Viele Händler sind in einer prekären Lage – Onlinegeschäft boomt – Ausweg Reparaturservice
Handel: Geld fließt ab, und nichts kommt nach

Bielefeld(WB). „Das Warten auf den Erlass zermürbt“, gestand Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des OWL-Handelsverbandes. Gemeint war der Erlass der NRW-Landesregierung, der festlegen sollte, welche Geschäfte schließen müssen, um die weitere Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Und welche Läden offen bleiben dürfen, weil sie die Verbraucher mit dem Lebensnotwendigen versorgen. Auch der Erlass, der dann doch am Dienstagabend eintraf, lässt aus Sicht des Handels noch Fragen offen.

Mittwoch, 18.03.2020, 12:40 Uhr aktualisiert: 18.03.2020, 13:28 Uhr
Ikea hat seine Möbelhäuser in Deutschland bereits geschlossen Foto: dpa
Ikea hat seine Möbelhäuser in Deutschland bereits geschlossen Foto: dpa

Zuletzt seien die Mitarbeiter des Verbands vor allem damit beschäftigt gewesen, Nachrichten, wie sie insbesondere in sozialen Medien verbreitet wurden, richtigzustellen. Beispiel einer Falschmeldung: Die Einkaufscenter müssen schließen. Das stimmte zu dem Zeitpunkt nicht, und auch am Abend nur für die größeren.

An anderer Stelle haben Unternehmen schon selbst entschieden, ihre Häuser auch ohne gesetzliche Anordnung zu schließen – sei es zum Schutz der Mitarbeiter und Kunden, sei es, weil die Geschäfte, so Kunz, seit einigen Tagen ohnehin weitgehend leer sind. Zu denen, die die Schließung schon beschlossen haben, gehören die Möbelkette Ikea und das Modeunternehmen P & C Nord.

„Viel versprochen, wenig auf den Weg gebracht”

Jörg Beyer, der als Handelsreferent Verbindung zu den Mitgliedsfirmen hält, berichtete von großen finanziellen Problemen: „Löhne, Mieten und die ausgelieferte Ware müssen bezahlt werden, aber es kommen keine neuen Einnahmen.“ Die meisten Fragen, die den Verband erreichten, beträfen Kurzarbeit und Zugang zu Krediten. Was Kurzarbeit betrifft, so stehen Beyer die entsprechenden Links und Formulare zum Weiterleiten zur Verfügung. Problematisch ist die Sicherung der Liquidität. Da sei viel versprochen, aber wenig konkret auf den Weg gebracht: „Der Händler, der jetzt zu seiner Bank geht, bekommt Geld – aber zu den gleichen Bedingungen wie vor der Coronakrise.“ Im Einzelfall bedeute das: „Die Bank verlangt Sicherheit, und der Zins für einen Überbrückungsnotfall-Kredit beträgt leicht mal sieben Prozent.“ Die Banken beklagen den noch fehlenden Zugang zu den angekündigten Staatshilfen in Milliardenhöhe, halten sich aber zugute, „dass wir immer individuelle Lösungen finden“ (Christoph Kaleschke, Sparkasse Bielefeld).

Reparaturwerkstätten dürfen öffnen

Handelsverbünde wie EK und Katag (beide Bielefeld) haben angekündigt, bestellte Ware soweit wie möglich erst einmal zurückzuhalten. Profiteur der aktuellen Situation ist der Onlinehandel. Immerhin, so Beyer, ist es auch stationären Händlern unbenommen, ebenfalls Bestellungen online oder telefonisch entgegenzunehmen und auszuliefern. Hinzu komme, dass der Dienstleistungssektor nicht eingeschränkt sei. Konkret bedeute dies, dass der Autohändler keine Verkaufsgespräche führen darf, wohl aber darf die angeschlossene Werkstatt Reparaturen vornehmen. Das Gleiche gilt beispielsweise für den Fahrradshop. Auch Telekommunikations-, Hausgeräte- und andere Elektronikhändler dürfen ihren technischen Kundendienst – bislang jedenfalls – aufrechterhalten.

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