Fr., 21.02.2020

Helge Schneider kultiviert den Nonsens in der ausverkauften Bielefelder Stadthalle Zwischen Irrsinn und Improvisation

Nonsens ist Programm, wenn sich Helge Schneider im violetten Anzug an den Flügel setzt.

Nonsens ist Programm, wenn sich Helge Schneider im violetten Anzug an den Flügel setzt. Foto: Thomas F. Starke

Von Kerstin Panhorst

Bielefeld (WB). Im violetten Anzug tritt Helge Schneider auf die Bühne, stolziert ein wenig ziellos umher und setzt sich dann an den Flügel. Nach einem kurzen Kastagnetten-Intermezzo beginnt er mit einem jazzigen Stück und wechselt nach wenigen Takten zu „Hänschen klein“. Sofort wird klar: Langweilig wird dieser Abend nicht. Und gleich mit seiner ersten Ansage überrascht er die Zuschauer im ausverkauften Saal der Bielefelder Stadthalle: „Vielen Dank für das Erscheinungsbild, ein tolles Publikum wart ihr.“

Das sei natürlich nur ein Scherz, erklärt der Entertainer und Multiinstrumentalist, gerade in der heutigen Zeit sei es so wichtig, Spaß zu verstehen. Er und seine Band seien gerade erst von einer ausgedehnten China-Tournee zurück, verkündet der 64-Jährige und hustet gekonnt den Corona-Virenverdacht in den Saal.

Dem Publikum gefällt’s, es schätzt noch immer die Mischung aus absurden Geschichten, parodistischen Schlagern und Jazzmusik, die Schneider berühmt gemacht hat. Am meisten lacht über die infantil-absurden Witze Helge Schneiders aber der Mann hinter ihm, Schlagzeuger Thomas Alkier, der vor lauter Lachanfällen manchmal sogar die Besen in die Luft streckt. Zur Band „The Helges“ gehören neben Alkier noch der US-Jazz-Bassist Ira Coleman und Blues-Gitarrist Henrik Freischlader, die sich bereitwillig auf jede Improvisation und jedes geforderte Soli einlassen und auf ganzer Linie musikalisch überzeugen.

Früher, verrät Helge Schneider, habe er sich noch Mühe bei der Namensfindung für Bands gegeben. Dabei seien Geistesblitze wie „The Rolling Schaschlik Brothers“ entstanden, mit „The Helges“ macht sich der gebürtige Mühlheimer nun das Leben leichter: „Wenn jetzt der Gitarrist aussteigt, dann ist er ein Ex-Helge“.

Neben der Band bevölkern auch einige skurrile Gestalten die Bühne. Der debile Diener Bodo serviert im Mozart-Gedächtnisjäckchen Tee, der venezolanische Stargast Carlito spielt herzzerreißend auf der Schalmei Melodien über einsame Ponys und Sergeij, ein Greis mit Erdbeernase, tanzt als Monster aus dem Sumpf umher, während Helge Schneider an der Alleinunterhalterorgel im kruden Englisch singt.

Sinn im Unsinn zu finden scheint hier eine vergebliche Aufgabe, am besten man lehnt sich zurück und genießt, wie der Großmeister sich an Assoziationsketten entlang hangelt, Intermezzi über Kochbeutelreis anstimmt, Udo Lindenberg bewusst etwas zu übertrieben parodiert und spontan chinesisch-türkische Opernarien erfindet während er eine glitzernde Showtreppe besteigt, die er sich einst angeblich mit Karel Gott teilte. Der Nonsens ist Programm, aber er ist gebettet auf musikalische Virtuosität. Und das verdient Applaus.

Kommentare

Es gibt Reis....

Der Kommentar macht Lust auf den heutigen Abend an dem Helge Schneider,seines Zeichens Altmeister und singende Herrentorte in Personalunion, zu Gast ist.
Danke für den Vorgeschmack

1 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7277885?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F