Erkrankungen verlaufen bisher glimpflich – Bielefelder Altenheime nicht betroffen
Zwei Corona-Fälle in Behinderteneinrichtung

Bielefeld (WB). Zu den Bielefeldern, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, gehören auch zwei Bewohner einer Behinderteneinrichtung. Das sagte Sozialdezernent Ingo Nürnberger. Die beiden Fälle verliefen aber glimpflich, die Betroffenen mussten nicht ins Krankenhaus gebracht werden. Unterdessen blieben die Seniorenheime in Bielefeld bislang vom Virus verschont.

Mittwoch, 01.04.2020, 08:02 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 08:10 Uhr
Die Bielefelder Seniorenheime sind bislang vom Virus verschont geblieben. Für die Stadt Bielefeld gibt es deshalb bislang keinen Anlass, Vorschriften zu verschärfen. Foto: dpa
Die Bielefelder Seniorenheime sind bislang vom Virus verschont geblieben. Für die Stadt Bielefeld gibt es deshalb bislang keinen Anlass, Vorschriften zu verschärfen.

Für die Stadt gebe es bislang keinen Anlass, Vorschriften zu verschärfen. Eine große Herausforderung sei es, die Senioreneinrichtungen mit ausreichend Schutzkleidung und Mundschutz zu versorgen. „Da sind wir dran, das sollte in der kommenden Woche gelingen“, sagte Nürnberger dem WESTFALEN-BLATT.

Die Einrichtungen sollen so ausgestattet sein, dass sie bei Corona-Verdachtsfällen komplette Schutzkleidung zur Verfügung haben. Außerdem sollen sie so ausgestattet werden, dass sie für jeden tatsächlich Infizierten einen Vorrat an Schutzkleidung für vier Wochen anlegen können, damit Pfleger für jeden einzelnen Kontakt eine neue Schutzbekleidung anziehen können.

Labore sind bis zum Anschlag ausgelastet

Der Sozialdezernent wünscht sich, dass die Beschäftigten möglichst schon bei Grippesymptomen, auch ohne einen konkreten Corona-Verdacht, auf das Virus getestet werden könnten. Das sei aber erst möglich, wenn mehr Testkapazitäten zur Verfügung stünden. Derzeit seien die Labore bis zum Anschlag ausgelastet.

In den Einrichtungen in Bielefeld wird vieles unternommen, um Infektionswellen wie in Seniorenheimen in Paderborn und Hövelhof mit etlichen infizierten Mitarbeitern und Bewohnern oder gar Todesfällen wie in Paderborn und Würzburg zu verhindern.

In den Seniorenheimen der AWO etwa gilt seit Wochen ein Besuchsverbot, wie Erwin Tälkers, Sprecher des AWO-Bezirksverbandes OWL, erklärt. Neun Altenheime, davon vier in Bielefeld, betreibt die AWO. In ihnen gelten strenge Zugangsbeschränkungen. Im Grundsatz treffen nur noch Pfleger und Senioren aufeinander, es gebe nur „absolute Ausnahmefälle“, etwa wenn ein Bewohner im Sterben liegt, wie Tälkers sagt.

Selbst gemeinsame Spaziergänge an der frischen Luft seien nicht mehr möglich, auch die Außengelände der Heime seien für Externe gesperrt, berichtet Erwin Tälkers. „Es gibt strenge Kontrollen“, den Angehörigen seien diese Maßnahmen mitgeteilt worden, und man stoße auf Verständnis. Es würden andere Wege der Kommunikation genutzt: per Telefon und teilweise per E-Mail und Briefe, aber auch ein Botendienst mache es möglich, dass etwa Geschenke überbracht werden.

Weitere Verschärfung ist schwer vorstellbar

Eine weitere Verschärfung ist aus Sicht von Uwe Langenberg schwer vorstellbar. „Wir sind damit schon an der Obergrenze“, sagt der Vorstandsvorsitzende des DRK-Ortsvereins Bielefeld-Zentrum. Der Verein betreibt das Martha-Stapenhorst-Heim, einziges Seniorenheim des Roten Kreuzes in Bielefeld. Man habe schon vor der Landesregierung strengere Regelungen beschlossen, etwa die Verfahrensweise „ein Besucher pro Bewohner pro Tag für eine Stunde“ als nicht ausreichend aufgegeben. Die Bewohner sind angehalten, das Heim nicht für Spaziergänge zu verlassen und wenn, dann nur alleine durch den angrenzenden Ostpark zu gehen.

Die wesentliche Strategie in Bielefelder Alteneinrichtungen: Es gilt ein striktes Besuchsverbot. Die Mitarbeiter tragen in der Regel einen Mundschutz, die Senioren und auch die jeweiligen Mitarbeiter in den Wohngruppen bleiben unter sich, teilweise werden die Wohngruppen noch einmal unterteilt, um im Falle einer Infektion den Kreis der Betroffenen möglichst klein zu halten. So beschrieben die Vertreter von AWO und DRK die Lage, ebenso Wilfried Wesemann, bei Bethel verantwortlich unter anderem für die sieben stationären Senioreneinrichtungen in Bielefeld.

Abstand zwischen den Menschen ist in der Pflege nicht einzuhalten

Zudem würden Pandemiepläne greifen, nach denen Betroffene bei Corona-Verdacht oder einer Infektion weiter isoliert würden. Bei Verdachtsfällen würden Mitarbeiter Schutzkleidung bei Kontakt mit den Betroffenen tragen, und jeder neue Bewohner komme in den Bethel-Seniorenheimen zunächst in Quarantäne, um eine Erkrankung auszuschließen.

Gleichwohl vermutet Uwe Langenberg vom DRK, dass eine Eindämmung schwer hinzubekommen sei. Dafür seien die Heime baulich kaum ausgerichtet, und es liege in der Natur der Pflege, dass ein Abstand zwischen den Menschen nicht einzuhalten sei.

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