Von Winter-Campern, Wetter-Trotzern und Wohnmobil-Enthusiasten am Johannisberg
„Ein Stück Freiheit“

Bielefeld (WB). Regen, Wind und Kälte haben in den vergangenen Tagen den Schritt vor die Tür recht ungemütlich gemacht. Doch es gibt Menschen, denen das egal ist. Oben auf dem Johannisberg zum Beispiel. Dort gibt es seit 2011 einen Stellplatz für zehn Wohnmobile. Und trotz unwirtlichen Wetters ist der Platz nicht leer.

Montag, 17.02.2020, 11:00 Uhr
Auf dem Wohnmobil-Stellplatz am Bielefelder Johannisberg genießen Annette und Uwe Rutenkröger aus Bünde ein Stück Freiheit. Die Sonne am Samstag hat das Paar zu einer Radtour genutzt. Auch im Winter ist der Stellplatz fast nie leer. Foto: Arndt Wienböker
Auf dem Wohnmobil-Stellplatz am Bielefelder Johannisberg genießen Annette und Uwe Rutenkröger aus Bünde ein Stück Freiheit. Die Sonne am Samstag hat das Paar zu einer Radtour genutzt. Auch im Winter ist der Stellplatz fast nie leer. Foto: Arndt Wienböker

„Kälte macht uns überhaupt nichts aus. Wir waren auch schon richtig im Winter unterwegs”, sagen Annette und Heinz-Ulrich Brink. Das Paar aus Holzwickede reist schon seit 20 Jahren per Wohnmobil – jetzt hat es die beiden zum ersten Mal nach Bielefeld verschlagen. Zufällig. Denn vorher hatten sie im ostwestfälischen Halle nach Solarpanels für das Dach ihres Wohnmobil geschaut. Die Suche nach einem Stellplatz führte die Rentner dann zum Johannisberg.

„Der Platz ist sauber und ordentlich“

„Der Platz ist sauber und ordentlich. Ein bisschen trist vielleicht, aber das liegt wohl am Wetter.” Sie bleiben hier nur für eine Nacht. Am nächsten Tag geht es direkt weiter. Wohin? Darüber kann man morgen nachdenken. Erstmal machen sich Annette und Heinz-Ulrich Brink im warmen Wohnmobil einen schönen Tag. Wenn das Wetter mitspielt, wollen sie vielleicht auch noch die Bielefelder Innenstadt anschauen.

Marion und Heinz Tiemeyer aus Minden-Lübbecke kennen den Platz schon seit einigen Jahren. Auch sie sind nur für eine Nacht hier. Im Gegensatz zu ihren Platznachbarn allerdings ganz gezielt. Sie besuchen ihre Tochter in Bielefeld. „So können wir gemeinsam einen schönen Abend verbringen und hinterher in unserem Hotelzimmer auf Rädern übernachten”, erklärt der 65-Jährige. Auch er und seine Frau machen sich keine Gedanken über das Wetter. Das Wohnmobil versorgt sich selbst. Mit Strom, Wärme und Wasser.

Wohnen im Wagen

Nicht ganz so luxuriös, dafür umso uriger, haust gegenüber ein 59-Jähriger, der namentlich nicht genannt werden möchte. Gemeinsam mit seinem Hund lebt er in einem älteren Wagen – ohne eingebaute Heizung, Brennstoffzelle oder Solarpanels. Trotzdem würde er seine Behausung wohl kaum eintauschen. Er hat sie schließlich selbst wieder auf Vordermann gebracht. Der Mann ist Bielefelder. Geboren im Johannistal, seit 15 Jahren mit der gleichen Meldeadresse. Er wohnt und lebt aber in seinem Wagen. Meistens auf dem Stellplatz am Johannisberg, manchmal für kurze Zeit auch woanders. „So richtig Urlaub machen, in Portugal oder so, das ist nichts für mich. Höchstens mal für einen Job.” Er sei eben doch verwurzelter als er dachte, merkt der überzeugte Schrauber an.

Auch er stört sich nicht allzu sehr am Wetter. In Holzfällerhemd, Birkenstocks und dicken Socken geht er vor die Tür und leert den Eimer mit Wasser aus, das von der Karosserie seines Wagens tropft. Im Winter mache er eigentlich nichts anders als im Sommer. Nur genießen, dass der Platz nicht ganz so voll ist.

Radtour rund um Bielefeld

Am Samstag scheint dann endlich mal wieder die Sonne. Das nutzen Annette (45) und Uwe Rutenkröger (50) aus Bünde zu einem Wochenend-Trip nach Bielefeld – für zwei Nächte stehen sie mit ihrem Wagen auf dem Johannisberg. Gerade kommen sie von einer Radtour mit ihren Pedelecs zurück, 40 Kilometer rund um Bielefeld. „Der Platz hier ist super. Der Wald, die Stadt, der Tierpark, im Sommer der Kletterpark: Man kann viel unternehmen und ist sofort da“, erklärt Annette Rutenkröger. Nach einem Kaffee geht es dann in die City zum Bummeln.

Sie und ihr Mann unternehmen an den Wochenenden regelmäßig Touren mit ihrem vor fünf Jahren erstandenen Wohnmobil. „Dabei bleiben wir meistens in der Region. Wir haben Spaß daran, einfach drauf los zu fahren, ohne vorher etwas zu buchen oder sich um andere Dinge kümmern zu müssen. Das ist ein Stück Freiheit“, erklären die Bünder.

„Das macht einfach Spaß“

Sechs Wagen stehen am Samstag auf dem Wohnmobil-Stellplatz. Einer kommt aus Wuppertal, ein anderer aus Baden-Württemberg. Frauke und Burkhard Dorn sind auch da. Sie haben nur eine kurze Anreise, denn sie sind Bielefelder und wohnen in Ubbedissen. „Wir machen einen Tagesausflug, das Wetter ist ja ausnahmsweise mal gut“, sagt der 63-Jährige. Seit 30 Jahren touren die Dorns in ihrer kleinen Wohnung auf Rädern durch die Gegend. Auch sie lieben die „Unabhängigkeit. Du hast so viele Möglichkeiten. Und wenn es dir irgendwo nicht gefällt, fährst du halt weiter. Das macht einfach Spaß.“

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