Bielefelder Kunsthalle sucht stellvertretende Leitung
Stellenausschreibung umstritten – ja oder nein?

Bielefeld (WB). Die Kunsthalle Bielefeld hat die Stelle der stellvertretenden Direktorin, des stellvertretenden Direktors neu ausgeschrieben. Gesucht wird zum August/September eine Kuratorin, ein Kurator mit dem Schwerpunkt in Klassischer Moderne. Wie Kunsthallensprecherin Anne Kaestner auf Nachfrage bestätigt, handelt es sich um die Wiederbesetzung der Stelle von Dr. Jutta Hülsewig-Johnen, die nach langjähriger Tätigkeit für die Kunsthalle Bielefeld im Sommer in den Ruhestand tritt.

Samstag, 11.04.2020, 05:32 Uhr aktualisiert: 11.04.2020, 14:26 Uhr
Die Kunsthalle Bielefeld hat die Stelle einer Kuratorin oder eines Kurators neu ausgeschrieben. Foto: Thomas F. Starke
Die Kunsthalle Bielefeld hat die Stelle einer Kuratorin oder eines Kurators neu ausgeschrieben. Foto: Thomas F. Starke

In der Stellenausschreibung heißt es: „Die Kandidatin, der Kandidat vertritt und gestaltet gemeinsam mit der Direktorin den gesamten Bereich der musealen Darstellung der Kunst der Klassischen Moderne. Sie/Er hat großes Interesse an der Entwicklung innovativer Ansätze, die historische Werke und Zusammenhänge vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Fragestellungen neu darzustellen vermögen. Da die Kunsthalle Bielefeld voraussichtlich 2022 eine grundlegende Sanierung erwartet, bietet die Stelle darüber hinaus die Möglichkeit, bei der Neupositionierung des Hauses hinsichtlich Programmatik, Struktur und Bau entscheidend mitzuwirken.“

Die Stelle ist zunächst auf drei Jahre befristet und wird nach TVöD-14 besoldet.

„Mehr als fragwürdig“

Volker Strothmann aus Bielefeld hält die Wiederbesetzung der Stelle für „mehr als fragwürdig.“ Wie er dem WESTFALEN-BLATT in einem Schreiben mitteilt, sollten in der aktuellen Corona-Krise freiwillige Leistungen zurückgestellt werden, um Handlungsspielraum zu schaffen. Strothmann: „Die Kunsthalle verfügt neben der neuen Leiterin über mehrere qualifizierte Fachkräfte. Wie kann man auf die Idee kommen, noch mehr Personal einzustellen für einen Betrieb, der ab 2022 für mindestens drei Jahre schließen wird?“ Die in der Ausschreibung angesprochene Konzeptentwicklung sei eine Aufgabe der Leiterin. Wenn bis zur Schließung im Bereich der Klassischen Moderne ein Bedarf entstünde, könnte dieser durch eine freie Kraft auf Honorarbasis abgedeckt werden. Strothmann fordert, die Ausschreibung der Stelle wegen der aktuellen Finanzkrise aufzuheben und geht sogar so weit, dies auf vergleichbare Fälle zu übertragen.

„In der aktuellen Corona-Krise ist überhaupt nicht abzuschätzen, welchen finanziellen Belastungen auf die Stadt Bielefeld zukommen werden“, teilt er mit und gibt zu bedenken: „In der freien Wirtschaft wäre solch ein Vorgehen undenkbar.“ Ferner fragt er: „Brauchen wir die volle Besetzung für ein Museum, das nicht geöffnet hat?“

„Ja“, hält Georg Fortmeier, Aufsichtsratsvorsitzender der Kunsthalle, dagegen. „Wir brauchen eine stellvertretende Direktorin, die auch Ausstellungen kuratiert. Wenn die Kunsthalle wegen des Umbaus schließt, heißt das nicht, dass sie von der Bildfläche verschwindet“, sagt Fortmeier.

Und Anne Kaestner bestätigt, dass der Ausstellungsbetrieb auch während des Umbaus weiter gehe. „Es gibt die Idee, dann mit unseren Ausstellungen in die Stadt zu gehen. An einem Konzept wird gerade gearbeitet.“

 

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Uta Jostwerner .

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7364979?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Ein Ende und ein Anfang
Rheda-Wiedenbrück: Eine Luftaufnahme der Tönnies Holding. Foto: Guido Kirchner/dpa
Nachrichten-Ticker