Feuer in Altenhagen: Staatsanwaltschaft Bielefeld erhebt Anklage gegen 47-Jährigen
„Brandstiftung war versuchter Mord“

Bielefeld (WB/hz). Es war einer der dramatischten Feuerwehreinsätze des vergangenen Jahres, der anschließend sogar eine elfköpfige Mordkommission auf den Plan rief. Am 21. Oktober gegen 12 Uhr brannte es in einem Mehrfamilienhaus in Altenhagen an der Straße Moenkamp .

Mittwoch, 04.03.2020, 08:00 Uhr
Im Haus entstand 80.000 Euro Schaden. Foto: Müller
Im Haus entstand 80.000 Euro Schaden. Foto: Müller

An sechs Stellen im dreigeschossigen Gebäude – viermal in einer Wohnung im ersten Obergeschoss, zweimal im Keller – war Feuer gelegt worden. Mehrere Bewohner saßen fest, weil das Treppenhaus völlig verqualmt war und sie nicht flüchten konnten. Ein Kind wurde mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus gebracht und blieb dort stationär.

Verdächtiger während laufender Löscharbeiten festgenommen

Noch während der laufenden Löscharbeiten nahmen Polizisten einen 47-jährigen Mieter des Brandhauses fest. Der jetzt in Untersuchungshaft sitzende Mann, ein Jordanier, soll vor Zeugen unter anderem „Ich bringe alle um!“ gerufen und sich somit sofort verdächtig gemacht haben .

Gegen diesen 47-Jährigen hat die ermittelnde Staatsanwältin Claudia Bosse jetzt Anklage wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung zum Schwurgericht (10. Große Strafkammer) des hiesigen Landgerichtes erhoben. Die Anklage läge bereits vor, bestätigte Sprecher Guiskard Eisenberg auf Anfrage dieser Zeitung. Terminiert sei der Prozess noch nicht.

Angeklagter soll Tod der Nachbarn billigend in Kauf genommen haben

Wie Staatsanwältin Bosse sagte, gehe sie davon aus, dass der Jordanier bei der Mehrfach-Brandstiftung im Haus den möglichen Feuertod seiner Nachbarn billigend in Kauf genommen habe. Als Merkmal des versuchten Mordes kommt unter anderem Heimtücke in Betracht – sieben Menschen hielten sich ahnungslos in ihren Wohnungen auf, als der 47-Jährige in seiner Küche, dem Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer zündelte. Bosse: „Fünf Personen konnten nicht mehr durch das verqualmte Treppenhaus flüchten und saßen fest. Zwei weiteren Bewohnern gelang es, über die Terrasse ins Freie zu gelangen.“

An sechs Stellen im Haus Feuer gelegt

Nachdem es in seiner Wohnung an vier Stellen brannte, soll der Jordanier in seinem Keller sowie im benachbarten Trocken- und Fahrradraum zwei weitere Feuer gelegt haben. Was der Angeklagte letztlich anzündete, ließ sich nach dem Ende der Löscharbeiten nicht mehr feststellen. „Offenbar hat es sich um leicht entzündliche Sachen wie Wäsche oder Papier gehandelt“, sagte Staatsanwältin Bosse. Hinweise auf sogenannten Brandbeschleuniger wie beispielsweise Benzin gebe es keine.

Der Angeklagte streite alles ab, sagte Staatsanwältin Bosse. Sie geht davon aus, dass der Mann mit seinem Leben nicht mehr klar kam. Er sollte aus seiner Wohnung raus, Frau und Kind hatten ihn verlassen, mit dem Bruder soll es heftigen Streit gegeben haben.

 

 

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