Handwerksbetrieb aus Bielefeld fertigt spontan Ausstattung für Kliniken, Ärzte und Pfleger
Schutzvisiere vom Schuhmacher

Bielefeld (WB). Dass Ärzte und Pflegepersonal angesichts der Corona-Pandemie gesund bleiben, um alle Patienten versorgen zu können, dazu will ein kleines Bielefelder Handwerksunternehmen aus einer ganz anderen Branche einen Beitrag leisten. Seit Sonntag fertigen der Orthopädieschuhmachermeister Christian Bockholt und seine Chefin Christine Wemuth in ihrer Werkstatt an der Wikingerstraße in Brackwede Schutzvisiere aus Kunststofffolie, die Ärzte und Klinikpersonal zusätzlich zu ihrer regulären Schutzausstattung vor einer Tröpfcheninfektion schützen sollen.

Donnerstag, 26.03.2020, 08:00 Uhr
Christian Bockholt prüft bei Andreas Jäger den Sitz des Schutzvisiers. Erst am Sonntag haben sie getüftelt, bis sie die beste Konstruktion entwickelt hatten. Bislang haben sie bereits mehr als 50 Visiere an Praxen, eine Klinik und Pflegedienste geliefert. Foto: Bernhard Pierel
Christian Bockholt prüft bei Andreas Jäger den Sitz des Schutzvisiers. Erst am Sonntag haben sie getüftelt, bis sie die beste Konstruktion entwickelt hatten. Bislang haben sie bereits mehr als 50 Visiere an Praxen, eine Klinik und Pflegedienste geliefert. Foto: Bernhard Pierel

„Bislang haben wir schon fast 100 angefertigt und mehr als 50 davon ausgeliefert, die bereits bei niedergelassenen Ärzten und auch in einem Krankenhaus im Einsatz sind “, sagt Christian Bockholt.

Die Anregung, die Visiere zu bauen, sei von Noel Mutschler, einem gemeinsamen Freund, gekommen, erklären Bockholt und Andreas Jäger. Die beiden haben die Bauweise der Schutzvisiere ausgetüftelt. Mutschler arbeitet als Pfleger im Intensivbereich eines Krankenhauses in Ostwestfalen und war im Internet auf die Idee eines Arztes aus Görlitz gestoßen, der ein ähnliches Visier selbst konstruiert hatte.

Optimaler Sitz

Daraufhin hätten er und Jäger sich sofort an die Arbeit gemacht, sagt Christian Bockholt. Denn die etwa einen halben Millimeter starke Kunststofffolie, so genannte Tiefziehfolie, die dafür verwendet werden kann, sei in der Werkstatt vorrätig. „Eigentlich benutzen wir diese, um ein durchsichtiges Modell eines Schuhleisten anzufertigen, um den optimalen Sitz eines Schuhs zu gewährleisten“, so Christian Bockholt.

Im Wärmeofen, der ebenfalls zur Werkstattaustattung gehört, lassen sich die darüber hinaus benötigten Kunststoffpolster in Form bringen. Der Schaumstoff, den Bockholt und Christine Wemuth in passende Streifen schneide, wird so halbrund geformt und daran anschließend die auf etwa Din A4-Größe zugeschnittene Folie befestigt. Mit einem Gummiband lässt sich das so entstandene Visier schließlich aufsetzen, so dass es das gesamte Gesicht bis unterhalb des Kinns abdeckt.

„Das ist ein optimaler Eigenschutz gegen Aerosole und damit gegen eine Tröpfcheninfektion“, so Pfleger Noel Mutschler, der auch bereits Corona-Patienten behandelt. Hinzu komme, dass die Visiere auch über dem üblichen Mundschutz und einer Schutzbrille getragen werden könnten und zudem desinfizierbar seien. „Sie können also mehrfach verwendet werden“, sagt auch Christine Wemuth. Dabei seien sie kein Ersatz für die andere Schutzausrüstung, sondern eine Ergänzung, erklärt Andreas Jäger.

15 Euro pro Stück

Mehrere Arztpraxen und Pflegedienste in Bielefeld seien schon mit den Visieren beliefert worden, auch ein Krankenhaus wolle deren Einsatz prüfen, so Christian Bockholt, dessen Frau in der Onkologie arbeitet. Etwa zwölf Stück könnten in Handarbeit in der Werkstatt pro Stunde hergestellt werden.

Für ihren Betrieb sei es auch eine Möglichkeit, weiter zu arbeiten, sagt Christine Wemuth. „Alle anderen Aufträge sind fast bei Null. Und so können wir etwas sinnvolles tun.“ Ein großes Geschäft wollen sie mit ihrer Initiative nicht machen, betonen Bockholt, Jäger und Wemuth. Verkauft würden die Visiere für 15 Euro pro Stück, so Andreas Jäger, bei einem Materialpreis von etwa acht Euro. Drei Euro von dem Verkaufspreis sollen außerdem an den Verein Fruchtalarm gehen, der sich für krebskranke Kinder einsetzt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7343746?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Fall Lügde: Weiterer Mann wegen Kindesmissbrauchs angeklagt
Zu den Taten des 48-jährigen Verdächtigen soll es nicht auf dem Campingplatz Eichwald gekommen sein. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker