Mo., 06.04.2020

Ordnungsamt registriert am Wochenende täglich 130 Verstöße gegen das Kontaktverbot „Der Ton wird gereizter“

Wie hier beim Viadukt am Obersee waren am Wochenende viele Menschen unterwegs.

Wie hier beim Viadukt am Obersee waren am Wochenende viele Menschen unterwegs. Foto: Schläger

Von Michael Schläger

Bielefeld (WB). Das Thermometer kratzt an der 20-Grad-Marke, die Menschen zieht es nach draußen. Die meisten hielten sich am Wochenende jedoch an das wegen der Corona-Krise geltende Kontaktverbot, das Menschenansammlungen verbietet. Im Schnitt 130 Verstöße pro Tag seien seit Freitag festgestellt worden, zog Ordnungsamtsleiter Friedhelm Feldmann am Sonntag eine erste Wochenendbilanz. Die Zahl sei noch im Rahmen, bewege sich auf dem Niveau, das schon am vergangenen Wochenende erreicht worden sei.

Toleranzschwelle lässt nach

Allerdings berichteten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die „vor Ort“ im Einsatz waren, dass die Toleranzschwelle der Bürger nachlasse. Die Bereitwilligkeit, nicht in größeren Gruppen unterwegs zu sein, gehe zurück, der Ton im Kontakt mit den Mitarbeitern des Ordnungsamtes werde gereizter, sagte Feldmann.

Dabei kommt es den Streifen des Ordnungsamtes nicht darauf an, Bußgelder zu verteilen. Vielmehr werde zunächst an die Einsicht der Menschen appelliert. „Es geht nach wie vor darum, die Verbreitung des Virus einzudämmen”, so Feldmann. Bei erteilten Platzverweisen würden die Namen der Betroffenen aufgenommen, um im Wiederholungsfall schließlich doch auf Bußgelder zurückzugreifen.

Am Obersee etwa waren am Samstag und Sonntag die Parkplätze voll, die Menschen waren als Spaziergänger, Jogger oder Radler unterwegs. Einige hatten sich ans Seeufer gesetzt, genossen die Sonne. Alles verlief im Rahmen. In der Melanchthonstraße wollte am Freitag ein Saxophonist seinen Nachbarn etwas Gutes tun, gab ein Fensterkonzert. Das zog jedoch so viele Passanten an, dass das Ordnungsamt einschreiten und auf die Einhaltung des Sicherheitsabstandes hinweisen musste. Neben den Mitarbeitern der städtischen Ordnungsbehörde ist auch die Bielefelder Polizei im Einsatz, um die Einhaltung des Kontaktverbotes durchzusetzen. Im Zeitraum vom 25. bis 31. März schrieben die Beamten 14 Ordnungswidrigkeitenanzeigen. Strafanzeigen wurden keine erstattet. Auffällig wurden 55 Erwachsene und drei Jugendliche.

Ostern mehr Streifen

Am Osterwochenende wird das Ordnungsamt seine Streifentätigkeit noch verstärken. Eine Sperrung von Parkplätzen an beliebten Ausfluszielen wie dem Tierpark Olderdissen sei nicht geplant, so Feldmann. Zu dieser Maßnahme hatten zuletzt andere Kommunen gegriffen, um den Andrang in Grenzen zu halten.

Kommentare

Leider kann ich nicht verstehen warum so lange an die Vernunft der Menschen appelliert wird. Es gibt den Bußgeldkatalog der Bundesregierung zum Thema Corona doch nicht aus Spaß. Wer es jetzt noch immer nicht verstanden hat sollte es dann vielleicht mal mit einem dicken Bußgeld lernen. Beim Gassigehen mit dem Hund sehe ich fast täglich abends die gleiche Gruppe Jugendlicher, die es einfach nicht einsehen wollen. Da bringt es auch nichts wenn das Ordnungsamt morgens durch die Siedlung fährt. Da gehen die Omis höchstens Brötchen holen. Auch auf konkrete Hinweise wird leider nicht reagiert. Diese Menschen können gern ihre eigene Gesundheit riskieren aber nicht meine und dann wäre es angebracht jene Gruppen auch finanziell zur Rechenschaft zu ziehen.

...naja, solange alles gut geht. Wir werden ja erst in einigen Tagen sehen, ob die Schönwetter-Tage zu wieder ansteigenden Infiziertenzahlen führten oder, ob der derzeitige positive Trend bestehen bleibt.

Wir jedenfalls haben sowohl am Samstag als auch am Sonntag in unserer schönen Nachbarstadt Bad Salzuflen bei unseren Spaziergängen angemessenen Abstand zu den zahlreichen Spaziergängern in der Innenstadt und im Landschaftsgarten gehalten. Leider haben dies längst nicht, wie in anderen Berichten beschrieben, alle Menschen getan. Hustende Jogger, die immer wieder durch die (weitgehend Zweier-) Gruppen liefen, alles in allem dann doch zu enge Wege für zu viele Menschen, lange und zu dichte Schlangen vor einer Eisdiele usw. ...wir werden sehen. Hoffentlich bleiben die Entwicklungen so gut wie sie derzeit zu sein scheinen.

Uns kam jedenfalls innerhalb unseres zweistündigen Aufenthaltes in der Innenstadt und im Landschaftsgarten lediglich eine Zweierstreife eines privaten Sicherheitsdienstes entgegen. Das da nicht allzu viele Verstöße festgestellt werden (wie in den Medien berichtet) liegt auf der Hand...bei Parkverstößen im Alltag funktioniert dies in Bad Salzuflen deutlich besser ;) ...aber darum geht es auch auch letztlich nicht, sondern vielmehr um die Vernunft der Mitmenschen, die dann wiederum an der Unvernunft anderer scheitert.

M. E. sollte hier angesichts der zunehmenden Zahl von Toten (auch hier vor unserer Tür) und auch angesichts der erheblichen Grundrechtseinschränkungen für uns alle stringent repressiv vorgegangen werden. Dieses unsolidarische Verhalten einzelner zu durchbrechen bedeutet Solidarität mit uns allen (mit dem Gastronomen, dem Friseur, dem Erkrankten und dem Risikopatienten, der sich schützen will, den Angehörigen, die größte Angst um ihre alten [noch gesunden] Eltern haben usw.).

2 Kommentare

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