Fr., 03.04.2020

Deko auf Innenstadtkreisel – OB Clausen wird erpresst – Schmückerin Gertrud Schinker ist verärgert Der Bielefelder Osterhase ist „entführt“

Das „Nest“ des gut mannshohen Hasen ist noch da, er selbst aber abmontiert und entführt. Bis Sonntag hat der Oberbürgermeister Zeit zu reagieren, damit der Hase noch vor Ostern wieder auftauche, heißt es in einem Schreiben.

Das „Nest“ des gut mannshohen Hasen ist noch da, er selbst aber abmontiert und entführt. Bis Sonntag hat der Oberbürgermeister Zeit zu reagieren, damit der Hase noch vor Ostern wieder auftauche, heißt es in einem Schreiben. Foto: Sabine Schulze

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Der Hase ist weg. Genauer: Der Osterhase, der seit einigen Tagen mitten auf dem Kreisel des Willy-Brandt-Platzes auf einem frühlingshaft bunt geschmückten Unterstand so manchen Autofahrer und Passanten zum Schmunzeln gebracht hat. Ein „Bekenner*innenschreiben“ erklärt sein Verschwinden und richtet eine Forderung an den „Bürgermeister“ der Stadt.

„Wir haben in der Nacht vom 2. auf den 3. April den Osterhasen entführt. Wir fordern die sofortige Evakuierung des Camps Moria auf Lesbos“, heißt es in dem Brief, der dem WESTFALEN-BLATT auch per E-Mail zugegangen ist und gezeichnet ist vom „Kommando Horst Schneehofer“.

In dem Lager lebten mehr als 20.000 Menschen unter widrigsten Bedingungen. „Sollte die Stadt Bielefeld nicht innerhalb der nächsten Tage zusichern, mindestens 1000 Menschen aus dem Lager Moria aufzunehmen, wird der Hase erst nach Ostern wieder in die Freiheit entlassen und das Osterfest fällt aus!“

Hase hat einen Wert von 600 Euro

Sein Nest aufgeschlagen hat der Osterhase auf dem Kreisel mit Hilfe des Haller Unternehmens „Die Schmücker“, das zum Beispiel auch die Dekos für den Ball der Wirtschaft gestaltet oder die großen Weihnachtsbäume in der Stadt schmückt. Derzeit aber hat die Firma quasi nichts zu tun. Da wäre es eine gute Idee, fand Teilhaberin Gertrud Schinker, in Zeiten der Corona-Krise etwas Spaß in die Stadt zu bringen. Nach Absprache mit Bielefeld Marketing hat sie daher auf eigene Kosten die Mitte des Willy-Brandt-Platzes österlich gestaltet.

Dass der Hase nun verschwunden ist und politisch instrumentalisiert wird, findet Gertrud Schinker „einfach furchtbar“. „Wir hatten die Aktion als Zeichen der Solidarität gedacht, damit Kinder den Osterhasen sehen und die Erwachsenen etwas zum Schmunzeln haben.“ Politisch gemeint sei das Ganze nun wirklich nicht. „Musiker spielen auf Balkonen Konzerte, wir wollten deshalb etwas Schönes machen“, sagt sie frustriert und verärgert. Am Freitag hat die Schmückerin bei der Polizei Anzeige wegen Diebstahls erstattet. Immerhin hat der Osterhase aus Fiberglas – 2,05 Meter hoch und wetterbeständig – einen Wert von 600 Euro.

Wie OB Clausen reagiert

Da das „Entführer“-Kommando seine Forderung an den Oberbürgermeister gerichtet hatte, hat das Büro des OB auch geantwortet. „Ob die Aktion jetzt lustig ist, bewerte ich mal nicht“, schreibt Maik Maschmeier im Auftrag von Pit Clausen. Der Hintergrund sei aber ernst. Und: „Wir wollen eigentlich das Gleiche.“ Es gebe einen Ratsbeschluss, 100 Menschen aufzunehmen (die Zahl 1000 sei unrealistisch), Bielefeld habe sich zum Sicheren Hafen erklärt, und der OB sei in NRW eine treibende Kraft. Man benötige aber auch Bund und Land, und daran arbeite man ehrgeizig. „Reinen Symbolpolitik und Fantasiezahlen helfen jetzt echt keinem.“ Und die Entführung des Hasen treffe einen Unschuldigen.

Da prangt der Hase noch in voller Schönheit in seinem Unterstand auf dem Kreisel. Foto: Die Schmücker

Daher der Vorschlag: „Kommen Sie aus der Anonymität und melden sich bei mir.“ Und der Hase soll an seinen Platz zurückkehren. „Wenn wir durch so eine Aktion die Zustimmung aus der Mehrheit der Bevölkerung verlieren, wäre das einfach nur blöd.“ Und das fände hier niemand lustig.

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