Aufkommen ist in Bielefeld gestiegen – leere Eisbecher lassen Abfalleimer überquellen
Mehr Müll durchs Homeoffice

Bielefeld (WB). Die Abfalleimer im Einzugsbereich der Bielefelder Eisdielen seien an den Osterfeiertagen schier übergequollen von leeren Papp- und Kunststoffbechern, sagt Andreas Geisler, Geschäftsbereichsleiter Stadtreinigung im Umweltbetrieb. Weil eben nur der Außer-Haus-Verkauf während der Corona-Pandemie erlaubt ist. Überhaupt: In den vergangenen vier Wochen, in denen die Menschen nach Möglichkeit zu Hause bleiben sollten, sei das Müllaufkommen aus privaten Haushalten deutlich gestiegen.

Mittwoch, 15.04.2020, 07:05 Uhr aktualisiert: 15.04.2020, 14:18 Uhr
Das Müllaufkommen der privaten Haushalte ist in den Zeiten der Kontaktbeschränkungen gestiegen. Foto: Bernhard Pierel
Das Müllaufkommen der privaten Haushalte ist in den Zeiten der Kontaktbeschränkungen gestiegen. Foto: Bernhard Pierel

Homeoffice, Kantinen und Restaurants geschlossen, Kitas und Schulen zu – es werde mehr gekocht, vermutet Geisler. Gleichzeitig aber steige auch das Abfallaufkommen, das in den Wertstofftonnen lande: nicht an Gewicht, aber an Volumen. Geisler: „Es gibt mehr Verpackungen, auch zum Beispiel Pizzakartons oder Ähnliches, weil die Einwohner offenbar gastronomischen Lieferservice vermehrt in Anspruch nehmen oder die Speisen selbst abholen.“

Beim Restmüll ständen jetzt häufig die Behälterdeckel offen, weil die Mengen nicht mehr in die Tonne passten. Es bestehe die Gefahr, dass Abfall beim Abkippen heraus falle. Das sei nicht nur unhygienisch, sondern es bestehe eben auch das Risiko, dass die Entsorger womöglich mit dem Virus in Berührung kämen. Inzwischen verfüge der Umweltbetrieb immerhin über eine ausreichende Anzahl von Gesichtsmasken für die Mitarbeiter auf den Müllfahrzeugen.

Täglich nur noch ein Einsatz in der Fußgängerzone

Die absolvierten ihre Touren zwar schneller als üblich – wegen der leeren Straßen – dennoch bestehe die Besatzung überwiegend noch aus drei Mitarbeitern pro Fahrzeug. Das bedeute, so Geisler: „Auf dem Weg zum Einsatzort und zur Müllverbrennungsanlage sitzen sie zu dritt im Fahrzeug.“ Um Ansteckungen im Griff behalten zu können, seien jetzt immer feste Teams unterwegs, Schichtende und -anfang habe man zeitlich entzerrt.

Nur noch einen statt täglich zwei Reinigungseinsätze gebe es aktuell in der Fußgängerzone, weil die Abfallbehältnisse dort, anders als zu ‘normalen’ Zeiten, nicht mehr besonders voll seien.

Dass Schulen und Kitas geschlossen seien, falle buchstäblich nicht ins (Müll-)Gewicht, sagt Geisler.

Beim Bioabfall gebe es jedoch eine deutliche Steigerung: „Um gut zehn Prozent, private Entsorger sprechen sogar von bis zu 15 Prozent.“ Ob das nun tatsächlich daran liege, dass jetzt die erzwungene Zeit daheim besonders intensiv genutzt werde, den Garten auf Vordermann zu bringen oder noch Laub und Äste aus dem Winter zusammen mit dem ersten Rasenschnitt entsorgt würden, könne er nicht sagen. Der Umweltbetrieb habe aber reagiert. Geisler: „Wir haben die Leerung der Saisonbio-Tonnen, eigentlich erst ab dieser Woche im Plan, vorgezogen. Die Tonnen mit den roten Deckeln konnten bereits seit Ende März zur Abholung bereit gestellt werden.“

„Wilde“ Müllablagerungen nehmen zu

Und ja, es gebe auch vermehrt „wilde“ Müllablagerungen. Besonders betroffen: Standorte von Glas- und Altkleider-Sammelcontainern. Geisler: „Da finden sich immer wieder Säcke mit Restmüll oder Bauschutt oder Ausgemustertem von der Entrümpelung von Keller und Dachboden.“

Um diesen „wilden“ Müll kümmere sich die Arbeitsgemeinschaft „Saubere Stadt“ – zur Zeit allerdings mit Einschränkungen: Statt zu Viert seien jetzt nur noch zwei Entsorger in dem einen Fahrzeug unterwegs, so Geisler.

Für die Müllwagen-Besatzungen gebe es zumindest eine Verbesserung. Geisler: „Das ungeduldige Anhupen von Autofahrern, wenn die Müllwagen in schmalen Wohnstraßen unterwegs sind, das hat aufgehört.“

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