Mit Ausbleiben der Schulklassen fällt eine wichtige Finanzierungssäule weg
Zwei-Schicht-Betrieb auf Bielefelder Schulbauernhof

Bielefeld (WB). „Bis zu den Sommerferien können wir durchhalten, aber dann stehen wir mit dem Rücken an der Wand.“ Die Corona-Krise hat auch den Schulbauernhof Ummeln kalt erwischt.

Sonntag, 12.04.2020, 10:00 Uhr
Wenn auf dem Schulbauernhof Ummeln ein Lamm mit der Flasche aufgezogen wird, zählt das normalerweise für die Kinder zu den Höhepunkten während ihres einwöchigen Aufenthaltes. Dass wegen der Corona-Pandemie die Schüler nun ausbleiben, bedeutet für Betriebsleiterin Gabriele Ankewitz und Vorstandsmitglied Michael Göldner (hinten) große organisatorische und finanzielle Herausforderungen. Auch Jonas Kunze, der gerade sein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert, vermisst die Kinder. Foto: Kerstin Sewöster
Wenn auf dem Schulbauernhof Ummeln ein Lamm mit der Flasche aufgezogen wird, zählt das normalerweise für die Kinder zu den Höhepunkten während ihres einwöchigen Aufenthaltes. Dass wegen der Corona-Pandemie die Schüler nun ausbleiben, bedeutet für Betriebsleiterin Gabriele Ankewitz und Vorstandsmitglied Michael Göldner (hinten) große organisatorische und finanzielle Herausforderungen. Auch Jonas Kunze, der gerade sein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert, vermisst die Kinder. Foto: Kerstin Sewöster

Bis zu 1200 Schüler pro Jahr kommen normalerweise auf den Hof und lernen das Landleben und seine Tiere kennen, helfen tatkräftig mit im Stall, auf der Weide und beim Ernten. Über diese Einnahmen aus den Schulangeboten werden zwei Drittel der Betriebskosten des Schulbauernhofes an der Ummelner Straße, der mit seinem Konzept einmalig in Deutschland ist, gedeckt. Seit Mitte März hat kein Kind mehr das Gelände betreten. „Es ist ruhig hier, zu ruhig“, sagt Betriebsleiterin Gabriele Ankewitz.

Hiobsbotschaft

Der erste Schock kam mit der Einstellung des Schulbetriebs und verbunden damit die Absage aller Ausflüge und Klassenfahrten. Die zweite Hiobsbotschaft brachte der Erlass, dass bis zu den Sommerferien die Klassenfahrten in NRW gestrichen sind. Gabriele Ankewitz und der Vorstand des gemeinnützigen Vereins Schulbauernhof begannen zu rechnen und planen. Die Soforthilfe des Landes in Höhe von 15.000 Euro, konnte über die ersten Hürden helfen. Doch es galt und gilt weiter Kosten zu senken. Für vier Mitarbeiter wurde Kurzarbeit beantragt, mit den 450-Euro-Kräften vereinbart, die Beschäftigung vorerst ruhen zu lassen. Die etwa 20 ehrenamtlichen Helfer müssen zuhause bleiben, auch weil ein Großteil altersbedingt zur Risikogruppe zählt.

Entsprechend muss die Arbeit reduziert und Notwendiges auf weniger Schultern verteilt werden. Zum Beispiel bei der Tierhaltung. Der Schulbauernhof arbeitet seit 25 Jahren als Arche-Hof der „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“. Um Hühnerrassen wie Lakenfelder, Krüper oder Vorwerkhühner zu züchten, müssten jetzt kleine Zuchtgruppen gebildet werden. Doch diese Mehrarbeit sei zur Zeit nicht zu schaffen, deshalb wird mit dem Zuchtprogramm in diesem Jahr ausgesetzt. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Tiere fehlen natürlich am Ende, erzählt Gabriele Ankewitz.

Infektionsrisiko

Auch beim Gemüseanbau wird umstrukturiert. Arbeitsaufwändiges Gemüse wie Erbsen wird gar nicht eingesät, zumal ja auch die Kinder fehlen, für die die Produkte aus dem hofeigenen Anbau zubereitet würden. Herbstgemüse und Frühkartoffeln stehen jetzt im Fokus, denn „wir brauchen was für die Herbstgruppen“. Ankewitz hofft darauf, dass die Sommerferiengruppen wie angekündigt auf den Schulbauernhof kommen und dass der normale Betrieb nach den Sommerferien aufgenommen werden kann.

Eine der Hauptaufgaben der Betriebsleiterin besteht zur Zeit darin, mit Lehrern zu sprechen. „Die Verunsicherung ist groß“, weiß Ankewitz. Das Land zahlt zwar die Stornogebühren für ausgefallene Klassenfahrten, aber die Lehrer müssen diese beantragen und den Betrag an den Schulbauernhof weiterleiten. So kann zumindest ein Großteil der ausgefallenen Einnahmen kompensiert werden.

Geändert haben sich auch die Arbeitsabläufe. Um ein Infektionsrisiko zu vermindern, wird in zwei Schichten geschafft, damit im Notfall der Betrieb aufrecht gehalten werden kann. Auch die vier FÖJler (Freiwilliges Ökologisches Jahr) und die beiden Bufdis (Bundesfreiwilligendienst) arbeiten in Schichten. Was sie sonst mit Unterstützung vieler Kinderhände erledigen, bleibt jetzt allein bei ihnen. „So eine Wiese, die nach Stöcken abgesucht werden muss, damit der Schlepper darauf fahren darf, kann dann schon mal ganz schön groß werden“, meint die Betriebsleiterin, die neben der baldigen Wiederaufnahme des Schulbetriebs auch auf Freunde und Förderer hofft, die schon seit der ersten Stunde mit Spenden den Schulbauernhof unterstützt haben.

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