Mi., 18.03.2020

Was Sie vielleicht schon immer zu Corona wissen wollten Leser fragen, Experten antworten

Ein Arzt steht in Detmold vor einem Zelt, in dem Medizinische Fachangestellte Abstriche von Autofahrern nehmen.

Ein Arzt steht in Detmold vor einem Zelt, in dem Medizinische Fachangestellte Abstriche von Autofahrern nehmen. Foto: Althoff

Von Christian Althoff

Bielefeld (WB). Soll ich meinen Arzttermin absagen? Kann der Postbote mir das Corona-Virus ins Haus bringen? Es gibt Fragen, auf die die Internetseite des Robert-Koch-Instituts keine Antworten gibt. Die Redaktion hat deshalb Experten gebeten, Fragen von Lesern zu beantworten, und wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Rate gezogen.

Wie viele der infizierten Menschen in Deutschland sind eigentlich so schwer krank, dass sie im Krankenhaus behandelt und vielleicht sogar beatmet werden müssen?

Susanne Glasmacher, Sprecherin beim Robert-Koch-Institut (RKI): „Die Zahl kennen wir leider nicht. Die Gesundheitsämter bekommen die Information nämlich nicht immer von den Ärzten, und sie haben nicht die Zeit, sie zu recherchieren.”

Kann mir der Briefträger oder der Zeitungsbote das Virus ins Haus bringen?

Dr. Johannes Kleideiter vom Klinikum Bielefeld.

Dr. Johannes Kleideiter, Krankenhaushygieniker und Facharzt für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin am Klinikum Bielefeld: „Gefährlich wäre es, wenn mir ein infizierter Postbote ins Gesicht niest. In der bloßen Übergabe der Post oder eines Pakets sehe ich keinerlei Risiko. Es gibt keine Hinweise darauf, dass es auf diese Weise schon einmal zum Verbreiten des Virus gekommen wäre.”

Ich bin fast 80 Jahre alt, habe eine Vorerkrankung und nächste Woche einen Termin zur Zahnreinigung. Soll ich den besser absagen?

Dr. Johannes Kleideiter: „Strategie der Bundesregierung ist es ja, die Infektionswelle abzuflachen, indem wir auf nicht notwendige Kontakte verzichten. Sowohl der Kontakt mit dem Arzt als auch mit anderen Menschen im Wartezimmer gehört dazu. Der Zahnarzt hat bestimmt Verständnis, wenn der Termin verschoben wird.”

Auf der Titelseite standen letztens die Infektionszahlen vom Robert-Koch-Institut, aber die Johns-Hopkins-Universität in den USA nennt höhere Zahlen für Deutschland. Wie kommt das, und was stimmt denn nun?

Susanne Glasmacher vom RKI: „Wir können nichts zur Datengrundlage der Universität sagen. Wir veröffentlichen die Fälle, die uns die Gesundheitsämter in Deutschland über die Bundesländer elektronisch übermitteln.” Die Johns-Hopkins-Universität aus Baltimore meldete am Dienstagabend weltweit 190.124 Infizierte, 80.643 Genesene und 7530 Tote. Sie bezieht ihre Daten nach eigenen Angaben von der WHO, US-Organisationen, der EU, dem chinesischen Gesundheitsministerium, Ärztevereinigungen, aber auch aus lokalen Medien. Dienstag meldete die Uni 8604 Infektionen in Deutschland, das RKI 7586. Inwieweit es der Uni gelingt, Fälle aus verschiedenen Quellen nicht doppelt zu zählen, ist unklar.

Unsere Bäckereiverkäuferin fasst die Brötchen mit der Hand an. Kann das gefährlich sein?

Dr. Johannes Kleideiter: „Unabhängig von Corona sollte die Verkäuferin Handschuhe tragen oder eine Zange benutzen. Es gibt aber im Moment keine Datengrundlage für den Verdacht, dass ich mich durch das Essen kontaminierter Lebensmittel infizieren könnte. Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es aber nicht.”

Es wird ja geraten, in der Natur spazierenzugehen. Kann ich da das Virus nicht einatmen?

Dr. Johannes Kleideiter: „Wir sprechen ja von einer Tröpfcheninfektion. Wenn jemand hustet oder niest, fallen diese relativ schweren Tröpfchen zu Boden. Die kleineren bleiben als Aerosol in der Luft und werden vom Wind weiter verdünnt. Wir haben keinen Hinweis darauf, dass dies eine Infektionsquelle sein könnte - anders als früher die Windpocken, die ihren Namen dadurch bekommen haben, dass der Wind den Erreger verbreitet hat. Windpocken waren aber auch infektiöser als das Coronavirus. Wenn ich spazierengehe und ein paar Meter vor mir niest jemand, muss ich mir keine Sorgen machen.” Man gehe davon aus, dass man mit einem Infizierten 15 Minuten von Angesicht zu Angesicht sprechen oder von ihm angeniest werden müsse, um sich das Virus einzufangen.

Wie lange überlebt das Virus eigentlich ohne den Menschen?

Vor wenigen Tagen haben Forscher des US-Gesundheitsinstitut NIH, der US-Seuchenschutzbehörde CDC und dreier weiterer Einrichtungen die Ergebnisse eines Labortests veröffentlicht, bei dem eine bestimmte Erregermenge eingesetzt wurde. In der Luft konnten Viren bis zu drei Stunden nachgewiesen werden, auf Kupfer vier Stunden, auf Pappe 24 Stunden und maximal zwei bis drei Tage auf Kunststoff und Edelstahl.

Aus unserer Gemeinde waren mehrere Männer zum Skifahren, und drei haben sich infiziert. Sind die immun, wenn sie wieder gesund sind?

Prof. Stephan Ludwig, Virologe an der Universität Münster: „Davon gehen wir aus. Wobei wir noch nicht wissen, wie lange dieser Schutz hält.

  • Haben Sie auch Fragen zu Corona? Wir versuchen, sie von Experten klären zu lassen. Schreiben Sie an nrw@westfalen-blatt.de oder an WESTFALEN-BLATT, Sudbrackstraße 14, 33611 Bielefeld.

Kommentare

Kontakt nach freiwilliger Quarantäne

Unsere Freunde und wir halten uns strikt an die Vorgaben zum Schutz gegen das Corona-Virus.
Das heisst, dass wir uns mindestens 2 Wochen an die Kontaktsperre halten.
Können wir uns danach wieder treffen, da wir sonst keinerlei Kontakte hatten?

Pflegekraft

Arbeiten als Pflegekraft, trotz Husten , Halsschmerzen und Müdigkeitsgefühl. Nun bin ich bis Montag krank geschrieben, da ich ja nicht im Risikogebiet war und (vielleicht) keinen Kontakt zu einem Infizierten hatte, würde ich natürlich nicht getestet. Kann ich denn ab Montag ganz beruhigt zur Arbeit gehen und meine Senioren versorgen?

Postbote und Überlebensfähigkeit der Viren auf Papier

Guten Tag, Sie schreiben hier, dass man sich beim Postboten nur anstecken kann, wenn er einem ins Gesicht niest oder dergleichen. Ebenfalls schreiben Sie, dass die Viren auf Pappe (=Papier = Brief) bis zu 24h überleben könnnen. Was, wenn der Postbote genießt, sich die Nase geputzt und/oder sich anderweitig ins Gesicht gefasst hat und Viren so auf den Brief gelangen, der dann im Briefkasten landet? Was empfehlen Sie? - Briefkasten nur am Sonntag leeren, gut 24h nachdem der Briefträger da war? Danke und beste Grüße

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