Macher hinter dem Bündnis Ostwestfalen sprechen über die Hilfe für Arminia und die DSC-Zukunft
„Als Mehrheitsinvestor aufzutreten ist für uns nicht vorstellbar“

Bielefeld (WB/sba). Im Dezember 2017 rettete die ostwestfälische Wirtschaft Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld vor der Insolvenz und dem Aus . Mit dem im deutschen Fußball einmaligen Zusammenschluss „Bündnis Ostwestfalen“ konnte der Klub nicht nur gerettet, sondern nachhaltig wirtschaftlich aufgestellt werden.

Mittwoch, 26.02.2020, 10:17 Uhr aktualisiert: 26.02.2020, 11:24 Uhr
Drei der Macher im Bündnis OWL (von links): Michael Böllhoff (Böllhoff-Gruppe), Claus Anstoetz (JAB Anstoetz) und Manfred Stoffers (Gauselmann-Gruppe). Fotos: Thomas F. Starke, Bernhard Pierel, Oliver Schwabe Foto:
Drei der Macher im Bündnis OWL (von links): Michael Böllhoff (Böllhoff-Gruppe), Claus Anstoetz (JAB Anstoetz) und Manfred Stoffers (Gauselmann-Gruppe). Fotos: Thomas F. Starke, Bernhard Pierel, Oliver Schwabe

Wie nachhaltig zeigt die aktuelle sportliche Entwicklung: Als Spitzenreiter der 2. Liga wird der Bundesligaaufstieg immer wahrscheinlicher. Drei Macher im „Bündnis OWL“ äußern sich in einem Interview mit der Welt zur Rettung des DSC und wie die Zukunft zwischen Wirtschaft und Klub aussehen könnte.

Klar ist: Für Claus Anstoetz (Geschäftsführender Gesellschafter JAB Anstoetz), Michael Böllhoff (Geschäftsführender Gesellschafter Böllhoff-Gruppe) und Manfred Stoffers (Marketing-Vorstand Gauselmann) war die Hilfe für den Verein eine Herzensangelegenheit. „Meine gesamte Familie und ich haben ein schwarz-weiß-blaues Herz. Ich bin mit meinen Brüdern immer schon zu den Spielen gegangen – egal in welcher Liga“, betont Anstoetz im Gespräch mit der Welt.

Ertrag hat für Bündnis keine Bedeutung

Der Ertrag habe für die Mitglieder des Bündnisses deshalb keine Bedeutung , wie Michael Böllhoff erklärt: „Der Fußball spielt hier für die Bevölkerung und damit auch für große Teile unserer Belegschaft eine große Rolle. Und Arminia ist Teil unserer Heimat“. Soll heißen, die Retter stiegen im Winter 2017/18 nicht beim DSC ein, weil sie ein lukratives Geschäft witterten. Deshalb hebt auch Manfred Stoffers die regionale Bedeutung des Engagements hervor: „Das Bündnis Ostwestfalen ist für die Gauselmann-Gruppe keine Liebesheirat, sondern eine Vernunftehe. Denn Fußball stiftet eine regionale Identität“

Bleibt die Frage, wie sich das Bündnis im Falle des Bundesligaaufstiegs positionieren wird? Nicht wenige Fans hoffen, dass Arminia mit der geballten, ostwestfälischen Wirtschaftskraft im Rücken womöglich auch in der 1. Liga groß auftrumpfen kann. Doch davon distanzieren sich die Bündnis-Mitglieder deutlich. „Ich kann natürlich nicht für alle sprechen, aber allein das Ansinnen als Investor oder gar als Mehrheitsinvestor aufzutreten, ist für uns nicht vorstellbar. Wir wollen hier keine amerikanischen Verhältnisse, denn das wäre ungesund für den Fußball insgesamt“, sagt Claus Anstoetz. Und der Anstoetz-Chef erwidert auf die Frage, ob ein Investement in die Mannschaft vorstellbar sei: „Das ist nicht unsere Mission.“

Genau so wird das bei der Gauselmann-Gruppe gesehen, wie Manfred Stoffers betont: „Arminia ist ein Kraftpaket, wir haben vielleicht mit dem Bündnis für eine Initialzündung gesorgt, aber der Verein soll von der Struktur her so bleiben, wie er ist. Sonst würde er Kraft und Identität verlieren.“

„Mit Bier begießen“

Wie sehr die Bündnis-Macher einer möglichen Erstligarückkehr entgegen fiebern und wie sehr das Herz am DSC hängt, verdeutlicht Anstoetz’ Antwort auf die Frage, was ein Aufstieg persönlich bedeuten würde: „Das wäre fantastisch. Dann wären wir im Innenraum des Stadions und würden den Rasen küssen und ein Stück vom Tornetz rausschneiden.“ Und Stoffers ergänzt lachend: „...und würden den Rasen und uns selbst mit jeder Menge Bier begießen.“

 

Kommentare

Ulrich B.  schrieb: 26.02.2020 21:42
Vernunft ist das Wort der Stunde
Dieses Interview hätte ich mir schon im letzten Jahr gewünscht. Denn viele Freunde des DSC haben sicherlich gerätselt, mit welcher Intension sich das Bündnis OWL zum Retter aufgeschwungen hat. Die Erklärung der "Drei Macher" hat mich beeindruckt und ich bin froh, dass kein weiteres Geld in den Verein gepumpt wird. Vorbild können nur Clubs wie z.B. Freiburg sein. Kluge Transfers junger, entwicklungsfähiger Spieler und Verkauf mit ensprechendem Transfererlös, das ist der zukünftige Weg Arminias. Und, Herr Arabi, keine Verpflichtung ausgemusterter Profis a la Kluge, Schipplock u.a.. Irgendwann werden sich die Abstände zwischen Auf- und Abstieg vergrößern. Aber nur, wenn mit Weitsicht gewirtschaftet wird. Solange ein Herr Rejek in Bielefeld tätig ist, bin ich sicher, dass das gelingen wird. Er war die beste Verpflichtung des Vereins seit Jahrzehnten !
Volker Wohlfahrt  schrieb: 26.02.2020 14:12
Danke
Welch ein Glück, wenn man solche Freunde hat. Die Gründer des Bündnis OWL haben zweifellos den DSC Arminia gerettet und vielen tausend Fans und Mitgliedern ein wichtiges Stück Lebensfreude erhalten. Das hier trotzdem niemand versucht, den Einfluss auf die Geschicke des Clubs zu vergrößern, ist auch ein Vertrauensbeweis in die aktuelle Führung. Der Verein muss sich selbst tragen und entwickeln - so die Einstellung der Retter. Das ist absolut richtig. Im Fußball wird derartig viel Geld umgesetzt, da sollte das auch in Bielefeld klappen. Vorstand und Geschäftsführung sind offenbar seriös und haben aus den Fehlern diverser Vorgänger gelernt. Der Respekt gehört auch ihnen. Die seit Jahren steigenden Zuschauerzahlen bezeugen zudem, dass die Anziehungskraft der alten Dame Arminia wieder heller erstrahlt. Ich wünsche mir ganz persönlich den Aufstieg, aber auch ganz besonders den Geldgebern und Machern. So würde sich die mutige Entscheidung grandios rechnen.
Beutelipper  schrieb: 26.02.2020 12:04
Als Fan des Vereins seit 1967 kann ich mich zu 100% mit der Intention des Bündnisses identifizieren: Arminia als bundesweit beachteter wohltuender Gegenentwurf zu einer Entwicklung im Profifußball, die nur noch als abstoßend zu bezeichnen ist. Mehr gibt es zur aktuellen Situation nicht zu sagen. Ich bin dankbar und stolz. Meine Region, meine Stadt, mein Verein.
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