Auch Bielefelds Schulen verlangen jetzt den Nachweis – Zehntausende sind betroffen
Ohne Masern-Impfung kein Kita-Platz

Bielefeld (WB). Die Neuregelung ist nicht unumstritten. Seit dem 1. März gilt die Masernimpfpflicht. Alle Kita-Kinder und Schüler müssen künftig gegen Masern geimpft sein. Für Kindertageseinrichtungen und Schulen bedeutet das einen gewaltigen logistischen Aufwand. Allein in Bielefeld sind mehrere zehntausend Menschen betroffen.

Mittwoch, 04.03.2020, 06:00 Uhr
Ohne Masern-Impfung geht nichts mehr an Bielefelds Schulen und in den Kitas. Foto: dpa
Ohne Masern-Impfung geht nichts mehr an Bielefelds Schulen und in den Kitas. Foto: dpa

Gerade erst waren die Anmeldungen für Bielefelds weiterführende Schulen. „Wer jetzt in den nächsten Tagen eine Zusage bekommt, muss bis zum Schuljahresbeginn in der betreffenden Schule den Impfnachweis vorlegen“, sagt Georgia Schönemann, Leiterin des städtischen Amtes für Schule. Das gleiche gilt für die Schulanfänger, die nach den Sommerferien eingeschult werden.

Zehntausende in Bielefeld betroffen

In Bielefeld gibt es allein mehr als 50.000 Schülerinnen und Schüler. Aber nicht nur die Kinder und Jugendlichen sind betroffen. Auch die Lehrer, Schulsekretärinnen, die Hausmeister, Mitarbeiter im offenen Ganztag oder von anderen Kooperationspartnern der Schule – sie alle müssen den Impfnachweis führen. Wer neu kommt, muss sofort das Impfbuch vorlegen. Wer schon auf die Schule geht oder dort arbeitet, kann sich bis zum 31. Juli 20121 Zeit lassen. Dabei gibt es eine Besonderheit: Stichtag ist der 31. Dezember 1970. Wer vor diesem Datum geboren ist, ist von der Pflicht ausgenommen. Bis zum Zeitpunkt gab es keine Masern-Schutzimpfung. Die Älteren dürften selbst Masern gehabt haben, gelten als immunisiert.

„Wir haben die Schulleitungen im Januar über die Änderung der Gesetzeslage informiert“, sagt Georgia Schönemann. Das sei auf der Grundlage der Vorgaben des Bundesgesundheitsministeriums und des Gesundheitsamtes geschehen. Dabei müssen viele Details beachtet werden. Selbst Praktikanten, die nur für zwei Wochen an einer Schule beschäftigt sind, kommen um die Impfe nicht herum.

Auch Kita-Mitarbeiter werden überprüft

„Die Eltern sind sehr bereitwillig,“ sagt Christine Kandler, Fachberaterin im Referat Tageseinrichtungen für Kinder beim Evangelischen Kirchenkreis Bielefeld. Auch dort hat man seit Januar einige Informationsveranstaltungen durchgeführt. Für Kinder, die zum 1. März eine Kita des Kirchenkreises besuchen, mussten die Eltern die Masern-Schutzimpfung vorweisen. Kandler: „Oder ein ärztliches Attest, dass ihr Kind nicht geimpft werden kann.“ Überprüft wird dies von den jeweiligen Leiterinnen oder Leitern der Kindertages-Einrichtungen. Kandler: „Die meisten Eltern sehen das positiv, es gibt aber auch welche, die die Impfung kritisch hinterfragen.“

Die Kritik richte sich meist nicht gegen die Masern-Impfung an sich, sondern gegen die Tatsache, dass in Deutschland ein Mehrfachimpfstoff eingesetzt werde. Mit diesem wird gleichzeitig gegen Masern, Mumps und Röteln oder Masern, Mumps, Röteln und Windpocken geimpft.

Bußgeld von bis zu 2500 Euro

Wenn Eltern der Impfplicht ihres Nachwuchses nicht nachkommen, droht ihnen ein Bußgeld von bis zu 2500 Euro. Das gleiche gilt auch, wenn Kita- oder Schulleitungen den Impfnachweis nicht kontrollieren. Problematisch wird es etwa auch bei Flüchtlingskindern. Sie haben oft kein Impfbuch, der Impfstatus lässt sich nicht eindeutig belegen. Da hilft nur nachimpfen.

Übrigens gilt die Impfpflicht auch in Einrichtungen, in denen sich überwiegend junge Leute aufhalten, in Krankenhäusern und Arztpraxen. Dabei kommt es insbesondere auch auf die zweite Impfdosis an. Denn gerade bei dieser Zweitimpfung wurde in der Vergangenheit die angestrebte Impfquote von 95 Prozent nicht erreicht. Und nur die garantiert den so genannten Herdenschutz.

Masern-Impfung: die wichtigsten Fragen und Antworten

Für wen gilt die Impfpflicht?

Für alle Kinder, die nach dem 1. März 2020 neu betreut werden und alle Neubeschäftigten in bestimmten Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen (Kitas, Schulen, Krankenhäuser, Arztpraxen, Rettungsdienste oder Pflegeeinrichtungen). Alle bereits betreuten Kinder und in den Einrichtungen Beschäftigte müssen den Nachweis über einen Masernschutz bis zum 31. Juli 2021 vorlegen.

 

Wer ist von der Impfpflicht ausgenommen?

Da es erst seit 1970 eine Masernimpfung gibt, sind alle vor 1970 geborenen Erwachsenen ausgenommen. Es wird davon ausgegangen, dass dieser Personenkreis die Masern hatte und so immunisiert sind.

 

Was passiert mit den Kindern, die nicht geimpft sind?

Wer einen Impfnachweis oder ein ärztliches Attest einer Unverträglichkeit der Impfung nicht erbringen kann, darf nicht betreut werden. Ausgenommen sind Kinder unter einem Jahr und schulpflichtige Kinder. Die Schulpflicht steht in diesem Fall über der Impfpflicht. Die Einrichtungen informieren das Gesundheitsamt, das wendet sich an die Eltern.

 

Mit welchen Konsequenzen müssen Impfgegner rechnen?

Erfolgt kein Impfnachweis und wird dieser auch nach einer Frist nicht vorgelegt, kann ein Bußgeld verhängt werden. Impfgegner dürfen ihr Kind nicht zu Hause unterrichten, es kann ein Bußgeld von 2500 Euro pro Schuljahr verhängt werden.

 

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