Mi., 18.03.2020

Mehrere tausend Proben täglich: Bielefelder Labor Diamedis arbeitet mit Hochdruck Corona: Labortests dauern länger

Die Mitarbeiter des Medizinischen Versorgungszentrums Diamedis in Bielefeld arbeiten die Flut der Abstriche nach und nach ab.

Die Mitarbeiter des Medizinischen Versorgungszentrums Diamedis in Bielefeld arbeiten die Flut der Abstriche nach und nach ab. Foto: Bernhard Pierel

Von André Best

Bielefeld (WB). Die Corona-Abstriche im Labor können nicht mehr so schnell geprüft werden, wie es noch vor einigen Tagen der Fall war. Grund ist die massive Zunahme der erforderlichen Tests.

„Wir kämpfen an allen Fronten“, sagt Dr. Claudia Speckbacher. Die ärztliche Leiterin des Medizinischen Versorgungszentrums und ihr Team aus 200 Mitarbeitern, darunter Ärzte, Biologen und Chemiker, bekommen täglich mehrere tausend Proben auf den Tisch. Darunter sind hunderte Abstriche, die auf COVID-19 getestet werden müssen, aber eben auch „normale“ Influenza-Proben und viele andere mehr. Auch Bluttests gehören zu den vielen Aufgaben eines Labors dieser Größe, das für den gesamten Raum Ostwestfalen-Lippe und auch darüber hinaus zuständig ist.

Corona hat keinen Vorrang

Der Tagesbetrieb läuft in Sennestadt „normal“ weiter. Aber: „Wir können nicht mehr sicherstellen, dass die Coronaproben innerhalb von vier Stunden oder über Nacht untersucht werden. Das war vor Wochen einmal so“, sagt Dr. Claudia Speckbacher. Die massive Zunahme der Verdachtsfälle führten dazu, dass die Ergebnisse mancher Proben erst in ein bis drei Tagen feststünden. Die Laborchefin: „Corona hat hier keineswegs Vorrang vor anderen Krankheiten. Wir arbeiten alles nach und nach ab und tun unser Bestes. Feste Zusagen gibt es nicht mehr.“

Dass die Tests in den Laboren länger dauern als zuletzt, belegen auch die aktuellen Zahlen aus Bielefeld. Hier steigen die bestätigten Coronafälle glücklicherweise nicht in einem extremen Ausmaß. Allerdings liegen mittlerweile mehr als 50 Testergebnisse noch nicht vor – Tendenz steigend.

Patienten rufen an

Die Labormitarbeiter arbeiten die Abstriche so schnell wie möglich ab. Zudem stehen die Telefone nicht still. „Viele Patienten und sogar Ärzte, die wissen, wo ihre Probe oder die ihrer Patienten untersucht wird, rufen hier einfach an und fragen nach oder machen sogar Druck. Das ist natürlich nicht das, was in der ohnehin schon schwierigen Situation weiterhilft“, sagt Dr. Speckbacher. Manche bringen ihre Proben auch persönlich vorbei, damit es schneller geht. Die Leiterin betont, dass das Labor Diamedis weder für Patienten geöffnet sei noch dort telefonische Auskünfte gegeben werden könnten. Allein schon aus Datenschutzgründen sei das nicht möglich. Da könne ja jeder anrufen und nach seinem Nachbarn oder dem Chef fragen.

Einen Nachtbetrieb gibt es im Medizinischen Versorgungszentrum bislang noch nicht. Der Tagesbetrieb sei derzeit die Herausforderung, die Priorität habe. Und Schnelligkeit gehe nicht vor Sorgfalt, sagt Dr. Claudia Speckbacher.

Ganz unabhängig von Corona hat die Fachärztin für Laborationsmedizin aktuell auch eine Zunahme von Influenza-Proben festgestellt – „ganz normal“ in dieser Jahreszeit.

Von Tag zu Tag und Woche zu Woche werde im Labor geplant. Tagesabläufe, Dienstpläne, neue Situationen – die ganze Organisation muss der aktuellen Corona-Lage ständig neu angepasst werden.

Und wenn die Labormitarbeiter selbst erkranken? Sämtliche Mitarbeiter seien derzeit gesund, sagt Dr. Claudia Speckbacher. Aber auch das könne sich sehr schnell ändern.

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