Bielefelder Hornbach-Baumarkt lässt nur 70 Menschen gleichzeitig rein – positive Resonanz
100 Quadratmeter Platz pro Kunde

Bielefeld (WB). Der Mensch braucht eine Aufgabe – gerade in Corona-Zeiten, wenn Geschäfte, Kneipen und Vereine geschlossen haben, wenn sein sonstiges Freizeitangebot gen Null tendiert und er sowieso möglichst zu Hause bleiben soll. Da liegt es nahe, dass die Baumärkte gut zu tun kriegen. Denn sie dürfen weiterhin öffnen, und in Haus und Garten gibt es ja eigentlich für jeden immer reichlich zu tun.

Montag, 23.03.2020, 08:00 Uhr
Ist um ein möglichst gesundes Miteinander von Kunden und Mitarbeitern bemüht: Hans-Jörg Specka (53), Marktmanager bei Hornbach in Bielefeld. Foto: Markus Poch
Ist um ein möglichst gesundes Miteinander von Kunden und Mitarbeitern bemüht: Hans-Jörg Specka (53), Marktmanager bei Hornbach in Bielefeld. Foto: Markus Poch

Doch auch im Baumarkt dreht sich neuerdings alles um das Virus, jedenfalls bei Hornbach an der Detmolder Straße in Bielefeld. „Normalerweise verlaufen unsere Samstage deutlich angespannter“, sagt Marktmanager Hans-Jörg Specka. „Sonst haben wir alle sieben Kassen geöffnet, und vor jeder Kasse stehen fünf bis sechs Kunden.“

Eingangsschleuse

An diesem Samstag sind nur vier Kassen in Betrieb, und nicht vor jeder steht überhaupt ein Kunde. Das liegt an der neuen Einlasskontrolle: Hornbach lässt nur 70 Personen gleichzeitig in seinen 7000 Quadratmeter großen Markt. Das gebe Kunden und Mitarbeitern genügend Spielraum und minimiere die Ansteckungsgefahr, erklärt Specka.

„Wenn ich seit Mitte der vergangenen Woche alle Tore geöffnet und jeden reingelassen hätte, dann wären wir auch schon ausverkauft“, schätzt der 53-Jährige. „Dann hätten die Menschen uns die Bude eingerannt. Aber Gewinnoptimierung zählt gerade nicht. Das Wichtigste ist jetzt die Gesundheit von Kunden und Mitarbeitern.“

Zutritt durch die Eingangsschleuse erhalten deshalb ausschließlich Einzelpersonen und Paare, keine Familien, Gruppen oder Kinder. Damit der Laden läuft, hat Specka nur sechs seiner 36 Mitarbeiter im Verkauf eingesetzt, hat die persönliche Beratung, “bei der man sich näher kommt“, sowie den Farbmisch- und Holzzuschnittservice eingestellt. Jede freie Hand hilft bei der Leitung des Kundenstroms vor dem Markt, bei der Warenausgabe, beim Service am Telefon oder bei anderen Sonderaufgaben.

Stromkabel wie Klopapier

Einkäufer kommentieren den zusätzlichen Aufwand des Personals mit Sprüchen wie „So ein Quatsch“ über „Ja, das muss wohl so sein“ bis hin zu einem mehrheitlichen „Toll, was Sie alles für ihre Kundschaft tun.“ Dankbare Kunden lassen aktuell mehr Geld im Markt, hat der Manager festgestellt. Der Wert eines durchschnittlichen Kassenbons liege im Vergleich zu vorher um 50 Prozent höher. Hamsterkäufe haben er nicht registriert. Allerdings liefen Standard-Kabel sehr gut. „Sind Stromkabel das neue Klopapier?“, fragt er schmunzelnd.

Zu jeder Gelegenheit erklären Specka und seine Leute, dass Kunden sich in schwierigen Zeiten auf die wesentlichen Einkäufe beschränken und einmal öfter das Internetangebot nutzen sollten. „Man kann die Ware online reservieren und selbst abholen oder online bestellen und sich liefern lassen“, erklärt der Marktmanager. „Dadurch verringert man die Aufenthaltsdauer im Markt oder vermeidet sie sogar ganz. Und man fährt nicht vergeblich zum Einkaufen, weil man sicher sein kann, die Ware auch zu erhalten.“

Onlineverkauf gestiegen

Die Zahl der Nutzer des Online-Services sei in seinem Markt seit Corona deutlich angestiegen: „Von ungefähr 25 pro Tag auf bis zu 60 – Tendenz steigend“, signalisiert Hans-Jörg Specka. Weniger direkten Kundenkontakt schätzen auch seine Mitarbeiter, die zu Beginn der Pandemie stark verunsichert gewesen seien. Diese Verunsicherung habe sich jedoch dank einiger Schutzmaßnahmen gelegt: Plastikfolie und Desinfektionsmittel im Kassenbereich, optional Gummihandschuhe und Mundschutz für jeden sowie Zugangsbeschränkungen für die Pausenräume. Außerdem würden im Zwei-Stunden-Takt sämtliche Tastaturen des Marktes desinfiziert.

„Unsere Maßnahmen sind zielführend. Von daher gibt es nicht wirklich einen Grund, den Laden zu schließen“, sagt Hans-Jörg Specka. „Ich rechne deshalb damit, dass wir offen bleiben dürfen.“

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