Wegen Corona: Erstmals digitales Angebot – ab Freitag im Internet
Kunsthalle Bielefeld: Höckelmann-Ausstellung online zu sehen

Bielefeld (WB). Aufgrund der voranschreitenden Ausbreitung des Coronavirus bleibt die Bielefelder Kunsthalle voraussichtlich bis zum 19. April geschlossen. „Da die Menschen nicht mehr zu uns kommen können, kommen wir jetzt zu ihnen nach Hause”, sagt Kunsthallensprecherin Anne Kaestner.

Freitag, 20.03.2020, 15:00 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 15:10 Uhr
Kuratorin Henrik Mund wird von Jochen Kopp gefilmt, während sie eines der Schlüsselwerke von Antonius Höckelmann erläutert. Erste Filme diese Art gehen von diesem Freitag an online und sind auf der Homepage der Kunsthalle abrufbar. Foto: Thomas F. Starke
Kuratorin Henrik Mund wird von Jochen Kopp gefilmt, während sie eines der Schlüsselwerke von Antonius Höckelmann erläutert. Erste Filme diese Art gehen von diesem Freitag an online und sind auf der Homepage der Kunsthalle abrufbar.

Ermöglicht wird dies durch ein digitales Angebot, an dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kunsthalle aktuell mit Hochdruck arbeiten und das von diesem Freitag an erstmals zur Verfügung steht.

In der noch im Aufbau befindlichen Ausstellung „Antonius Höckelmann. Alles in allem” steht Kuratorin Henrike Mund vor einem wandfüllenden Schlüsselwerk des Künstlers Höckelmann (1937 - 2000) und spricht in die Kamera. Filmer Jochen Kopp hat sein Stativ so ausgerichtet, dass das Werk Pergamon sowie die Kunsthistorikern optimal im Bild sind.

Neue Kunsthallenleiterin wirkt mit

Im Wechsel mit Kunsthallenleiterin Christina Végh wird Henrike Mund den Online-Zuschauern die Werke des westfälischen Künstlers via Video näher bringen. Jede Woche, so Anne Kaestner, soll ein neuer Film auf die Homepage der Kunsthalle gestellt werden. Auf diese Weise können „Besucher” nach und nach die Ausstellung kennenlernen und etwas über einen Künstler in Erfahrung bringen, der zwar mit bekannten Größen wie A. R. Penck, Georg Baselitz und Blinky Palermo befreundet war, selbst jedoch den Kunstmarkt weitgehend mied – „obgleich er 1977 und 1982 auf der documenta sowie in allen maßgeblichen Ausstellungen seiner Zeit vertreten war”, erklärt Mund.

„Mit diesem Angebot soll die Kunst dazu beitragen, die Zeit der Krise besser zu überstehen. Und wenn die Leute dann irgendwann tatsächlich wieder in die Kunsthalle kommen dürfen, sind sie bestens vorbereitet”, sagt Anne Kaestner.

„Bastel Dir Deine Kunsthalle“

Parallel zeigt die Kunsthalle im ersten Obergeschoss Werke aus der eigenen Sammlung. Diese wurden so ausgewählt, dass sie mit den Arbeiten Höckelmanns korrespondieren. Auch einige dieser Werke aus der Eigensammlung werden in Videosequenzen vorgestellt.

Des Weiteren erstellen die Mitarbeiter der Abteilung Vermittlung derzeit ein künstlerisches Kreativprogramm für digitale Räume wie die Homepage, Facebook oder Instagram. „Es richtet sich an alle Altersgruppen und unterbreitet in Film- und Fotostrecken Vorschläge, die mit Materialien, die jeder zu Hause hat, umgesetzt werden können. Ein Angebot heißt zum Beispiel ‘Bastel Dir Deine Kunsthalle‘”, erläutert Museumspädagoge Matthias Albrecht. Man wolle damit unter anderem die Menschen in den sozialen Netzwerken zusammenbringen und die Chance nutzen, ihre Beziehung zur Kunsthalle auch während der Zeit der Schließung zu erhalten und zu festigen.

Zur Person

Antonius Höckelmann (1937–2000) ist einer der außergewöhnlichsten deutschen Künstler seiner Generation. In Oelde geboren und dort zum Holzbildhauer ausgebildet, lebt er nach der Studienzeit in Berlin drei Jahrzehnte in Köln, wo er Teil der Kunstszene des Rheinlandes ist. Sein Werk zeigt Einflüsse des westfälischen, aber auch italienischen Barock, des Informel, der neuen Figuration ab den 1960er-Jahren sowie der „Neuen Wilden“ der 1980er-Jahre. Höckelmann hat hauptsächlich Skulpturen und Zeichnungen geschaffen. Abstrakte, organische Formen vereinen sich mit gegenständlichen Motiven in teils monumentalen Papierarbeiten oder plastisch geformten Gebilden aus Gips, Styropor, Aluminium oder Bronze. In den 1990er-Jahren treten außerdem Acrylbilder von expressiver Farbigkeit hinzu. Motive erscheinen und verschwinden zwischen wuchernden und vegetabilen Schwellformen, Spiralen, Knollen und Knäueln. Seine Themen sind Sexualität, Geschlechterkampf, Mensch und Tier, Pferdesport und die Pflanzenwelt. Die Präsentation der Kunsthalle Bielefeld soll zu einer längst überfälligen Neuentdeckung dieses Künstlers beitragen.

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