Sa., 21.03.2020

Spargel- und Erdbeerbauern in Bielefeld sorgen sich um den Saisonstart „Die Verunsicherung ist groß“

Simone und Detlef Krüger vom Hof Krüger auf ihrem Spargelfeld: Die Spargel- und Erdbeerbauern sorgen sich um den Saisonstart. Es fehlen Erntehelfer, aber auch Abnehmer für die Spezialitäten.

Simone und Detlef Krüger vom Hof Krüger auf ihrem Spargelfeld: Die Spargel- und Erdbeerbauern sorgen sich um den Saisonstart. Es fehlen Erntehelfer, aber auch Abnehmer für die Spezialitäten. Foto: Thomas F. Starke

Von Kerstin Sewöster

Bielefeld (WB). Mit den ersten Sonnenstrahlen wächst auch der Appetit auf Spargel und Erdbeeren, dem ersten heimischen Gemüse und Obst, das frisch auf den Tisch kommt. Die Anbauer hat der frühe Saisonbeginn – Ende März gibt es vielerorts bereits das Stangengemüse direkt beim Erzeuger zu kaufen – indes vor große Probleme gestellt: Wegen der Corona-Pandemie sind die Grenzen dicht und damit der Weg für die so dringend benötigten Saisonarbeiter aus Osteuropa versperrt. Dass jetzt grünes Licht vom Innenministerium kommt, lässt die Spargel- und Erdbeerbauern aufatmen, fegt aber noch nicht alle Probleme vom Tisch.

Helfer werden eingeflogen

„Der grenzüberschreitende Warenverkehr sowie grenzüberschreitendes Reisen aus berufsbedingten Gründen oder zur Ausübung einer Berufstätigkeit zur Durchführung von Vertragsleistungen bleibt – unabhängig von der Staatsangehörigkeit – zulässig“, heißt es laut Ministerium. Das soll für Berufspendler, akkreditierte Diplomaten und Saisonarbeiter gelten. Jetzt bleibt die Frage, ob die Leute auch tatsächlich kommen. „Die Verunsicherung ist groß“, bleibt Detlef Krüger vom gleichnamigen Spargelhof in Brackwede skeptisch. Er hat vorsorglich die Folien über den Spargelreihen gewendet, von schwarz auf weiß gedreht, „um den Spargel zu bremsen“. Hinter Detlef Krüger und seinen Kollegen liegen Wochen der Unsicherheit und Ungewissheit, was die Zukunft bringt.

Andreas Aschentrup vom gleichnamigen Erdbeerhof benötigt in jeder Saison 170 Erntehelfer aus Osteuropa, die beim Kultivieren und Ernten von Spargel und Erdbeeren helfen. Er beschäftigt auch ein kleines Team von Festangestellten. Zwei dieser Mitarbeiter säßen in Polen fest, berichtet Aschentrup. Sie hätten Urlaub in Großbritannien gemacht und für sie sei nach ihrer Rückkehr nach Polen eine zweiwöchige Quarantäne verordnet worden. Andere Mitarbeiter wollen gar nicht zur Ernte nach Deutschland kommen, weil sie Angst haben, nach der Saison nicht wieder in die Heimat zu ihrer Familie gelassen zu werden.

Die Verunsicherung ist groß

Die Verunsicherung ist sehr groß, berichtet Aschentrup aus unzähligen Telefonaten. Er weiß von Kollegen, deren Erntehelfer am Flughafen Frankfurt zurückgeschickt wurden. Auch Andreas Aschentrup will versuchen, Saisonarbeiter aus Rumänien per Flugzeug nach Deutschland zu holen. Denn noch nicht geklärt ist die Einreise, wenn die Helfer Transitländer wie Österreich passieren müssen. Die Frage bleibt – ob die Leute tatsächlich kommen, aber auch ob die Flüge überhaupt stattfinden oder doch gecancelt werden. Ein knappes Dutzend Rumänien will er per Flugzeug nach Deutschland holen lassen. Aber viele dieser Menschen sind noch nie geflogen, sind es gewohnt, mit Privatbussen vor der Haustür abgeholt zu werden, nennt der Landwirt mögliche Schwierigkeiten. „Wir sind auf diese Menschen wirklich angewiesen“, betont Andreas Aschentrup.

Das bekräftigt auch Heike Wißbrock aus Senne. Sie hat schon Anfragen von deutschen Arbeitnehmern, die in Corona-Zeiten ihren Job in der Gastronomie nicht mehr ausführen können. „Köche und Kellner sind Malocher, aber die Arbeit in der Landwirtschaft ist eine ganz andere“, sagt Heike Wißbrock. Kai Steinkröger vom gleichnamigen Hof in Senne sieht es auch als Möglichkeit, sich gegenseitig zu helfen, wenn Bielefelder nach Arbeit auf dem Hof fragen. Sogar ein Künstler habe sich gemeldet. Es sei nervenaufreibend, nicht zu wissen, ob und wie viele Fachkräfte nun zu erwarten seien, denn falsche Hoffnungen wolle er bei den neuen Bewerbern nicht wecken.

Spargelgastronomie ist tot

Indes stellt nicht nur die Ernte die Anbauer vor große Herausforderungen, sondern auch die Vermarktung. „Die Spargelgastronomie ist tot“, sagt Andreas Aschentrup. Viele Spargelevents seien abgesagt. Der König der Gemüsesorten sei vor allem beliebt bei größeren Familienfesten und Konfirmationen, die wegen der Corona-Pandemie flächendeckend gestrichen wurden.

Bleibt die Direktvermarktung, von der alle hoffen, dass sie weiter möglich ist. Die Bielefelder lieben es, Spargel und Erdbeeren direkt am Hof oder in den kleinen Verkaufsstellen zu kaufen. Kai Steinkröger will auf jeden Fall seinen Hofladen aufhalten und überlegt, sich sogar in seiner Halle auf dem Hofgelände ein so genanntes drive-through einzurichten: „Die Menschen könnten dann mit dem Auto vorfahren, aus dem Fenster heraus die Waren kaufen und mit Karte zahlen.“

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