Neue tierische Bewohner im Bielefelder Gnaden- und Begegnungshof „Dorf Sentana“
Hühner mit Weste und zahme Kaninchen

Bielefeld (WB).Gemütlich liegt eines der Hühner auf der grünen Wiese und blinzelt entspannt in die Sonne. Dass es bislang alles andere als ein gutes Leben hatte und nur knapp der Schlachtung entkommen ist, das verrät nur die Stoffweste, die die Henne trägt – und die die kahlen Stellen ihres Körpers vor Kälte und UV-Strahlung schützt.

Donnerstag, 26.03.2020, 17:00 Uhr
Gemeinsam lassen sich die Kaninchen die Salatblätter und Möhren schmecken, die ihnen „Dorf Sentana“-Mitarbeiterin Nina Kristin Plaß serviert. Die beiden Zwergkaninchen Flecky und Speedy haben dabei ihre neuen Mitbewohner schon akzeptiert. Foto: Bernhard Pierel
Gemeinsam lassen sich die Kaninchen die Salatblätter und Möhren schmecken, die ihnen „Dorf Sentana“-Mitarbeiterin Nina Kristin Plaß serviert. Die beiden Zwergkaninchen Flecky und Speedy haben dabei ihre neuen Mitbewohner schon akzeptiert. Foto: Bernhard Pierel

In ihrem neuen Zuhause im Gnaden- und Begegnungshof „Dorf Sentana“ fühlt sich die Henne jedoch offensichtlich wohl, obwohl sie mit ihren 14 „Kolleginnen“ erst am Wochenende eingezogen ist. „Die Tiere sind erstaunlich zutraulich. So lassen sie sich zum Beispiel ganz unkompliziert auf den Arm nehmen, um ihnen die Westen anzuziehen. Und obwohl sie es bislang noch nicht kannten, gehen sie abends bei Einbruch der Dunkelheit von ganz allein in ihr Hühnerhaus“, sagt Mira von der Heide, Leiterin des Gnaden- und Begegnungshofes am Quellenhofweg in Gadderbaum.

Spendenprojekt macht Aufnahme möglich

Dass das „Dorf Sentana“ eine größere Anzahl von Hühnern aufnehmen konnte, wurde durch ein Spendenprojekt Ende des vergangene Jahres ermöglicht. Mit dem dabei gesammelten Geld konnte ein Hühnerhaus genau nach den Bedürfnissen der Einrichtung gebaut werden, das auf einer der Wiesen im südlichen Teil der Anlage steht.

Die 15 Hennen, die nun dort eingezogen sind, kommen aus einem Betrieb im Sauerland, der Eier aus „Bodenhaltung“ anbietet. Tatsächlich bedeutet dies jedoch, dass die Legehennen in Reihen übereinander sitzen und tatsächlich nur sehr eingeschränkt auf dem Boden herumlaufen können. „Nach meist einem bis eineinhalb Jahren legen die Tiere dann etwas weniger Eier, so dass sie nicht mehr wirtschaftlich sind und werden eigentlich dann geschlachtet“, erklärt Mira von der Heide.

Dass die Hühner stattdessen an neue Halter vermittelt werden, darum kümmert sich bundesweit der Verein „Rettet das Huhn“, zu dem auch die Sentana-Stiftung als Betreiberin des Gnaden- und Begegnungshofs in Gadderbaum Kontakt hat. Eigentlich, so Mira von der Heide, sollte die Tiere im April oder Mai kommen, doch nun habe der Hof aus dem Sauerland durch die Corona-Krise Absatzschwierigkeiten und habe die Hennen früher abgeben wollen.

Dem Schlachthof entkommen

Zwei Wochen lang werden die Neuankömmlinge nun getrennt von den drei Hühnern und dem Hahn „wohnen“, die bislang schon im „Dorf Sentana“ zuhause sind – für den Fall, dass sie eine ansteckende Krankheit haben. Anschließend sollen dann alle Hühner zusammen leben auf der Wiese, auf der auch die Schafe stehen. Mira von der Heide: „Denn die schützen die Hühner auch vor Greifvögeln. Das ist eine ganz tolle WG.“

Neu eingezogen sind auf dem Gnaden- und Begegnungshof am Wochenende auch drei Kaninchen. Und Flecky und Speedy, die beiden Zwergkaninchen, die schon länger in dem 21 Quadratmeter großen und naturnah gestalteten Gehege leben, habe die neuen Mitbewohner erstaunlich freundlich aufgenommen. „Bei der Vergesellschaftung von Kaninchen kann es auch schon mal ruppig zugehen. Doch in diesem Fall hat das hervorragend geklappt“, freut sich die Hof-Leiterin.

Und tatsächlich herrscht auch in dem Stall entspannte Stimmung und gibt es auch dann, wenn saftige Salatbätter und knackige Möhren „auf den Tisch“ kommen, keine Streitereien.

Auch die drei neuen Schlappohren sind durch die Aufnahme im „Dorf Sentana“ in Gadderbaum dem Schlachthof entkommen. Zusammen mit ihrer Mutter hat sie vor drei Jahren eine Tierschützerin von einem Züchter übernommen, der Schlachtkaninchen züchtet. Doch die Tierfreundin habe die Kaninchen nun selbst abgeben müssen, Namen haben die drei plüschigen Neu-Bewohner bislang noch nicht. Denn für das Trio werden nun Paten gesucht, die sie dann auch „taufen“ dürfen. „Eine Voll-Patenschaft kostet im Monat 25 Euro, Teil-Patenschaften sind ab fünf Euro im Monat möglich“, so Mira von der Heide.

Für das „Dorf Sentana“ sei es nicht nur den Tieren selbst zu liebe wichtig, wie nun zum Beispiel die Hühner aufzunehmen, betont Mira von der Heide: „Wir haben auch einen Bildungsauftrag. Und so können wir den Besuchern zeigen, was die Tierhaltung in vielen Fällen bedeutet.“

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