Mehr als 50.000 müssen zuhause bleiben – Kinder lernen jetzt online
Bielefelds Schulen sind dicht

Bielefeld (WB). Kurz vor 8 Uhr morgens geht es an der Sudbrackschule für gewöhnlich quirlig zu. 350 Kinder strömen dann in den Unterricht. An diesem Montag sind nur 20 gekommen. Zwölf werden nach Rücksprache mit den Eltern wieder nach Hause geschickt oder abgeholt. Acht Jungen und Mädchen werden bis 12 Uhr von den Lehrerinnen betreut, dann geht es für sie in den offenen Ganztag. So oder so ähnlich ist es am Montag an allen Bielefelder Schulen gewesen. Die Schulschließungen wegen Corona wurden weitestgehend befolgt. Mehr als 50.000 Kinder und Jugendliche in der Stadt haben zwangsfrei.

Dienstag, 17.03.2020, 08:00 Uhr
Seit gestern sind die Bielefelder Schulen wie hier das Gymnasium am Waldhof geschlossen. Mehr als 50.000 Schülerinnen und Schüler müssen in den kommenden Wochen zuhause bleiben und dort per Internet den Stoff lernen. Foto: Thomas F. Starke
Seit gestern sind die Bielefelder Schulen wie hier das Gymnasium am Waldhof geschlossen. Mehr als 50.000 Schülerinnen und Schüler müssen in den kommenden Wochen zuhause bleiben und dort per Internet den Stoff lernen. Foto: Thomas F. Starke

„Die allermeisten Eltern zeigen Verständnis“, sagt Martina Reiske, Rektorin der Sudbrackschule, über die ungewöhnliche, vom Land verordnete Maßnahme zur Eindämmung des Coronavirus. Bei den zwölf zurückgeschickten Kindern habe schlicht ein Kommunikationsproblem vorgelegen. Die Eltern der acht, die bleiben dürfen, arbeiten als so genannte Schlüsselpersonen in Einrichtungen, die zur “kritischen Infrastruktur“ gehören. Papa oder Mama sind im Krankenhaus, bei der Polizei oder den Stadtwerken tätig. Bis Mittwoch müssen die Eltern entsprechende Bescheinigungen vorlegen.

Arbeitshefte mit nach Hause genommen

Schon jetzt ist aber klar, dass am Ende von den 350 Sudbrack-Kindern noch fünf übrig bleiben werden, die dauerhaft von der Schule betreut werden müssen. „Für uns bedeutet das Geschehen eine gewaltige Umstellung”, sagt Rektorin Reiske. Aber man habe sich so gut es ging vorbereitet. Schon am Freitag haben die Kinder ihre Arbeitshefte und Mappen mit nach Hause genommen, von ihren Lehrerinnen Aufgaben mit auf den Weg bekommen. Und dann gibt es auch noch „Anton”, eine App, über die die Jungen und Mädchen Aufgaben in Mathe und Deutsch erledigen können.

Um die Digitalisierung der Schulen scheint es besser zu stehen, als es oft diskutiert wird. Das wird in der Corona-Krise klar. Denn auch die Schülerinnen und Schüler des Ceciliengymnasiums lernen jetzt online. Die Schule nutzt Nextcloud, eine freie Software für das Speichern von Daten auf einem eigenen Server. „Darüber können wir Aufgaben stellen, die dann von den Schülerinnen und Schülern daheim bearbeitet werden“, sagt Direktorin Dr. Julia Litz. Denn auch wenn bis zu den Osterferien nun keine Klassenarbeiten mehr geschrieben werden können – der Stoff muss ja irgendwie vermittelt werden.

Kein Schulfrei für Lehrer

Zum üblichen Unterrichtsstart am Ceci ist am Montag kein einziger Schüler erschienen. Die verordnete „Aufhebung der Schulpflicht“ ist eingehalten worden. Nur vereinzelt schaut jemand vorbei, der noch ein paar Sachen aus seinem Schließfach benötigt. Auch an dem Innenstadt-Gymnasium herrscht fast gespenstische Ruhe, wo es sonst in Klassenräumen, auf den Fluren und dem Schulhof quicklebendig zugeht.

„Unser besonderes Augenmerk haben wir auf die Abiturienten gelegt“, sagt Direktorin Litz. Deren letzter offizieller Schultag wäre eigentlich der Freitag vor den Osterferien gewesen. Jetzt endete für sie die Schulzeit sang- und klanglos. Aber die nötigen Infos zur weiteren Vorbereitung auf die nach den Osterferien anstehenden Abi-Klausuren und mündlichen Prüfungen haben alle mit auf den Weg bekommen. Die Vorabi-Klausuren hätten „Gottseidank“ noch rechtzeitig vor dem Corona-Shutdown abgeschlossen werden können. Für das pädagogische Personal wird auch in den kommenden Wochen nicht schulfrei sein. Die Schülerinnen und Schüler wollen online betreut werden, „und jetzt haben wir auch Zeit, manches nachzuarbeiten, was lange liegen geblieben ist“, sagt Rektorin Reiske.

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