Sozialdezernent Nürnberger vorsichtig optimistisch – aktuell 151 Coronafälle
„Die Stadt Bielefeld ist auf einem guten Pfad“

Bielefeld (WB). „Die Maßnahmen greifen, die Menschen halten sich an die Regeln“, stellt Sozialdezernent Ingo Nürnberger als Leiter des Corona-Krisenstabs Freitagnachmittag erfreut fest. 343 Covid-19-Fälle gibt es – Stand Freitag – bislang in Bielefeld, die Stadt sei „auf einem guten Pfad“.

Samstag, 18.04.2020, 03:36 Uhr aktualisiert: 18.04.2020, 05:01 Uhr
Pressekonferenz des Krisenstabes mit (von links ) Dr. Peter Schmidt, Ingo Nürnberger und Georgia Schönemann. Insgesamt, so Nürnberger, sei die Entwicklung gut. Die Krankenhäuser könnten wieder etwas mehr planbar operieren. Foto: Thomas F. Starke
Pressekonferenz des Krisenstabes mit (von links ) Dr. Peter Schmidt, Ingo Nürnberger und Georgia Schönemann. Insgesamt, so Nürnberger, sei die Entwicklung gut. Die Krankenhäuser könnten wieder etwas mehr planbar operieren. Foto: Thomas F. Starke

Aktuell sind 151 Menschen bestätigt infektiös – darunter allein 48 in der Flüchtlingserstaufnahmestelle im Oldentruper Hof. 190 sind genesen. Allerdings hat die Pandemie ein zweites Todesopfer gefordert. Nach dem Tod eines 71-Jährigen mit Vorerkrankungen ist nun ein 57-Jähriger Bielefelder gestorben. Er hatte keinerlei Vorerkrankungen und konnte auch durch eine Verlegung nach Bad Oeynhausen an eine Lungenmaschine nicht gerettet werden.

754 Bielefelder sind noch in Quarantäne, 41 konnten am Freitag daraus entlassen werden. 17 Menschen mussten – Stand Freitagmittag – stationär im Krankenhaus behandelt werden, erklärte Gesundheitsamtsleiter Dr. Peter Schmid, davon neun auf einer Intensivstation. Sieben von ihnen müssen beatmet werden.

Erleichtert zeigte sich Nürnberger, dass bislang keine Bewohner von Alten- und Pflegeheimen erkrankt seien. „Das kann schnell kritisch werden. Zwar gab es in zwei Einrichtungen infizierte Beschäftigte (wir berichteten), der Träger habe aber schnell, offen und professionell gehandelt. Ausdrücklich begrüßt Nürnberger, dass es keine „Altersdiskriminierung“ gebe: „Es ist klar, dass wir da gemeinsam und solidarisch durchkommen müssen.“

Langsamer Schulstart

Auch wenn er einen leichten Zwiespalt spüre, sei es gut, dass Kitas und Schulen langsam wieder anliefen, so Nürnberger. „Das ist eine Entlastung für die Eltern, aber vor allem auch ein Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit.“ Dennoch: Kinder und Jugendliche merkten oft nicht, dass sie infiziert seien. Das bedeute ein höheres Risiko der Verbreitung des Virus. Lehrer und vor allem Erzieher könnten sich vor einer Ansteckung kaum schützen.

Wie die Schulen langsam wieder anlaufen sollen, erläuterte Schulamtsleiterin Georgia Schönemann. Ab Montag werden die Lehrkräfte den Unterricht für die Abschlussjahrgänge vorbereiten, ab Donnerstag, 23. April, werden dann die insgesamt 6000 Schüler der zwölften Jahrgänge an den Gymnasien, der 13. Jahrgänge an Gesamtschulen sowie der zehnten Jahrgänge an Real-, Sekundar- und Hauptschulen wieder zur Schule gehen können – wenn sie nicht lieber alleine Zuhause lernen. Dann sollen sie sich abmelden. Regulärer Unterricht erfolgt ohnehin nicht, es soll primär auf die Prüfungen vorbereitet werden.

Am 4. Mai öffnen die Schulen dann für die Viertklässler sowie für neunte und zwölfte Klassen. Insgesamt werden dann 15.000 der 55.000 Bielefelder Schüler zum Unterricht gehen. Mobiel reagiert auf die allmähliche Schulöffnung mit der Umstellung auf den Ferienfahrplan. „Die Schüler sollten sich aber über den konkreten Fahrplan informieren“, rät Schönemann. Mindestabstände, kündigt Mobiel bereits an, seien in Bus und Bahn nicht einzuhalten.

Die Wiederaufnahme des Schulbetriebes, betont Schönemann, bedeute keine Rückkehr zum Normalbetrieb. Unter Umständen müsste es zum Beispiel Lehrerwechsel geben, um ältere oder vorerkrankte Pädagogen zu schützen. Ebenso wird es mittags kein Essen geben. „So reibungslos, wie wir ihn kannten, wird der Betrieb der Kitas und Schulen nicht mehr sein“, sagt auch Nürnberger.

Bereits jetzt hat die Stadt in den Schulen Grundreinigungen durchgeführt. Künftig sollen täglich zur normalen Reinigung alle Handkontaktflächen an Tischen, Stühlen, Klinken und Handläufen gereinigt werden. Die Handwaschbecken in Klassenzimmern sollen wieder mit Flüssigseife bestückt werden. Davon hatte man lange abgesehen, weil die Seife zu oft zweckentfremdet wurde.

Vieles, so Schönemann, müsse jetzt in den Schulen organisiert werden: von der räumlichen Verteilung und Entzerrung bis zum Lehrereinsatz oder morgendlichen Händewaschen in Gruppen.

Ordnungsamt kontrolliert

Die vorsichtige Öffnung der Geschäfte bedeutet für die Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes weitere Kontrollen. Sie müssen Kundenfrequenz und die Einhaltung von Mindestabständen überwachen. „Wir haben uns vom Bauamt Referenzflächen von Geschäften, die jeder kennt, geben lassen“, sagt die stellvertretende Amtsleiterin Christiane Krumbholz. Faustregel ist, dass auf zehn Quadratmeter Verkaufsfläche ein Kunde kommen darf und – abgesehen von Einrichtungs- und Autohäusern, Babyfachmärkten sowie Gartencentern – Läden mit mehr als 800 Quadratmetern geschlossen bleiben sollen.

„Die Mitarbeiter werden mit Augenmaß daran gehen.“ Im Zweifel aber können sie die Geschäftsgrößen über das Bauamt nachprüfen, warnt Krumbholz. Am Montag soll zunächst erfasst werden, welche Geschäfte tatsächlich geöffnet sind. Die Parks und Nebenzentren, betont sie, werden im Übrigen nicht vernachlässigt: „Wir haben fast 100 Leute im Einsatz.“

Insgesamt, wertet Krumbholz, sei die Lage in den vergangenen Wochen relativ entspannt gewesen und hätten sich die Menschen an das Kontaktverbot gehalten. „Wir hatten etwa 70 Verstöße am Tag, darunter spielende Kinder oder Familien auf Schulhöfen. Wenn es denn so etwas wie Hotspots gebe, dann an der „Tüte“, auf dem Kesselbrink oder im Nordpark. Bemerkt hätten die Kollegen im Außendienst in den vergangenen Tagen allerdings zunehmend „kritische Einstellungen“.

Gedanken macht man sich im Rathaus auch darüber, wie das behördliche Leben zu normalisieren sei. „Womöglich wird es künftig stärker durch Digitalisierung geprägt“, meint Nürnberger. Immerhin: Mit Schutzmasken hat sich die Stadt just eingedeckt. Diese könnten an Ämter mit Publikumsverkehr, Schulen oder an den ÖPNV ausgegeben werden, sagt Carsten Kroll vom Feuerwehramt. Das ist für Einkauf, Lagerung und Verteilung zuständig.

 

 

 

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