Do., 13.02.2020

Polizeieinsatz dauerte bis 3.15 Uhr am Donnerstag – Die „Grünen“ beziehen Stellung Moschee evakuiert: Drohmail von „Kampfgruppe 18“ unterzeichnet

Die Zentral-Moschee in Bielefeld liegt an der Ernst-Rein-Straße 32. Dort ist es am Mittwochabend nach einer Bombendrohung zu einer Evakuierung gekommen.

Die Zentral-Moschee in Bielefeld liegt an der Ernst-Rein-Straße 32. Dort ist es am Mittwochabend nach einer Bombendrohung zu einer Evakuierung gekommen. Foto: Christian Bröder

Von Christian Bröder

Bielefeld (WB). Steckt möglicherweise ein fremdenfeindliches Motiv hinter der Bombendrohung gegen die Zentral-Moschee in Bielefeld ? Die Merkez-Moschee an der Ernst-Rein-Straße 32 musste am Mittwochabend (wie berichtet) evakuiert werden, nachdem per E-Mail eine Drohung eingegangen war. Auch Moscheen in Unna, Hagen und Essen waren bedroht worden.

In den Drohschreiben, die am Nachmittag kurz nach 15 Uhr in kurzen zeitlichen Abständen hintereinander bei den vier Moscheen in NRW eingegangen sein sollen, wurden Explosionen eines Sprengkörpers angekündigt. Nach Informationen des WESTFALEN-BLATTes könnte ein rechtsterroristisches Netzwerk die Drohmails unterzeichnet haben.

Demnach soll der Inhalt der Mail mit dem „Mit freundlichen Grüßen Kampfgruppe 18“ unterzeichnet gewesen sein. Die Zahl 18 steht in rechtsradikalen Kreisen auch für Adolf Hitler. Im Juni 2019 war die militante neonazistische Organisation „Combat 18“ in Zusammenhang mit Drohmails gegen Moscheen in Duisburg, Mannheim und Mainz geraten. Wie in den aktuellen Fällen hatten die Behörden auch damals die Moscheen auf Sprengstoff untersucht, aber kein explosives Material gefunden.

Ein Bild aus dem Innenhof der Moschee in Bielefeld. Drei Mieter und der Vorbeter, die dort in Wohnungen leben, konnten erst nach den Untersuchungen gegen 3.15 Uhr in die Gebäude zurückkehren. Foto: Christian Bröder

Während bei den Moscheen in Unna, Hagen und Essen die Drohmails bereits am Nachmittag für Evakuierungen und Untersuchungen mit Spürhunden gesorgt hatten, kam es in der 1947 erbauten Merkez-Moschee in Bielefeld erst am Abend zum Polizeinsatz. Hintergrund: Ein Mitarbeiter des Ditib-Verbands soll erst kurz vor 21 Uhr die E-Mails ausgelesen und die drohende Nachricht entdeckt haben. Zu diesem Zeitpunkt war auch die zum Gebäudekomplex gehörende Teestube gut besetzt.

Nachdem die Verantwortlichen die Polizei alarmiert hatten, wurde die Moschee sofort evakuiert. Durchsuchungen mit Sprengstoffspürhunden in den Räumlichkeiten verliefen ergebnislos. Die Untersuchungen dauerten bis gegen 3.15 Uhr am Donnerstagmorgen. Erst danach konnten der Vorbeter und drei weitere Mieter wieder in ihre Wohnungen im Gebäudekomplex der Moschee zurückkehren.

Unterdessen haben sich am Donnerstag die „Grünen“ Bielefeld angesichts der Bombendrohung in einer Pressemitteilung geäußert. „Es macht mich sehr betroffen, dass die Gemeindemitglieder so bedroht wurden. Dieser Einschüchterungsversuch ist nicht hinnehmbar, unsere Solidarität gilt den Mitgliedern der Gemeinde“, erklärte „Grünen“-Sprecherin Schahina Gambir. „Es gilt nun zeitnah aufzuklären, ob die Bombendrohung rassistisch und islamfeindlich motiviert war. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass es auch in anderen Städten Bombendrohungen gegenüber Moscheevereinen gab, steht dies zu befürchten.“

Ein Schild im Eingangsbereich weist darauf hin, dass die Moschee videoüberwacht wird. Foto: Christian Bröder

 

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