Fr., 27.03.2020

Keine Fahrerlaubnis nach Lima, kein Anschlussflug nach Südafrika: Erfahrungen junger Freiwilliger beim Weltwärts-Programm Auf Umwegen zurück nach Deutschland

Freiwillige helfen weltweit in Projekten.

Freiwillige helfen weltweit in Projekten. Foto: dpa

Von Bernhard Hertlein

Bielefeld (WB). Sie fliegen in ferne Länder, um ein Jahr freiwillig in einem Entwicklungsprojekt mitzuarbeiten: Vor zwölf Jahren rief das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit das Programm Weltwärts für Jugendliche zwischen 18 und 28 Jahren ins Leben. Aktuell empfiehlt das Ministerium aber den Teilnehmern dringend, ihren einjährigen Aufenthalt wegen des Coronavirus vorzeitig abzubrechen.

Doch das ist nicht so leicht. Das Projekt Rückreise ist zwar angelaufen. Aber es stößt mancherorts auf Probleme. Eine der Nichtregierungsorganisationen, die seit Anfang bei Weltwärts dabei sind, ist das Welthaus in Bielefeld. Die Kooperation schließt ein, dass die Jugendlichen Monate vorher auf den Freiwilligendienst vorbereitet werden, in dem sie mit Sprache und Gepflogenheiten des Gastlandes vertraut gemacht werden.

41 warten auf den Rückflug

Vor der Coronakrise hielten sich nach Angaben der Bielefelder Projektkoordinatoren Barbara Schütz und Dieter Simon 78 Weltwärts-Teilnehmer in Afrika oder Südamerika auf. 37 kehrten nach dem Einbruch der Pandemie inzwischen sicher nach Deutschland zurück. 41 sind noch im Gastland und warten auf den Rückflug.

Eine Fortführung der Arbeit in den Entwicklungsprojekten ist Schütz zufolge derzeit fast nirgendwo mehr möglich – schon wegen der neuen Gesetze und Verordnungen, die im Zusammenhang mit dem Coronavirus vor Ort erlassen wurden.

Luftverkehr funktioniert immer weniger

Glücklich die, die rechtzeitig den Rückflug antreten konnten. Für die Mehrzahl der anderen 41 sind Schütz und Simon optimistisch, obgleich der internationale Luftverkehr immer weniger funktioniert. So warteten Weltwärts-Teilnehmer in Mosambik am vergangenen Samstag in der Hauptstadt Maputo vergebens auf den Abflug einer südafrikanischen Maschine nach Johannesburg. Von dort sollte es mit Air France weiter nach Europa gehen. Doch Stunden vorher sperrte die Südafrikanische Union ihren Luftraum. Inzwischen gelang es Simon, einen neuen Flug zu buchen, der die jungen Leute an diesem Freitag zunächst in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba und von dort weiter nach Europa bringen soll.

Viele Weltwärts-Teilnehmer aus OWL reisten 2020 nach Peru und Ecuador. Die meisten Teilnehmer in Peru sind bereits zurück. Zwei konnten nicht mitfliegen, weil ihr Einsatzort weit von der Hauptstadt Lima entfernt ist. Da in Peru genau wie in Ecuador jetzt strenge Ausgangssperren gelten, können sie sich weiter kaum im Land bewegen. Um sie kümmert sich jetzt die deutsche Botschaft in Lima.

Welthaus-Teilnehmer noch in Deutschland

Parallel zu dem Weltwärts-Programm ermöglicht das Welthaus in Bielefeld auch jungen Menschen aus Ländern des Südens, ein Jahr bei einer Familie in Deutschland – größtenteils in OWL – zu leben. Währenddessen arbeiten sie im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes in einer sozialen Einrichtung, sammeln Erfahrung über das Leben in Deutschland. Zuletzt kamen auf diese Art 2019 insgesamt 16 Teilnehmer aus Peru, Ecuador, Mexiko, Nicaragua, El Salvador, Süd­afrika, Zimbabwe und Mosambik nach OWL. Sie arbeiten beispielsweise in Kitas und in der Altenpflege, und sofern diese Einrichtungen weiter offen sind, führen sie diese Tätigkeit auch jetzt noch fort.

Mit einer Ausnahme befinden sich die Jugendlichen alle noch in Deutschland. Sie sprechen, so sagt Schütz, derzeit natürlich besonders viel mit den Verwandten und Freunden zu Hause. Dabei ist die Erkenntnis gewachsen, dass sie in diesen Zeiten, in denen Machthaber in Mittel- und Südamerika die Gefährlichkeit des Coronavirus immer noch leugnen, in Deutschland wesentlich besser aufgehoben sind.

Übrigens plant das Welthaus für den Sommer wieder die Entsendung von 70 bis 80 Freiwilligen in sechs Länder. Noch ist die Hoffnung nicht ganz aufgegeben.

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