Di., 18.02.2020

In Ostwestfalen-Lippe sind 684 Fälle regis­triert Influenza-Fallzahlen stark gestiegen

Eine Laborantin pipettiert Proben mit Verdacht auf Influenza-Viren.

Eine Laborantin pipettiert Proben mit Verdacht auf Influenza-Viren. Foto: dpa

Von Elmar Ries

Münster (WB). In Nordrhein-Westfalen sind in diesem Winter bislang deutlich mehr Menschen an Grippe erkrankt als in der vergangenen Saison. Das hat die Sprecherin des Landeszentrums Gesundheit, Melanie Pothmann, auf Nachfrage bestätigt. 6648 Fälle verzeichnete die Behörde bis zur vergangenen Woche. Im gleiche Vorjahreszeitraum wurden lediglich 3844 Krankheitsfälle gemeldet. „Noch sind die Zahlen aber nicht wirklich besorgniserregend“, erklärte Pothmann.

In Westfalen sind besonders viele Menschen erkrankt. Dort verzeichnet das Landeszentrum gegenwärtig 1157 Fälle. Das ist mehr als doppelt so viel wie im vergangenen Winter (471). Im Rheinland wurden bisher 3502 Fälle gemeldet, 1774 waren in der Saison 2018/2019. Im Ballungsraum Ruhrgebiet ist die Zahl mit aktuell 1628 (2018/2019: 1295) vergleichsweise gering. In Ostwestfalen-Lippe sind 684 Fälle regis­triert, in der vergangenen Saison waren es 444.

Die regionalen Grippe-Zahlen liegen über denen aus dem Winter 2017/2018

Die regionalen Grippe-Zahlen liegen bereits jetzt über denen aus dem Winter 2017/2018, der nach Angaben des Robert-Koch-Instituts be­sonders schlimm war. Damals erkrankten deutschlandweit 335.000 Menschen an Influenza, etwa 25.000 starben. Unklar ist bisher, ob die Grippewelle in diesem Jahr wirklich stärker ist, oder ob einfach deutlich mehr Menschen aus Sorge wegen des Corona-Virus zum Arzt gehen, sich untersuchen lassen – und in der Praxis dann eine Infektion mit dem Grippe-Virus diagnostiziert wird. „Auch das könnte durchaus die erhöhten Fallzahlen erklären“, sagte Pothmann.

Höhepunkt der Welle wird für Anfang März erwartet

Seit Start der aktuellen Saison im Oktober 2019 sind in Deutschland 42 Menschen an der Grippe gestorben. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts er­kranken pro Saison zwischen zwei und 14 Millionen Menschen daran. In der Regel erreicht die Grippewelle Anfang März ihren Höhepunkt.

Der Essener Virologe Ulf Dittmer glaubt nicht, dass bereits in dieser Woche mit Beginn des Straßenkarnevals neue Fälle einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bekannt werden. Dies sei nicht wahrscheinlich, sagt Prof. Dittmer. Es sei allerdings nicht auszuschließen, dass „wir das in dieser Wintersaison in Deutschland noch größer sehen werden. Inzwischen gehen die Weltgesundheitsorganisation und auch das Robert-Koch-Institut davon aus, dass das Virus hier in Deutschland in größerem Maße auftreten wird.“ Es gebe jetzt eine größere Rückreisewelle aus China. Dittmer: „Auf diesem Weg kann das Virus verbreitet werden.“

Das Virus trägt die Bezeichnung Sars-CoV-2. Die Erkrankung, die es verursacht, wird Covid-19 genannt. Dittmer ist Spezialist für Viruserkrankungen und leitet das Institut für Virologie der Essener Uniklinik. Karnevalisten empfahl er als Verhaltensregeln, sich als Gegenmaßnahme gegen Atemwegs-Viren möglichst häufig die Hände zu waschen und „nicht alles an Gläsern zu teilen“.

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