„Herausfordernde Situation“ – mehrsprachige Info-Blätter – Bauzaun errichtet
48 Coronafälle im Oldentruper Hof

Bielefeld (WB/sas). In der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Oldentruper Hof gibt es mittlerweile 48 bestätigte Coronafälle. Die Betroffenen sind von den anderen Flüchtlingen separiert worden. Um die Einhaltung der angeordneten Quarantäne sicherzustellen, hat das Land einen Bauzaun um das Areal errichtet und den Sicherheitsdienst verstärkt.

Samstag, 18.04.2020, 08:08 Uhr aktualisiert: 18.04.2020, 08:10 Uhr
48 bestätigte Coronafälle gibt es inzwischen in der Flüchtlingsunterkunft im Oldentruper Hof. Foto: Thomas F. Starke
48 bestätigte Coronafälle gibt es inzwischen in der Flüchtlingsunterkunft im Oldentruper Hof. Foto: Thomas F. Starke

„Die Situation ist herausfordernd – vor allem für die Flüchtlinge“, sagt Jörg List, Dezernatsleiter bei der Bezirksregierung in Detmold und für die Flüchtlingsunterbringung zuständig. Weil man damit gerechnet hatte, dass irgendwann auch in den Flüchtlingsunterkünften Infektionen mit Covid-19 auftreten könnten, sind in allen Einrichtungen die Belegungszahlen reduziert worden.

Im Oldentruper Hof sind aktuell 336 statt der möglichen 500 Menschen untergebracht, das schuf Raumreserven. „Wir haben besondere Bereiche für positiv getestete Flüchtlinge, Verdachtsfälle und ‘Vulnerable’ mit Vorerkrankungen eingerichtet.“ Letztere sollen zu ihrem Schutz möglichst bald aus der Einrichtung herausgeholt und verlegt werden.

Seit drei Wochen keine Fluktuation mehr

Ansonsten, erklärte List, gibt es bewusst seit drei Wochen keine Fluktuation mehr, obgleich der Oldentruper Hof eigentlich nur eine Erstaufnahmeeinrichtung ist. Damit soll eine womöglich unbemerkte Ausbreitung des Coronavirus verhindert werden. Und: Das Land hatte Tests gekauft, um Abstriche vornehmen zu können.

Nach den ersten vier Coronafällen im Oldentruper Hof am vergangenen Wochenende hatte man die Betroffenen bereits isoliert und auch ihre Kontakte ausgemacht. „Sie waren alle negativ.“ Am Dienstag wurden dann ein Kind und seine Mutter als „Corona-positiv“ ermittelt. Danach war klar, dass es eine weitere Infektionsquelle geben müsste. Daraufhin wurden alle Bewohner und Mitarbeiter getestet mit dem Ergebnis – Stand Freitagmittag – der 48 Coronafälle (davon ein Mitarbeiter). Zehn Ergebnisse (von Mitarbeitern) standen Freitagnachmittag noch aus.

Internet-Angebot ist ausgedehnt worden

Die Betroffenen sind in Einzelzimmern untergebracht, die Essensausgabe der Unterkunft wurde insgesamt umgestellt auf „Roomservice“, um Treffen in der Kantine zu vermeiden. Klinische Symptome, betont Dezernatsleiter List, zeigt keiner der positiv Getesteten, gleichwohl ist die ärztliche Betreuung sicher gestellt.

Damit es nicht zum „Lagerkoller“ komme, sei das Internet-Angebot auf alle Zimmer ausgedehnt worden, zumal es keinerlei Betreuungsprogramm mehr gibt. Auch auf den Hof, an die frische Luft, dürfen die Menschen nur in kleinen, in sich geschlossenen Gruppen. Wer sein Zimmer verlassen will, muss zudem einen Mund-Nasenschutz – vorsorglich reichlich bevorratet – tragen.

Um eine Akzeptanz der Quarantäne zu erreichen, hatte das Land vorsorglich mehrsprachige Informationsblätter formuliert. Im Oldentruper Hof sind Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, aber auch aus Schwarzafrika, dem Kosovo, Russland und Asien untergebracht.

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