Do., 26.03.2020

Kulturkreis Senne sagt die für Juni geplante Open-Air-Musikveranstaltung ab Auch „Rock on the Beach“ fällt aus

Die aufblasbare Palme, jedes Jahr das Symbol von „Rock on the Beach“, bleibt platt. Eberhard Grabe (links) und Joscha Conze vom Kulturkreis Senne haben das Festival abgesagt.

Die aufblasbare Palme, jedes Jahr das Symbol von „Rock on the Beach“, bleibt platt. Eberhard Grabe (links) und Joscha Conze vom Kulturkreis Senne haben das Festival abgesagt. Foto: Peter Bollig

Von Peter Bollig

Bielefeld (WB). Eine der größten Open-Air-Musikveranstaltungen in Bielefeld fällt aus, und auch hier ist die Corona-Pandemie der Grund. Der Kulturkreis Senne hat am Mittwoch das für Juni im Waldbad geplante Festival „Rock on the Beach“ abgesagt. Einen Ersatztermin wird es nicht geben.

Zu groß seien die Unwägbarkeiten bei der Suche nach einem möglichen Ausweichtermin, zu schwer absehbar, wie die Beschränkungen für derartige Konzerte in einigen Wochen oder Monaten aussehen. Gleichzeitig sei der organisatorische Aufwand für ein Festival dieser Größenordnung sehr groß, wie Organisator Joscha Conze und Geschäftsführer Eberhard Grabe vom Kulturkreis Senne klar machen.

„Logistik, Technik – da hängt viel dran“, sagt Joscha Conze. „Da ist es vernünftiger, im Vorfeld rechtzeitig abzusagen.“ Denn als nächstes wären T-Shirts gestaltet, Flyer gedruckt worden. Selbst wenn der Kulturbetrieb in einigen Wochen wieder anliefe, könnte „Rock on the Beach“ dann mit anderen Veranstaltungen kollidieren. Damit fällt die 19. Auflage des Festivals aus – zum ersten Mal in der Geschichte von „Rock on the Beach“, das jährlich bis zu 2500 Besucher ins Waldbad lockt, die auf zwei Bühnen etwa zwölf Stunden lang Live-Musik regionaler aber auch bekannter internationaler Bands erleben.

Auch kleinere Konzerte finden nicht statt

Von der Absage betroffen sind auch die Veranstaltungen „Rock the School“, die am 5. Juni, dem Tag vor dem Festival, zum dritten Mal Bands der heimischen Schulen ein Konzerterlebnis auf der Bühne im Waldbad bieten sollte, sowie „Bi-Phil on the Beach“, das zum zweiten Mal am 7. Juni stattfinden und ein Konzert mit Musikern der Basement Boyz und der Bielefelder Philharmoniker präsentieren sollte. Ohne das Festival seien diese kleineren Konzerte nicht denkbar, weil sie die Infrastruktur von „Rock on the Beach“ nutzten, sagt Joscha Conze. Außerdem noch völlig offen sei, wann die Bielefelder Bäder überhaupt wieder öffnen und auch wann die Schulen wieder den Betrieb aufnehmen. Denn bis dahin würde den Schülerbands ohnehin die Gelegenheit fehlen, für ihren Auftritt zu proben.

Geplant war ein Festival diesmal ausschließlich mit Bands aus der Region und der Kapelle Petra aus Hamm als Top Act. „Wir wollten mit befreundeten Bands feiern, die hier alle schon einmal gespielt haben“, sagt Conze. Eine Art Abschiedsgeschenk auch an Eberhard Grabe, der im kommenden Jahr als Bezirksamtsleiter in den Ruhestand geht, und auch in Gedenken an ein langjähriges Mitglied des Organisationsteams, das genau ein Jahr vor dem geplanten Festival-Termin bei einem Autounfall ums Leben kam und mit vielen Musikern befreundet war. Dieses Konzept soll nun im kommenden Jahr aufgegriffen werden.

Terminplan ist aus den Fugen geraten

Abgesagt wurde damit auch der Contest, bei dem sich Bands im März in der Hechelei für einen Auftritt bei „Rock on the Beach“ hätten bewerben können. Eberhard Grabe: „Wir überlegen, ob wir das im August oder September nachholen, mit Blick aufs Festival im kommenden Jahr.“

„Rock on the Beach“ ist nicht die einzige Veranstaltung, die der Kulturkreis absagen musste. Senne Live und „Uffgebrasst“ im März, das Osterfeuer im April, die Mindener Stichlinge im Mai fallen aus. Der Kulturkreis hofft, dass zumindest „Ein Hof wird Kunst“ auf Hof Ramsbrock und Kultur im Knast in der JVA im August stattfinden können, vielleicht auch das Theater an der Waterbör mit der Canaillen-Bagage im Juni.

Obwohl der Terminplan aus den Fugen geraten ist, möchte der Kulturkreis reagieren, wenn der Kulturbetrieb irgendwann wieder anläuft. Die großen Veranstaltungen in der Region dürften sich kurzfristig kaum mehr neu organisieren lassen, glaubt Joscha Conze. „Wir möchten daher mit vielen kleineren reagieren.“ Für ihn und Eberhard Grabe sind dann Konzerte mit Biergartenatmosphäre und einfacher Technik denkbar, etwa auf dem Marktplatz, auf Hof Ramsbrock oder im Garten hinter dem Bezirksamt. Finanzielle Einbußen bedeutet die derzeitige Lage für den Kulturkreis Senne nicht, weil er ehrenamtlich betrieben wird und das Bezirksamt die Aufgabe der Geschäftsstelle übernimmt. „Aber für einen Kulturverein ist es einfach traurig“, sagt Grabe, „wenn er keine Kultur machen kann.“

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