Von vollen Läden in Bielefeld, genügend Abstand und Desinfektionstüchern
Einkaufen in Zeiten von Corona

Bielefeld (WB). „Hast du das gelesen, Vanessa?“, fragt Mutter Beate Sewing ihre Tochter am Eingang von Edeka Niehoff an der Große-Kurfürsten-Straße. „Du sollst zwei Meter Abstand halten.“ Vanessa hat verstanden, was da auf dem großen Schild am Eingang zum Supermarkt in der „Orangenkiste” steht. Und die anderen Kunden auch. Tatsächlich bilden sich an zwei geöffneten Kassen Schlangen, in denen sich jeder an die neuen Abstandsregeln hält. Einkaufen in Zeiten von Corona ist ein bisschen anders. Aber nur ein bisschen.

Freitag, 20.03.2020, 05:00 Uhr
Die Kunden im Supermarkt sollen künftig Abstand halten, darauf weisen Schilder wie hier bei Edeka Niehoff hin. Foto: Thomas F. Starke
Die Kunden im Supermarkt sollen künftig Abstand halten, darauf weisen Schilder wie hier bei Edeka Niehoff hin. Foto: Thomas F. Starke

In der seit Donnerstag gültigen Allgemeinverordnung der Stadt ist es klar vorgegeben: „Sämtliche Verkaufsstellen, die noch geöffnet haben dürfen, werden darauf hingewiesen, dass sie erforderliche Maßnahmen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen zu treffen haben“, heißt es darin. Und die meisten Geschäfte halten sich auch daran. Weil das auch landesweit gilt, haben die großen Supermarkt-Ketten ihren Filialleitern vor Ort entsprechende Handlungsanweisungen mit auf den Weg gegeben.

Möglichst bargeldlos zahlen

Im Netto-Markt an der Stapenhorststraße trägt die Kassiererin jetzt Einmalhandschuhe. Die Kunden werden gebeten, möglichst bargeldlos zu zahlen. Dort weist ein Schild am Eingang darauf hin, dass mehrmals täglich die Griffe der Einkaufswagen, der Tiefkühltruhen und am Fleischregal gereinigt würden, außerdem die Zangen im SB-Backregal und die Waren-Trenner an der Kasse.

Niemand hat sich in „Vor-Virus-Zeiten“ Gedanken über Warentrenner, die kleinen Kunststoffbalken auf dem Laufband, gemacht. Aber ja, es stimmt, auch die werden innerhalb eines Tages hundertfach angefasst, bergen somit ein Ansteckungsrisiko.

Einkaufen in Zeit von Corona ist ein bisschen anders. Und das heißt, dass weiterhin Toilettenpapier oder Mehl Mangelware in den Regalen sind. Im Marktkauf an der Artur-Ladebeck-Straße sind inzwischen auch Reis und Haferflocken knapp. Gekauft wird, was möglichst lange haltbar ist, lieber H-Milch als Frischmilch. Deshalb gibt es inzwischen auch fast überall Schilder in den Läden, dass bestimmte Artikel nur noch einfach abgegeben werden. Aber nicht immer halten sich die Kunden daran.

Lautsprecherdurchsagen

Auch mit den Hygienevorschriften oder -empfehlungen hadert der ein oder andere. Im Marktkauf werden die Kunden alle 20 Minuten per Lautsprecherdurchsage an genügend „Sicherheitsabstand“ erinnert. Dennoch rückt sich die Kundschaft gelegentlich ganz schön auf die Pelle.

Am Combi an der Kurzen Straße kann jeder ein Desinfektionstuch ziehen und damit den Einkaufswagen-Griff reinigen. „Schützt nach 30 Sekunden Wirkzeit“, steht auf dem Hinweisplakat. Dauert vielleicht doch zu lange. Die meisten Kunden ignorieren das freundliche Angebot. Drinnen warten schließlich Konserven und Nudeln, die einem niemand vor der Nase wegschnappen soll.

Sicherheitshinweise werden „gnadenlos ignoriert“

„Was wir erleben, spottet jeder Beschreibung“, sagte Anja Niebur vom Edeka-Markt Niebur an der Langen Straße am Donnerstag. Immer noch kämen ganze Familien zum Einkaufen, und Sicherheitshinweise wie etwa das Halten von Abstand an der Kasse würden „gnadenlos ignoriert“, so Anja Niebur.

Mit ihrem Team arbeite sie mit Hochdruck daran, die Regale immer wieder aufzufüllen, Probleme bereite dabei aber auch das Verbot der Nachtanlieferung, das für den Markt schon ab 20 Uhr abends gelte. „Die Ware, die am Mittwochnachmittag kommen sollte, laden wir jetzt gerade aus. Das heißt, dass wir drei Lkw gleichzeitig entladen müssen“, sagte Anja Niebur am Donnerstagmittag.

Manche Regale sind schon am Morgen leer

Auch im Real-Markt an der Schweriner Straße waren die Regale für Toiletten- und Haushaltspapier, Fertiggerichte, Nudeln und Konserven am Donnerstag schon am Morgen leer. Und auch Eier waren kaum noch zu bekommen – außer hart gekochte und bunt gefärbte Ostereier.

Damit die Kunden nicht so gedrängt unterwegs sind, hatte in dem Real-Markt nur jede zweite Kasse geöffnet. Auf den Boden waren Markierungen aufgeklebt, damit ausreichend Abstand gehalten wird, außerdem wurden die Kunden gebeten, möglichst per Karte anstatt mit Bargeld zu bezahlen. Lange Schlangen oder Gedränge an den Kassen gab es dort nicht.

Kommentare

Spilker  schrieb: 20.03.2020 20:14
Bitte Herr Laschet um Ausgehsperre
Da ja leider die meisten Menschen beratungsresistent sind, ist eine Eindämmung des Virus nur mit einer minimum 14 tägigen Ausgehsperre zu erreichen. Je schneller wir dies eindämmen, umso schneller können wir wieder zur Normalität zurückkehren.
Rita  schrieb: 20.03.2020 18:24
Die Situation wird nicht ernst genommen...
Die Situation wird wirklich nicht ernst genommen, und ich meine in alle Ländern und am meisten in der Baumärkte. Die Menschen gehen trotzdem wegen jeder Kleinigkeit einkaufen und Stunden lang spazieren. Nur weil die haben jetzt mehre Freizeit, heißt es nicht "wir werden Renovieren oder bauen was für Garten!!!!!"
Leute es wurde gesagt, nur lebens notwendige Sachen holen, aber nein da kommt jeder ob jung oder alt, mit kleinen Kindern... Da arbeiten auch Menschen für euch , damit ihr bekommen das was sie brauchen im Notfall. Die haben auch Familienangehörige und würden besser Zuhause bleiben in Sicherheit, aber stattdessen stehen die da in voller Risiko und sehen zu wir Kunden holen nur ein Pinsel oder Farbe. Die sollen sich schämen....
Edith H.  schrieb: 20.03.2020 16:40
Einkaufen in Bielefeld
Wir sind zu Zeit noch mit Wohnmobil n Portugal an der Algarve. Ich muss sagen, die Portugiesen sind beim Einkaufen sehr diszipliniert. Sie halten Abstand, viele tragen Handschuhe und Mundschutz. Die Security der Supermärkte regelt das Anstehen und den Einlass. In der Apotheke ist eine Glaswand zwischen den Angestellten und Kunden auf dem Verkaufstresen montiert. Bei Aldi werden Einmalhandschuhe am Eingang verteilt. Solche Zustände wie in Ihrem Artikel beschrieben, haben wir jedenfalls noch nicht erlebt. Man sieht, es geht auch anders. Bleiben Sie gesund!
3 Kommentare
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