Sonderveröffentlichung für den Kreis Gütersloh und Bielefeld
Wir sind weiterhin für Sie da!

Kreis Gütersloh/Bielefeld. Ob Einzelhändler, Gastronomen oder Werkstattbesitzer: Sie alle müssen derzeit wegen des Coronavirus mit mehr oder weniger starken Einschränkungen arbeiten. Viele Unternehmen in Bielefeld und im Kreis Gütersloh haben aus der Not eine Tugend gemacht und setzen auf neue Wege, um die Wünsche der Kunden zu erfüllen. Zwei Beispiele:

Freitag, 17.04.2020, 05:24 Uhr aktualisiert: 17.04.2020, 08:20 Uhr
Eine Idee zur Rettung der heimischen Gastronomie schlägt Wellen: Brauerei-Betreiber Mike Cacic (rechts) und Limonaden-Entwickler Philipp Marsell öffnen ihre Solidaritätsplattform www.from-owl-with-love.de jetzt auch allen anderen Branchen. Foto: Markus Poch
Eine Idee zur Rettung der heimischen Gastronomie schlägt Wellen: Brauerei-Betreiber Mike Cacic (rechts) und Limonaden-Entwickler Philipp Marsell öffnen ihre Solidaritätsplattform www.from-owl-with-love.de jetzt auch allen anderen Branchen. Foto: Markus Poch

Gutschein-Plattform öffnet sich allen Branchen: Regionales Netzwerk steigt ein

Von Markus Poch

Kneipen und Restaurants stehen vielerorts vor dem Corona-Kollaps: Mehrere Wochen schon müssen die meisten Gastwirte bei laufenden Kosten ohne Einnahmen überbrücken. Niemand kann ihnen sagen, wann der Albtraum endlich aufhört. Lichtblicke gibt es kaum, aber manche eben schon.

Eine Idee zweier Jungunternehmer aus dem Getränkesektor zieht in dieser schwierigen Situation immer weitere Kreise: Mike Cacic (31, Ravensberger Brauerei/„Flutlicht“) und Philipp Marsell (33, ­„Limoment“) wollten die heimische Gastronomie unterstützen und gingen am 20. März mit ihrer uneigennützigen Internetseite www.from-owl-with-love.de online. In weniger als drei Wochen konnten sie darüber bereits 3000 Genussgutscheine im Gesamtwert von mehr als 63.000 Euro vermitteln.

Und die beiden Bielefelder setzen darauf, dass die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ungebrochen anhält. Denn sie haben Großes vor: Nach dem Hotel- und Gaststättenverband OWL sind inzwischen auch Bielefeld Marketing, Lippe Tourismus & Marketing, die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld, der Kreis Lippe, die Touristikzentrale Paderborner Land und die OWL GmbH auf die erfolgreiche Website aufmerksam geworden. Letztere sechs Firmen haben sich in einem regionalen Netzwerk zusammengeschlossen und greifen den Getränkeherstellern finanziell unter die Arme, damit sie ihre Plattform nicht nur der Gastronomie, sondern allen notleidenden Branchen öffnen – vom Friseur bis zum Möbelhändler. Und genau das ist in diesen Tagen passiert.

165 Gastwirte hatten sich zunächst auf der Website registrieren lassen, um von der Aktion zu profitieren. Viele von ihnen freuen sich bereits über eine schöne Summe, die unverhofft auf ihrem Konto landete. „Die Bereitschaft zu solidarischer Soforthilfe in Ostwestfalen ist unglaublich. Damit haben wir im Leben nicht gerechnet“, sagte Philipp Marsell dem WESTFALEN-BLATT. „An manchen Tagen gehen hier hunderte von Bestellungen ein – und das nicht nur für hippe Läden in der Innenstadt, sondern auch für ländliche Lokale, die wir gar nicht im Blick hatten.“

Er und sein Unternehmerkollege Mike Cacic, als Zulieferer beide massiv von der Gastronomie-Flaute betroffen, hatten das Projekt in ihrer coronabedingten Freizeit aus der Taufe gehoben. Sie treten ausschließlich als Geldvermittler auf, verdienen daran selbst keinen Cent. Über die von ihren eigenen Leuten programmierte Plattform www.from-owl-with-love.de werden Genussgutscheine im Wert zwischen 5 und 100 Euro angeboten, mit denen die Käufer einem oder mehreren Gastwirten dabei helfen können, die übelste Corona-Zeit glimpflich zu überstehen.

Haben sich die Betriebe mit Hilfe des vorgestreckten Geldes wieder erholt, können sie den Käufern die Gutscheine einlösen. Bleiben Betriebe wegen Corona auf der Strecke, bitten Marsell und Cacic vorsorglich um Verständnis, „dass wir als Vermittler keine Garantie dafür übernehmen können, dass euer Lieblingslokal die Krise übersteht“.

Zu den Betrieben, die es unbedingt ins Ziel schaffen wollen, gehört das südafrikanische Restaurant Howzit an der August-Bebel-Straße 167. Filmemacher Max Meis (33) und Geschäftspartnerin Nehla Defli (23) hatten erst im Februar eröffnet, um nach wenigen Tagen in der Phase der größten Euphorie wieder schließen zu müssen. Sämtliche Ersparnisse waren in das Projekt geflossen. „Das Geld von der Plattform ist uns deshalb gerade eine große Hilfe“, sagt Meis. „Wir konnten damit die Miete bezahlen, die Stromrechnung und die erste Rate unseres neuen Kassensystems.“ Damit sei zumindest der April finanziell abgesichert. „Wie es danach weitergeht, sagt uns niemand.“

Auf Wunsch bis vor die Haustür: Lieferdienste bringen Gerichte und Nahrungsmittel

Von Siegfried Scheffler

Fleischereien, Restaurants, Hofläden und Feinkostmärkte haben auf die Corona-Krise reagiert und Lieferdienste eingerichtet. Der soziale Gedanke spielt dabei mit, denn als Beweggründe für den Service werden oft genannt: die Verbundenheit mit den Kunden erhalten, die wirtschaftlich schwierige Zeit ein wenig lindern und Älteren, Kranken sowie Unsicheren eine warme Mahlzeit ermöglichen. „Es ist wichtig, dass man in diesen Zeiten zusammenhält“, sagt Linda-Marie Sieweke. Sie ist auf dem Meierhof Rassfeld in Gütersloh für die Aktivitäten auf der nun geschlossenen Deele verantwortlich und regelt den Lieferservice. Unter dem Motto „Wir bringen es“ würden alle Landspezialitäten des Hofladens, in dem derzeit nur das Nötigste eingekauft werden könne, auf Bestellung geliefert.

„Wir bringen es“: Linda-Marie Sieweke regelt den Lieferdienst auf dem Meierhof Rassfeld. Auch andere Güters­loher Lebensmittelhändler und Gastronomen haben Lieferdienste eingerichtet.

„Wir bringen es“: Linda-Marie Sieweke regelt den Lieferdienst auf dem Meierhof Rassfeld. Auch andere Güters­loher Lebensmittelhändler und Gastronomen haben Lieferdienste eingerichtet.

Seit gut drei Wochen ist der Mittagstisch der Stadtmetzgerei Müller an der Berliner Straße in Gütersloh wegen Corona leer. Mit der Einrichtung eines Lieferdienstes habe er „fast Neuland betreten“, sagt Fleischermeister Georg Müller. „Aber man muss ja beweglich bleiben, zumal wir viel ältere Stammkundschaft haben.“ Drei Hauptgerichte und ein vegetarisches Essen stehen werktags zur Auswahl. Die Speisen werden nach Bestellung per Telefon oder im Internet (6 bis 9.30 Uhr) zum Aufwärmen bis vor die Wohnungstür gebracht. Das gilt von 11 bis 14 Uhr sowie von 16.30 bis 19 Uhr. Auch Wurst und Fleisch könne geordert werden.

Metzgermeister Axel Sträter aus Rheda-Wiedenbrück betreibt eine ­Filiale am Südring in Gütersloh. „Wir müssen die Verbraucher bedienen und den Druck aus unseren Geschäften nehmen“, sagt er zur Gründung seines Lieferdienstes. Denn er habe festgelegt, dass sich nur drei Kunden gleichzeitig im Geschäftsraum aufhalten dürften, damit der nötige Abstand gewahrt bliebe. „Wir beliefern auch schon Menschen, die unter Quaran­täne stehen“, sagt Sträter. Deshalb werde das Essen kontaktlos vor die Tür gestellt. Auf Handzetteln und bei Facebook hat Feinkost Sträter das Speisenangebot aufgelistet.

Eine deftige Erbsensuppe oder doch lieber eine Filetpfanne mit Bratkartoffeln? Auch das letztere Gericht kann bestellt werden, wenn man sich im heimischen Esszimmer an den vorigen Restaurantbesuch erinnern möchte. Das Hotel Appelbaum macht es mit seinem Lieferservice möglich. Von 11.30 bis 14 Uhr und von 17 bis 21 Uhr können Speisen von der Spezialkarte abgeholt werden, oder man lässt sie sich bringen. Bestellt wird telefonisch oder per E-Mail. „Es sind klassisch westfälische, deutsche Gerichte wie Krüstchen oder Rouladen“, sagt Inhaber Andreas Kerkhoff.

Gekocht und bis an die Haustür geliefert wird auch bei Feinkost Schenke. Ausgesucht werden kann unter acht zu erwärmenden Mittagsgerichten vom Wirsing-Eintopf bis zu thailändischem Putencurry. Wer von 9 bis 11 Uhr telefonisch bestellt, erhält sein Essen am folgenden Tag zwischen 10 und 14 Uhr, wie auf der Internetseite zu lesen ist. Schenke weist darauf hin, dass dieser Service allein für den Mittagstisch gelte und nicht für Waren aus den Märkten.

Mehr lesen Sie am Freitag, 17. April, in Ihrer Zeitung in Bielefeld und im Kreis Gütersloh auf den Sonderseiten zum Thema „Wir sind weiterhin für Sie da!“.

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