Sa., 15.02.2020

Bielefelder Amt für Verkehr: kein Allheilmittel gegen Verkehrsprobleme „Unberechenbare“ Grüne Welle

In Bielefeld gibt es auf Hauptverkehrsstraßen die „Grüne Welle“. Theoretisch. Denn sie kann durch zahlreiche Faktoren schlicht „ausgebremst“ werden. Durch unterschiedlich lange Grünphasen soll der Verkehr flüssig bleiben.

In Bielefeld gibt es auf Hauptverkehrsstraßen die „Grüne Welle“. Theoretisch. Denn sie kann durch zahlreiche Faktoren schlicht „ausgebremst“ werden. Durch unterschiedlich lange Grünphasen soll der Verkehr flüssig bleiben. Foto: Bernhard Pierel

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Immer wieder preisen FDP und CDU – zuletzt in der Ratssitzung am vorvergangenen Donnerstag, aber auch die Wirtschaftsverbände die „Grüne Welle“ als eine Art Allheilmittel gegen Verkehrsprobleme in der Innenstadt an. Olaf Lewald, Leiter des städtischen Amtes für Verkehr, sieht da kaum Spielraum: „‚Grüne Welle’, das hört sich gut an. ist im Zentrum aber nicht wirklich zielführend.“

In Bielefeld gibt es Straßen mit „Grüner Welle“. Eigentlich. Denn die, so Lewald, funktionierten nur in einer Richtung: „An Kreuzungen, bei Abbiegevorgängen und wenn die Abstände zwischen den Ampelanlagen wie etwa auf dem Ostring zu lang sind, gibt es Brüche und der Verkehrsfluss wird durch Ampel-Rotlicht ausgebremst.“

Fahre die Stadtbahn in Mittellage wie zum Beispiel auf der Herforder oder der Artur-Ladebeck-Straße, die zudem noch eigene Linksabbiegespuren habe, sei es möglich, auf der „Grünen Welle“ durchzurutschen.

Busse haben Vorfahrt

„Zerstört“ werde die „Grüne Welle“ zum Beispiel, wenn ein Auto aus einer Zufahrt (langsam) auf die bevorrechtigte Straße einbiege, wenn eine Fußgängerampel „Rot“ anzeige, wenn ein Bus eine Haltestelle ansteuere. Lewald: „Laut politischem Beschluss müssen Busse priorisiert werden.“ Das heißt: Autofahrer müssen warten.

Auch Dezernent Gregor Moss, zuständig unter anderem für den Bereich der Mobilität, sagt, dass eine „Grüne Welle“ nur funktionieren könne, wenn alle Unwägbarkeiten auszuschließen seien. Unwägbarkeiten seien zum Beispiel Einsatzfahrten von Polizei und Feuerwehr, Fußgänger, die die Fahrbahn queren wollen, aber auch der Verkehr auf den auf die Hauptstrecke „zulaufenden Ästen“. Moss: „Unberechenbar.“

Lewald sagt, dass nur in einem Idealfall alle Autofahrer in einer Richtung mit exakt derselben Geschwindigkeit unterwegs seien. Das komme in der Praxis aber nie vor. Beispiel sei erneut der Ostring, auf dem die Autofahrer mit unterschiedlichem Tempo unterwegs seien. Dort seien dann „Fahrten vor Rot“ – so der Fachbegriff – nicht zu vermeiden. Auf dem Jahnplatz sei die Ampelschaltung auf Tempo 30 umgestellt worden, aber auch dort gelinge die „Grüne Welle“ nicht.

Ampelschaltungen sind bereits optimiert

Gregor Moss verweist zudem auf den ständig zunehmenden Verkehr. Kritiker monieren, die „Grüne Welle“ in Bielefeld sei zugeschnitten auf das „Verkehrsaufkommen der 1990er Jahre“. Stimmt nicht, so Olaf Lewald. Die Schaltungen an den Haupteinfallstraßen seien bereits optimiert mit dem Ziel, „Rückstaus möglichst zu vermeiden“.

Es ergäben sich häufig auch Zwänge, die nur durch Kompromisse abgemildert werden könnten. Das gelte etwa für den Verkehrsfluss auf der Detmolder und auf der Kurt-Schumacher-Straße. Auf der Detmolder Straße sei die Stadtbahn eben „Pulkführer“, weil sie auch an den Haltestellen Fahrgäste ein- und aussteigen lassen müsse, an denen Hochbahnsteige fehlten.

Während der Umbauarbeiten auf dem Jahnplatz solle das Abbiegen für den Verkehr aus Richtung Brackwede spätestens auf Höhe Stapenhorststraße auf den Ostwestfalendamm erleichtert werden: durch lange Grünphasen für Linksabbieger und lange Abbiegespuren. So hoffe man, den Knoten zu entzerren und Autofahrer vom Jahnplatz fern zu halten; der darf dann ohnedies nur von Bussen und Anliegerverkehr befahren werden.

Dass die „Grüne Welle“ in Gütersloh auf dem Innenstadtring funktioniert, liege daran, so Lewald und Moss, dass zum einen Nebenstraßen komplett abgebunden seien, es zum anderen Abbiegespuren gebe. Das halte den Geradeausverkehr flüssig, sei für Bielefeld aber nicht vorstellbar.

Kommentar von Burgit Hörttrich

Ewig auf dem vermeintlichen Allheilmittel „Grüne Welle“ herum zu reiten, bringt Bielefeld nicht weiter. Während der Zeit des Jahnplatzumbaus sollten sich alle Gegner des Projektes zurückhalten mit der Beschwörung des „Verkehrskollaps“. Es wird hart, ganz klar. Aber vielleicht wird es anschließend besser. Mit einer „Grünen Welle“ bei Tempo 30. Und – sind wir ehrlich – wenn alle Verkehrsteilnehmer etwas mehr Rücksicht aufeinander nehmen würden, dann liefe es insgesamt besser. Auch mit der „Grünen Welle“. Denn die gibt es. Wer aber will Rettungswagen oder Feuerwehr die Vorfahrt streitig machen, um die „Grüne Welle“ flüssig zu halten?

Kommentare

Alles Ausflüchte

Die genannten Voraussetzungen für die Grüne Welle könnte man schaffen. Stattdessen passiert das genaue Gegenteil: Die Haltebuchten für die -bevorzugten- Busse wurden auf der Detmolder Straße gerade entfernt. Und anstatt wie geplant die Linie 3 zu verlängern (was seit den 70ern geplant war und laut Potenzialanalyse von 2011 die beste Lösung wäre) soll nun die Linie 2 mit aller Macht auf die Bundesstraße geprügelt werden. Um den Verkehrsfluss hier völlig zu zerstören - denn anscheinend ist man der Meinung, dass Pendler nur zum Spaß mit dem Auto über Fernstraßen fahren und das von heut auf morgen auch einfach bleiben lassen könnten.
Dabei sind die Planungen für die B66n noch warm und das Pendeln über die Stadtgrenze hinaus ist mit Öffis immer noch nicht wirklich möglich.
Was man hier sieht, ist wie die Politik die Behörden passend besetzt hat, damit zuallererst der PKW-Verkehr sabotiert wird - vorzugsweise, indem man Radfahrer als Prellbock instrumentalisiert und auf die Hauptstraßen leitet.
Der nächste Wahlkampf wird spannend...

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