Kolonie in Bielefeld hat Brutgeschäft früh aufgenommen
42 Graureiher-Paare nisten am Tierpark

Bielefeld (WB/sas). Auch wenn die Reiherkolonie an dem Teich unterhalb des Tierparks Olderdissen sozusagen unabhängig ist und mit dem Tierpark nichts zu tun hat, hat Markus Hinker ein wachsames Auge darauf. 42 der 56 Horste in den Baumkronen über dem Teich sind belegt, hat der Tierpflegermeister gezählt. Allein in einer mächtigen Buche sind 18 Nester.

Sonntag, 19.04.2020, 14:13 Uhr aktualisiert: 19.04.2020, 15:00 Uhr
Die einen Reiherpaare sind noch mit dem Nistplatzbau beschäftigt, andere müssen schon die hungrige Brut versorgen. Foto: Thomas F. Starke
Die einen Reiherpaare sind noch mit dem Nistplatzbau beschäftigt, andere müssen schon die hungrige Brut versorgen. Foto: Thomas F. Starke

Seit etwa 1993 gibt es die Graureiherkolonie, erzählt Hinker. Damals wurden im Tierpark in einer großen Voliere noch Graureiher gehalten. Sie haben offenbar wilde Artgenossen angelockt, so dass die sich in einer großen Eiche neben der Voliere niederließen und quasi den Grundstock für die Kolonie legten.

Denn anders als Störche brüten Reiher gerne in Kolonien. „Sie finden es gut, so dicht zusammen zu sein. Aber dadurch wird die Aufzucht der Jungen zu einem schwierigen Geschäft“, sagt Hinker. Denn die Altvögel müssen dann unter Umständen einige Kilometer fliegen, um Fische, Regenwürmer, Maulwürfe und mehr aus Teichen, Tümpeln und Feuchtwiesen zu holen. Und natürlich aus so manchem Gartenteich.

Manche Nester dienen nur als Ruheplatz

Der Tierpark jedenfalls versorgt die Kolonie nicht – jedenfalls nicht in nennenswertem Maße und tatsächlich eher unfreiwillig. „Der eine oder andere Reiher kommt, wenn bei uns die Otter und Kormorane gefüttert werden, und ergattert schon mal einen Fisch“, sagt Hinker.

In diesem Jahr haben die großen Vögel wohl wegen des vergleichsweise milden Winters früh mit dem Brutgeschäft begonnen. Der Flugverkehr rund um die Horste ist jedenfalls vergleichsweise dicht. „Einmal im Jahr, jeweils im April, zähle ich die brütenden Paare“, sagt Hinker. Mit dem Fernglas, von verschiedenen Blickwinkeln aus, liegt er dann auf der Lauer.

Zuweilen, erklärt er, sei ein Nest zwar belegt, diene aber nur als Ruheplatz. Ob tatsächlich Jungtiere im Horst sind, erkennt er, wenn die Altvögel von der Futtersuche zurückkommen und sich ihnen Hälse entgegen recken oder auch an Eierschalen oder am weißgesprenkelten Kot unter den großen Nestern.

Hinker übermittelt die Daten an den Naturschutzbund

Die Zahl der belegten Nester und der Bruten übermittelt Hinker dann seit Jahren an den Naturschutzbund. Daher weiß er, dass in diesem Jahr in der Kolonie mehr los ist als im vergangenen. Denn da widmeten sich nur 32 Paare der Aufzucht von Nachwuchs. Maximal fünf Eier brütet ein Reiherpaar aus, dann geht es im Herbst wieder in südlichere Gefilde.

Allerdings zieht es die Reiher – anders als die Störche – nicht bis Afrika, sondern nur so weit, dass sie offenes Wasser und nicht zugefrorene Wiesen vorfinden. Das können etwa auch die Rheinauen sein. Im kommenden Jahr werden sie dann wieder am Teich an der Dornberger Straße Quartier beziehen.

Dass die Kolonie dank der Jungvögel, die dort schlüpfen und womöglich zurückkehren, größer wird, erwartet Hinker nicht. „Dominante Tiere verteidigen ihre Brutplätze. Und viel mehr wird nicht gehen, weil das Nahrungsangebot dann nicht reicht.“

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