In memoriam: Neue Ausstellung im Fächer-Museum Bielefeld erinnert an die Stiftungsgründerin
Marie-Luises Lieblinge

Bielefeld (WB). Wer erinnert sich nicht an die schöne Helene (Nele), die älteste Schwester der Prinzessin Sisi, die ursprünglich auserwählt war, Franz Joseph von Österreich zu heiraten und somit Kaiserin von Österreich zu werden?

Mittwoch, 19.02.2020, 17:30 Uhr
Weltweit einmalig: Der Hochzeitsfächer der Kaiserin Eugénie von Frankreich in der Reiseschatulle, um 1853. Foto: Thomas F. Starke
Weltweit einmalig: Der Hochzeitsfächer der Kaiserin Eugénie von Frankreich in der Reiseschatulle, um 1853. Foto: Thomas F. Starke

Bekannterweise kam es anders. Franz Joseph gab Sisi den Vorzug. Nele verfiel in eine depressive Stimmung und war mit 22 Jahren – fast schon eine alte Jungfer – immer noch nicht verheiratet. Zum Glück lernte sie auf Vermittlung ihrer Mutter Ludovika den reichen Erbprinzen Maximilian Anton von Thurn und Taxis kennen. Es funkte zwischen den beiden, und endlich läuteten auch für Nele am 24. August 1858 in Possenhofen die Hochzeitsglocken.

Noch nie ausgestellte Schätze

Lange Rede, kurzer Sinn: Der in feinster Spitze gewirkte Hochzeitsfächer der Helene von Thurn und Taxis ist aktuell in der neuen Ausstellung des Deutschen Fächer-Museums zu sehen – als eines von rund 150 Exponaten, mit denen die Barisch-Stiftung an ihre im vergangenen Jahr verstorbene Stiftungsgründerin erinnert. „In memoriam Marie-Luise Barisch“, so der Ausstellungstitel, präsentiert die Lieblingsfächer der Stiftungsgründerin sowie noch nie ausgestellte Schätze und Modeaccessoires aus der umfangreichen Sammlung des Ehepaares Marie-Luise und Günter Barisch.

Darunter auch eine „weltweit einmalige Rarität“, so Günter Barisch. Gemeint ist die doppelte Reiseschatulle, die eigens für den Hochzeitsfächer der französischen Kaiserin Eugénie angefertigt wurde. Sie stammt aus dem Besitz einer privaten Sammlerin, die dem Fächermuseum ihre Schätze überließ.

Auch Gloria von Thurn und Taxis trennte sich nach dem Tode ihres Ehemanns Johannes von Thurn und Taxis aufgrund monetärer Zwänge von der umfangreichen Fächersammlung des Hauses Thurn und Taxis. „Wir haben rund 80 Fächer aus dieser Sammlung erworben“, erläutert Günter Barisch, der die eigene Sammlung über Jahrzehnte aufbaute; darunter Glanzstücke wie französische Cabrioletfächer, Faltfächer aus Spitze, Federn, Seide, Holz, Elfenbein und vielem mehr. Fächer berühmter Hersteller-Familien wie Billotey, die im 19. Jahrhundert für ihre mit Blumen, Vögeln und Schmetterlingen bemalten Fächer bekannt wurden. Fächer mit Tierdarstellungen wie das Exemplar, welches Sisi etwa 1880 in Wien für ihre Mutter Ludovika anfertigen ließ und das die Hunde der Herzogin in Bayern zeigt. Fächer mit Jagd-, Ball-, Theater- und Musikszenen aus den berühmten Manufakturen Europas.

Vitrinen mit schmuckem Beiwerk

Daneben gibt es Vitrinen mit schmuckem Beiwerk zu bewundern. Etwa die vollständige Affenkapelle des Grafen Brühl aus der Meissener Porzellan-Manufaktur. Oder Sträußchenhalter, in die die Damen der Gesellschaft die Blumen ihrer Verehrer steckten. Ein weiteres Schmuckstück ist ein Scherenschnitt in Fächerform. Er zeigt eine Jagdszene und gehört zu den schlesischen Meisterleistungen des 18. Jahrhunderts. „Es ist das letzte Stück, das wir gemeinsam angeschafft haben“, erklärt Günter Barisch, der in Maria Plet eine „würdige und kundige Nachfolgerin“ gefunden hat, die das Lebenswerk des Ehepaares Barisch weiterführt.

Das Fächermuseum ist neben London eines von zwei weltweit existierenden Museen, das handwerklich kostbare Fächer aus 500 Jahren sammelt und ausstellt. „Besucher kommen aus der ganzen Welt zu uns“, sagt der 92-jährige Günter Barisch. Nur die Bielefelder hielten sich zurück, sagt der ehemalige Architekt, der den Besitz 1994 in eine Stiftung überführte.

Als Sonderausstellung präsentiert die Barisch-Stiftung in Kooperation mit der Museumsinitiative OWL Fächer der Naturvölker; darunter indonesische Handschirme aus Büffelhaut, Fächer aus Stroh, Bast und Knochen sowie Schmuckstücke aus Federn des Perlhuhns, Silberfasans, Adlers, Pfaus und des Straußes.

Einmalig ist, während der Ausstellungszeit auch eine Schau zu Fächern auf Briefmarken aus aller Welt zu sehen. Sie stammen aus der Sammlung von Ulrich Hoffmann, Köln, und wurden dem Fächer-Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Die Ausstellung im umfangreich renovierten Fächer-Museum, Am Bach 19, kann mittwochs und donnerstags von 14.30 bis 17.30 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 0521/64186 besichtigt werden.

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