampen dran, die in Außenbereichen an Holzmasten hängen, etwa an der Schröttinghauser Straße. An anderer Stelle sind Straßenzüge an der Reihe, an denen die Masten nach Jahrzehnten marode sind und die Standfestigkeit nicht mehr lange gewährleistet ist. Die neuen Masten werden dann gleich mit LED-Technik aufgestellt. So sind manche alte Masten um die 50 Jahre alt, wenn sie komplett erneuert werden.

Ansonsten bedeutet Austausch: Der Kopf des Mastes wird abgenommen und durch einen LED-Kopf ersetzt. In dem sind vier bis sechs LED-Reihen untergebracht, von denen in der Regel zwei Reihen am späteren Abend zwischen 22.30 und 4.30 Uhr ausgeschaltet werden.

Weniger Streulicht

Trotz des ökologischen Vorteils der neuen Technik gibt es immer wieder auch Kritik. Vor allem, weil der ausgeleuchtete Bereich kleiner ist und mitunter die Anlieger an den Kosten beteiligt werden. Stephan Korbmacher stellt klar: Die LED-Lampen leuchten gezielt in Richtung Straße, leuchten die umliegenden Hauswände nicht mehr an, anders als die alten Pilz-Lampen. Das werde von Anwohnern durchaus als Vorteil gesehen, weil Wohnräume nicht mehr von der Straße aus ausgeleuchtet werden. Es gebe somit weniger Streulicht, die Dunkelfelder zwischen den Laternen seien dadurch ausgeprägter. „Wir kontrollieren das“, sagt der Abteilungsleiter. Sind Straßenbereiche zu dunkel, würden zusätzliche Masten aufgestellt, die Masten anders angeordnet oder erhöht. Bei einem reinen Austausch der Lampen würden Anwohner nicht zur Kasse gebeten. Erst wenn die Maßnahme umfangreicher werde, etwa Erdarbeiten notwendig würden, um Leitungen neu zu verlegen, werde „im Einzelfall“ geprüft, ob Anliegerbeiträge erhoben würden.

Trotz der höheren Anschaffungskosten spart die Stadt, und das nicht nur beim Strom: „Die Betriebskosten sind geringer“, sagt Korbmacher, weil eine LED-Lampe mit 80.000 bis 100.000 Betriebsstunden deutlich länger halte als eine Glüh- oder Leuchtstofflampe. Bemerkbar macht sich das auch bei den Ampelanlagen, die bislang mit 230- oder 10-Volt-Technik betrieben wurden. Auch dort laufe ein Umbau auf LED-Technik. Von 242 städtischen Ampelanlagen (eine Kreuzung beispielsweise wird als eine Ampelanlage gewertet mit entsprechend vielen Lichtsignalen) sind laut Stephan Korbmacher bereits 53 auf LED umgestellt. Diese Lampen müssten nicht im Zuge von Wartungsarbeiten regelmäßig gewechselt werden, sondern erst bei einem Defekt. Anders bei den älteren Ampeln: Bei ihnen ist aus Sicherheitsgründen ein routinemäßiger Austausch des Leuchtmittels nach spätestens einem Jahr fällig.

Kommentare

Ach, werden die denn gar nicht mit emissionsfreiem "ÖKOSTROM" betrieben?

1 Kommentare

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