Di., 10.03.2020

Keine Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen – Fünf Corona-Fälle in Bielefeld – mit Kommentar Es wird Absagen hageln

Gaben einen Überblick über die Lage am Dienstagabend: von links Oberbürgermeister Pit Clausen, Dezernent Ingo Nürnberger als Leiter des Krisenstabs und Dr. Peter Schmid, Leiter des Bielefelder Gesundheitsamtes.

Gaben einen Überblick über die Lage am Dienstagabend: von links Oberbürgermeister Pit Clausen, Dezernent Ingo Nürnberger als Leiter des Krisenstabs und Dr. Peter Schmid, Leiter des Bielefelder Gesundheitsamtes. Foto: Bernhard Pierel

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Die Zahl der Corona-Fälle hat sich in Bielefeld auf fünf erhöht. Um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, werden jetzt auch Veranstaltungen abgesagt, zu denen größere Menschenmengen erwartet werden.

„Dies ist ein wichtiger Zwischenschritt“, sagt Oberbürgermeister Pit Clausen. Und es werde erneut deutlich: „Die Lage ist dynamisch.“ Alles, was für die Aufrechterhaltung des Lebens und der Wirtschaft geboten sei, solle keine Beschränkung erfahren. Was allerdings nur dem Spaß und der Freizeit diene und nicht erforderlich sei, kommt auf den Prüfstand. Ohnehin sagen bereits schon viele Veranstalter Aktionen, Comedy oder Tage der offenen Tür von sich aus ab.

Klare Weisung an die Kommunen

Keinerlei Spielraum hat die Stadt bei Veranstaltungen, zu denen mehr als 1000 Menschen erwartet werden. Hierzu gibt es eine klare Weisung von NRW-Gesundheitsminister Laumann an die Kommunen . Das trifft natürlich das Spiel der Arminen gegen Osnabrück, aber das wird auch für einige Konzerte gelten. Einzelne Veranstaltungen etwa in der Stadthalle – wo an diesem Samstag eine Freddy-Mercury-Hommage ansteht oder am 21. März Atze Schröder gastiert – oder im Lokschuppen – wo am Sonntag Nico Santos auftreten soll(te) – mochte Clausen noch nicht nennen: Die Stadt will die Veranstalter zunächst informieren und mit ihnen das Gespräch suchen.

„Einen Ermessensspielraum haben wir bei Veranstaltungen mit weniger als 1000 Besuchern“, sagt Clausen. Hier werde man jeden Einzelfall beurteilen. „Ein Rentnertreffen mit 780 Teilnehmern würde anders beurteilt als eine Disco mit 999 jungen Menschen, weil Ältere viel gefährdeter sind.“

Freiluft-Festival „Hut ab“ noch nicht entschieden

Zudem gibt es zwischen Absage und Durchführung eine „Grauzone“, wie Dezernent Ingo Nürnberger als Leiter des Krisenstabs sagt. So könnten etwa Auflagen gemacht werden, was die Sitzordnung, die Lüftung, die Teilnehmerzahl oder Hygienevorschriften angeht. „Sinnvoll wäre es, auch dies auf Landesebene einheitlich zu handhaben“, sagt Clausen. Die Regierungspräsidentin wolle sich darum bemühen.

„Fakt ist einfach, dass auch wir an dieser neuen Lage lernen“, so Clausen. Dazu gehört die Frage, ob zum Beispiel das Freiluft-Festival für Straßenkunst „Hut ab“ am Sonntag, 5. April, in der Innenstadt veranstaltet werden kann. Erwartet werden immerhin mehr als 100.000 Besucher und mehr als 200 Künstler, die an 14 Plätzen von C&A in der Bahnhofstraße bis in die Altstadt für Unterhaltung sorgen wollen. „Wir wollen ja nicht alles pauschal absagen. Bei diesem Festival könnte man dazu kommen, dass die Menschen sich ja im Freien aufhalten und nicht so eng an einer Stelle beieinander stehen“, sagt Clausen. Entschieden ist aber auch das noch nicht.

Schwierig, so Clausen, könnten auch private Veranstaltungen sein. „Wenn zu einer Hochzeit 2000 Menschen kommen, erfahren wir das nicht.“ Hier will die Stadt mit den Vermietern großer Säle das Gespräch suchen.

Klar ist hingegen, dass Schulschließungen (derzeit) nicht geplant sind. „Die Auswirkungen sind schließlich erheblich, das macht man nicht so ohne Weiteres und gute Begründung“, sagt Dr. Peter Schmid, Leiter des Gesundheitsamtes.

Ausbreitung verlangsamen

Die Maßnahmen, die das Land angeordnet hat und die die Stadt durchführen wird, bedeuteten durchaus einen relativ radikalen Schnitt , gesteht Nürnberger zu. „Das Ziel ist aber, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.“ Nur so gewinne man Zeit, um Impfstoffe und Therapeutika zu entwickeln und nur so könne das Gesundheitssystem funktionsfähig gehalten werden. Das, betont Clausen, sei nach seinem Eindruck sehr gut aufgestellt. Gleichwohl seine dringende Bitte an jeden Einzelnen: Wer krank ist, sollte Zuhause bleiben, Und alle sollten weiter auf Nies- und Hustetikette achten (in die Armbeuge) und die Hände gut waschen.

Zu den bereits bekannten beiden Corona-Fällen in Bielefeld sind gestern drei weitere gekommen. Eine Frau, die ebenfalls an der Israel-Reise teilgenommen hat, bei der sich auch ein 53-jähriger Gemeindereferent und eine 47-jährige Altenpflegerin angesteckt hatte, ist positiv getestet worden. „Die Frau ist bereits seit Freitag wie alle sieben Bielefelder Reiseteilnehmer in Quarantäne“, sagt Nürnberger.

Hinzu kommen zwei Bielefelder, die im italienischen Wolkenstein Urlaub gemacht haben. Die Männer fühlten sich nicht wohl und haben sich daraufhin testen lassen – mit positivem Befund. „Auch sie sind in Quarantäne. Wir sind jetzt dabei, genauer nachzufragen, wann sie zurückgekehrt sind und welche Kontakte sie hatten“, sagt Nürnberger. Diese Kontakte werden „abtelefoniert“. Nürnberger: „Es ist nicht auszuschließen, dass noch einige in Quarantäne gesetzt werden.“ Als gutes Zeichen wertet Nürnberger, dass bislang alle Corona-Fälle „importiert“ waren.

Kommentar

Der Coronavirus trifft das Oberzentrum Bielefeld erstmals mit voller Wucht. Auch wenn es in der Stadt aktuell „nur“ fünf bestätigte Fälle von infizierten Menschen gibt, müssen – als Richtschnur – Veranstaltungen mit 1000 erwarteten Besuchern abgesagt werden. Damit reagiert die Stadt sehr schnell auf den Erlass des Landes NRW und setzt die Vorgabe aus Düsseldorf konsequent um. Richtig so! Nichts ist wichtiger als die Gesundheit der Menschen in der Stadt und darüber hinaus. Kein DSC-Spiel mit Publikum, kein Atze Schröder-Auftritt, keine großen Konzerte. Natürlich können die Menschen sich überall anstecken, aber es muss alles dafür getan werden, dass die Zahl derer, die sich infizieren, nicht explosionsartig steigt. Die Älteren und Vorerkrankten müssen geschützt werden. Das ist die Aufgabe aller. André Best

 

Kommentare

Lachhaft

Ich möchte Ihrem Kommentator vehement widersprechen.
Wo arbeitet er? Im Homeoffice? Fährt er mit dem Öffentlichen Nahverkehr?
Gehört er zu den Chronisch kranken Menschen?
Natürlich ist die Gesundheit aller wichtig!!
Aber gilt dies erst seid Corona?? Was war denn vorher?
Das scheint alles egal gewesen zu sein. Mein Beileid an die Angehörigen der
25000 Grippetoten in Deutschland.
Gott sei Dank bin ich Chronisch krank und werde wohl nach diesen ganzen negativ
Meldungen bald sterben.
Ach ne.. Ich möchte leben. Und ich werde es auch weiterhin tun.
Viel Spaß beim Weltuntergang !
Internet sei Dank.

1 Kommentare

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