+++ OB Clausen wendet sich an die Bielefelder – Neue Coronazahlen – Massentreffs von Jugendlichen – Kosten für Veranstaltungen sollen erstattet werden
Bielefeld verzichtet auf Beiträge und Gebühren

Bielefeld (WB). Oberbürgermeister Pit Clausen wird dem Rat der Stadt vorschlagen, zunächst bis Ende April den Besuchern des Theaters, der Konzerte in der Oetkerhalle oder der VHS die Kosten für die ausgefallenen Veranstaltungen zu erstatten. Das gilt auch für die ausgefallenen Kurse der Musik- und Kunstschule. Auch Elternbeiträge in der Kita und der OGS sollen nicht erhoben werden.

Donnerstag, 19.03.2020, 18:41 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 10:46 Uhr
Die Stadt entlastet die Eltern finanziell.

Auf Sondernutzungsgebühren für Geschäfte und Gastronomen soll ebenfalls verzichtet werden, wenn diese Unternehmen wegen Corona teilweise oder ganz schließen müssen .

Vorgehen will die Stadt gegen Treffen von Jugendlichen an beliebten Treffpunkten wie zum Beispiel Schulhöfe oder Kesselbrink. Um diese Treffen zu vermeiden, wird die Stadt verstärkt kontrollieren und Aufklärungsarbeit durch Sozialarbeiter leisten. Auch Schulhausmeister sind zur Kontrolle der Schulhöfe aktiviert. Quartiershelfer der Bezirksämter sollen als Problemmelder eingesetzt werden. Die Kontrollen finden auch am Sonntag statt. Das Gesundheitsamt macht auch noch einmal deutlich, dass Menschen in Quarantäne eine hohe Verantwortung haben. Sie sind infektiös und müssen sich deshalb an die Auflagen für häusliche Quarantäne halten.

+++ Neue Laborzahlen: 57 Menschen mit Corona infiziert

In Bielefeld sind aktuell (Stand: Donnerstag, 19. März, 16.30 Uhr) 57 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Insgesamt 960 Bielefelder sind in Quarantäne. Zahlreiche Testergebnisse stehen noch aus.

OB Pit Clausen wendet sich an die Bielefelder:

Hier der Text im Wortlaut ( Link zum Video der Start bei Youube): „57 Infizierte gibt es nun in Bielefeld; 960 sind in Quarantäne: die Fallzahlen haben sich gegenüber meiner letzten Videobotschaft vor drei Tagen deutlich gesteigert.

Wir haben das öffentliche Leben in Bielefeld verändert. Schulen und Kitas sind geschlossen .Viele Geschäfte sind zu. Kneipen, Kinos sind dicht.

Sportveranstaltungen abgesagt. Viele Geschäfte haben zu. Ins Rathaus kommt man nur noch nach telefonischer Terminvereinbarung und vieles mehr.

Damit haben wir eine deutliche Verringerung der Begegnungen erreicht. Das ist gut. Denn jede Begegnung ist ein potentieller Übertragungsmoment. Das Coronavirus ist hoch ansteckend, darum wollen wir die Zahl der Begegnungen zwischen Menschen verringern.

Viele machen mit und verhalten sich diszipliniert. Sie halten in den Geschäften Abstand von anderen, gehen vielleicht mal alleine spazieren, treffen sich aber nicht in Gruppen. Das ist prima so.

Einige verhalten sich aber immer noch so, als hätten sie von dem Virus noch nie etwas gehört. Da werden Corona-Partys auf dem Kesselbrink gefeiert. Da lassen Eltern ihre Kinder auf den Spielplatz ohne Aufsicht. Leute, das geht so nicht! Das ist nicht in Ordnung! Damit gefährdet Ihr Euch und Andere. Und wenn wir die Regelungen nicht weiter verschärfen wollen, nicht eine Ausgangssperre provozieren wollen, dann müssen wir uns alle, auch Ihr, an die Regeln halten. Das ist wichtig.

Ich habe jetzt veranlasst, dass unsere Sozialarbeiter diejenigen, die sich nicht an die Regeln halten, verstärkt ansprechen – auf dem Kesselbrink, aber auch in den Grünanlagen und den Bolzplätzen. Auch die Ordnungskräfte sind aufgefordert, verschärft zu kontrollieren. Und auch die Polizei habe ich um Unterstützung gebeten. Wir wollen die Regeln durchsetzen.

Für viele Mitbürgerinnen und Mitbürger ist die Zeit schon jetzt belastend. Manche wissen nicht, wie sie die Kinderbetreuung organisieren sollen, andere verlieren sogar ihren Job oder müssen in Kurzarbeit. Sie wissen nicht, wie ihre wirtschaftliche Perspektive aussieht. Viele fragen zu Recht, ob sie jetzt wirklich die Gebühren für die ausgefallene Kita, OGS oder Theatervorstellung bezahlen müssen. Und sie erwarten hier eine schnelle und großzügige Regelung. Ich finde, diese Frage müssen wir schnell und großzügig in Bielefeld regeln. Ich will dem Rat vorschlagen, dass wir genau das jetzt zusagen, zunächst für den Zeitraum bis Ende April:

Ich möchte den Besuchern des Theaters, der Konzerte in der Oetkerhalle oder der VHS die Kosten für die ausgefallenen Veranstaltungen erstatten.

Das gilt auch für die ausgefallenen Kurse bei der MuKu (Musik- und Kunstschule). Ich möchte auf die Erhebung der Elternbeiträge in der Kita und der OGS für April verzichten, schnell und großzügig. Und ich möchte auf die Erhebung der Sondernutzungsgebühren von Geschäften bei den Gastronomen im April für diejenigen verzichten, deren Geschäfte wegen Corona zumindest teilweise geschlossen sein werden.

Ich finde, das ist auch gelebte Solidarität, wenn wir als Stadt zusammenstehen und denjenigen helfen, die in besonderer Weise von dieser Katastrophe betroffen sind.

Wir brauchen aber hier auch klare und schnelle Hilfen von Bund und Land. Ankündigungen reichen nicht, da braucht es auch schnelle und großzügige Regelungen.

Wir leben in einer besonderen Zeit. Jeden Tag stehen wir vor neuen Herausforderungen. Ich danke allen, die in Bielefeld mitwirken und mithelfen, jeden Tag aufs Neue. Den Ärzten und dem medizinischen Personal. Den Ordnungskräften und der Polizei. Den Stadtwerkern oder den Verkäuferinnen. Und vielen mehr. Ihr seid für uns da. Danke. Danke, dass ihr die Ärmel hochkrempelt und für uns da seid. Und zu Recht appelliert ihr an alle anderen: Bleibt zu Hause. Und bleibt gesund.“

 

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