Sa., 28.03.2020

Kliniken in OWL veröffentlichen offene Kapazitäten im Internet Mehr als 1700 freie Intensivbetten

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Christian Althoff

Bielefeld (WB). Die Intensivstationen in NRW können im Moment innerhalb eines Tages sechsmal so viele freie Intensivbetten zur Verfügung stellen, wie aktuell von Corona-Patienten belegt sind. Diese Zahl basiert auf den Angaben von 165 Intensivstationen, die ihre Daten dazu jetzt veröffentlicht haben. Es gibt aber noch mehr Intensivstationen in NRW.

Von den 11.523 positiv Getesteten in Nordrhein-Westfalen wurden nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums am Freitag 950 stationär behandelt, 307 von ihnen intensivmedizinisch. 253 wurden beatmet, das sind 2,2 Prozent der bekannten Corona-Infizierten.

1771 freie Intensivbetten waren dem Ministerium am Freitag bekannt. Aber in welchen Krankenhäusern gibt es die? Und welche Beatmungsmöglichkeiten gibt es dort? Diese Daten trägt die „Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin” (DIVI) seit einer Woche in einer Datenbank zusammen, und zwar für jedes Bundesland.

Das Robert-Koch-Institut als Bundesbehörde und die Deutsche Krankenhausgesellschaft haben alle Intensivstationen aufgerufen, ihre Kapazitäten in der neuen Online-Datenbank einzutragen und aktuell zu halten. So können Ärzte ausgelasteter Krankenhäuser erkennen, wohin sie einen Intensivpatienten verlegen können.

Carsten Obermann, Oberarzt in der Klinik für Anästhesie des Klinikums Bielefeld, steht ganz vorne an der Corona-Front und sagt: „Diese neue Datenbank ist extrem nützlich. Wir sehen nicht nur in Echtzeit, wo es in Deutschland noch freie Intensivbetten gibt, sondern wir können auch deren technische Ausstattung erkennen. Das ist enorm wichtig, wenn es um beatmete Patienten geht.”

Bis Freitag hatten sich 750 der bundesweit 1160 Intensivstationen in der Datenbank registriert, das sind 65 Prozent. Aus NRW sind 165 Intensivstationen dabei. Gemeldet werden drei Kategorien: freie Intensivbetten, freie Intensivbetten mit Beatmung und freie ECMO-Maschinen. Das sind Geräte, die Herz-Lungen-Maschinen ähneln und die Lungenfunktion schwerstkranker Menschen übernehmen können.

Nordrhein-Westfalens Krankenhäuser melden schon immer freie Intensivbetten, und zwar an das „Informationssystem Gewahrenabwehr NRW”. Direkten Zugriff darauf haben aber nur die Rettungsdienstleitstellen – und nicht der einzelne Arzt. Außerdem gehen diese Informationen nicht in die Tiefe, und sie sind nicht bundesweit verfügbar. Das will die neue, öffentlich zugängliche Da­tenbank ändern.

Die dort bereits aufgelisteten 165 Intensivstationen aus NRW können nach eigenen Angaben innerhalb von 24 Stunden 1330 freie Intensivbetten zur Verfügung stellen. Am Freitag lagen den Angaben zufolge in NRW 1,19 Einwohner pro 100.000 Einwohner wegen Corona auf einer Intensivstation der in der Datenbank aufgeführten Krankenhäuser. Innerhalb von 24 Stunden hätten dort Intensivbetten für 7,42 Menschen pro 100.000 Einwohner bereitgestellt werden können – also für sechsmal so viele Patienten wie bisher.

Die proportional meisten Intensivbetten kann das Saarland innerhalb von 24 Stunden zur Verfügung stellen (21 pro 100.000 Einwohner), die wenigsten Niedersachsen und Bayern (5,5 pro 100.000 Einwohner), immer bezogen auf die Krankenhäuser in der DIVI-Datenbank.

Mehr als ein Dutzend Krankenhäuser aus Ostwestfalen-Lippe haben sich inzwischen in die Datenbank eingetragen, zum Teil mit mehreren Intensivstationen: das Evangelische Klinikum Bethel, die Frauen- und Kinderklinik St. Louise Paderborn, das Heliosklinikum Warburg, die Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe, die Kinderklinik Bielefeld-Bethel, das Klinikum Bielefeld, das Klinikum Gütersloh, das Klinikum Herford, das Lukas-Krankenhaus Bünde, das St.-Elisabeth-Hospital Gütersloh, das St.-Vinzenz-Krankenhaus Rheda-Wiedenbrück, das St.-Ansgar-Krankenhaus Höxter und das St.-Vincenz-Krankenhaus Paderborn. Kapazitäten zur Behandlung Schwerstkranker mit einer ECMO-Maschine meldeten am Freitag aber nur die Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe, das Klinikum Herford und St.-Ansgar in Höxter.

Dr. Linus Grabenhenrich vom Robert-Koch-Institut: „Das DIVI-Intensivregister ist wenige Tage nach dem Start ein großer Erfolg. Die Bereitschaft der Kliniken, mitzumachen, ist wirklich toll.” Die Datenbank soll weiter ausgebaut werden und bereits übernächste Woche auch die Zahl der freien Intensivbetten pro Klinik anzeigen.

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