Anklage erhoben: Ehefrau in Preußisch Oldendorf mit Schuss in den Rücken getötet
Mordmotiv „Ansehensverlust”?

Preußisch Oldendorf/Bielefeld (WB). Mit einem Schuss in den Rücken hatte ein Mann im Januar seine Ehefrau in Preußisch Oldendorf (Kreis Minden-Lübbecke) auf offener Straße getötet. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Bielefeld Anklage gegen den 59-Jährigen erhoben – wegen Mordes „aus niederen Beweggründen”.

Mittwoch, 15.04.2020, 02:27 Uhr aktualisiert: 15.04.2020, 05:03 Uhr
5. Januar 2020: Die Feuerwehr hat in Preußisch Oldendorf ein Zelt über der erschossenen Frau aufgestellt. Foto: Althoff
5. Januar 2020: Die Feuerwehr hat in Preußisch Oldendorf ein Zelt über der erschossenen Frau aufgestellt. Foto: Althoff

Es waren dramatische Szenen, die Zeugen am 5. Januar nachmittags am Busbahnhof der Kleinstadt beobachteten. Sie sahen eine Frau, die über die Straße torkelte, stürzte, sich wieder aufraffte. Und sie sahen einen Mann mit einer Pistole der ihr folgte. Dann brach die Frau vor einer Eisdiele zusammen und blieb reglos liegen.

Die Ermittlungen der Mordkommission ergaben, dass sich Altenpflegerin Evelina S. (54) einige Zeit vor der Tat von ihrem Mann Albert getrennt hatte. Die beiden sollen vor etwa 30 Jahren aus Kasachstan nach Deutschland gekommen sein und lebten seit langem mit ihrem Sohn und ihren zwei Töchtern in einem Einfamilienhaus in Preußisch Oldendorf. Was die Frau letztlich zum Auszug bewogen hatte, scheint nicht ganz klar. Es soll zwar Differenzen, aber keinen handfesten Streit in der Familie gegeben haben.

„Trennung nicht verkraftet“

Guiskard Eisenberg, Sprecher des Landgerichts Bielefeld: „Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann die Trennung nicht verkraftet hat und den drohenden Ansehensverlust nicht hinnehmen wollte.”

Am 5. Januar, einem Sonntag, soll er seiner Frau am Busbahnhof aufgelauert haben. Ob es dort noch zu einem Streit kam oder die Kugel die Frau unvorbereitet in den Rücken traf, ist unbekannt: Die Frau konnte nichts mehr sagen, der Mann schweigt, und unbeteiligte Zeugen der Tat sind nicht bekannt.

Kurz darauf überwältigten mehrere Männer den Schützen und entwaffneten ihn. Gegenüber der Mordkommission gaben sie an, Albert S. habe mit der Pistole auf den Kopf seiner am Boden liegenden Frau gezielt. Sie hätten den Eindruck gehabt, er habe abgedrückt, aber die Pistole habe eine Ladehemmung gehabt.

Nicht zu dem Verbrechen geäußert

Albert S., der zuletzt als Maschinenführer in einer Matrazenfabrik gearbeitet haben soll, hat sich bis heute nicht zu dem Verbrechen geäußert. Unbekannt ist deshalb auch noch, wie er an die Tatwaffe gelangte. Die Polizei konnte die Pistole zu ihrem letzten legalen Besitzer zurückverfolgen, einem Mann aus dem Kreis Minden-Lübbecke, der aber schon vor längerer Zeit verstorben ist. Ob sich die beiden Männer kannten, ist unklar.

Verteidiger Peter Rostek bestätigte, dass es Gerüchte gebe, nach denen der Mann vor der Übersiedlung nach Deutschland in Kasachstan im Gefängnis gesessen habe. „Aber erstens sind mir dazu keine amtlichen Unterlagen bekannt, und zweitens würde so etwas, wenn es denn stimmte, nach so langer Zeit keine Rolle mehr spielen.”

Der Prozess beginnt voraussichtlich im Sommer.

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