Di., 18.02.2020

Sparkassen in Westfalen-Lippe sagen 6,3 Milliarden Euro zu – Gewinn aber rückläufig Bauboom treibt Kreditvergabe

Der Rohbau eines Eigenheimes.

Der Rohbau eines Eigenheimes. Foto: Patrick Pleul/ZB/dpa

Münster   (dpa/WB/ef). Der anhaltende Bauboom hat bei den Sparkassen in Westfalen-Lippe die Kreditvergabe an Privathaushalte kräftig nach oben getrieben. Im vergangenen Jahr hätten die 58 Sparkassen Baudarlehen von 6,3 Milliarden Euro zugesagt, teilte der Sparkassenverband Westfalen-Lippe am Montag in Münster mit. Das sei ein Plus von 20,6 Prozent im Vergleich zu 2018.

Die Nachfrage nach Immobilien sei weiterhin deutlich höher als das Angebot. Der durchschnittliche Wert der durch die Sparkassen in Westfalen-Lippe vermittelten Häuser, Wohnungen und Grundstücke habe 2019 um zehn Prozent über denen des Vorjahres gelegen.

Liane Buchholz ist Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe.

Eine Blasenbildung im Immobilienmarkt gebe es in Westfalen-Lippe aber weiterhin nicht. „Die Einkommens- und Vermögensentwicklung ist gut und hält mit der Preisentwicklung stand. Wir haben keine Leerstände, auch für teure Immobilien gibt es genügend Nachfrage“, sagte der Vizepräsident des Sparkassenverbands, Jürgen Wannhoff.

Die Kunden der Sparkassen in Westfalen-Lippe haben den Angaben zufolge im vergangenen Jahr gespart wie nie und insgesamt 5,1 Milliarden Euro in ihre Vermögensbildung gesteckt. Das waren 17 Prozent mehr als 2018. Die Gesamtsumme der Kundeneinlagen übertraf mit 103,6 Milliarden Euro erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro.

Noch 1223 Geschäftsstellen

Die Zahl der Sparkassen ging um zwei auf 58 zurück. Sie haben noch 1223 Geschäftsstellen, 48 weniger als im Jahr zuvor. Davon sind knapp 400 Selbstbedienungsfilialen. Bei den Mitarbeitern gab es ein Minus von 641 auf 23.208.

Bei den Sparkassen in OWL wurden 2019 Darlehenszusagen über 5,1 Milliarden Euro gemacht – ein Plus von 15,1 Prozent gegenüber 2018. Dabei entfielen 2,4 Milliarden Euro an Privatpersonen (plus 25 Prozent) und 2,6 Milliarden Euro an Unternehmen und Selbstständige (plus 8,9 Prozent).

Trotz dieses Wachstums sank das Betriebsergebnis vor Bewertung (Gewinn) der westfälisch-lippischen Sparkassen von 0,92 auf 0,87 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme. In konkreten Zahlen ausgedrückt: Der Gewinn fiel von 1,213 auf 1,181 Milliarden Euro – ein Minus von 32 Millionen Euro. Hauptursache waren die geldpolitisch bedingten Einbußen beim Zinsüberschuss. Dieser sank um 74 Millionen Euro von 2,42 auf 2,35 Milliarden Euro. Die Sparkassen konnten aber die Provisionsüberschüsse um 46 Millionen Euro oder 5,2 Prozent auf 926 (2018: 880) Millionen steigern und damit 62 Prozent des wegbrechenden Zinsüberschusses kompensieren.

Skepsis herrscht vor

„Dennoch sind keine goldenen 20er Jahre zu erwarten“, sagte die Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, Prof. Liane Buchholz. „Der Druck auf die Erträge der Sparkassen wird angesichts der unverändert gnadenlosen geldpolitischen Rahmenbedingungen auch in den nächsten Jahren anhalten.“

Vizepräsident Wannhoff machte darauf aufmerksam, dass der Anteil der Ersparnis der Kunden, der in Wertpapiere geflossen ist, „leider spürbar zurückgegangen ist“. Die Turbulenzen an den Aktienmärkten in der zweiten Jahreshälfte 2018 dürften noch nachwirken und die Anleger verunsichert haben. Dabei böte das Wertpapiersparen als eine der wenigen Anlagemöglichkeiten Aussicht auf Rendite und sei ein wichtiger Baustein zur Vermögensbildung.

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