Lehrbetrieb wurde weitgehend auf Online-Formate umgestellt
Uni Bielefeld: Start in ein ungewöhnliches Semester

Bielefeld (WB). Die Universitätshalle ist leer, Hörsäle, Seminar- und Büroräume sowie Labore weitestgehend verwaist. „So etwas habe ich in den 30 Jahren meiner Tätigkeit an der Uni Bielefeld noch nie zuvor gesehen“, berichtet Rektor Professor Dr. Gerhard Sagerer in einer Videokonferenz. Gleichwohl hat an der Universität Bielefeld am Montag das Sommersemester begonnen – wie überall in NRW zwei Wochen später als ursprünglich geplant.

Dienstag, 21.04.2020, 10:00 Uhr
An der Universität Bielefeld hat am Montag das Sommersemester mit zweiwöchiger Verzögerung begonnen Foto: Thomas F. Starke
An der Universität Bielefeld hat am Montag das Sommersemester mit zweiwöchiger Verzögerung begonnen Foto: Thomas F. Starke

Es ist, wie Sagerer betont: „Der Start in ein ungewöhnliches Semester.“ Ein Semester, in dem Studierende zwar ihre Leistungsnachweise erbringen können, das aber dennoch nicht gezählt wird. Denn die reguläre Studienzeit wurde für alle, die im Sommersemester 2020 eingeschrieben sind, um ein Semester verlängert.

Keine Begrüßungsfeier

Aufgrund der Corona-Pandemie mussten 1400 Studienanfänger erstmals auf die zentrale Begrüßungsfeier im Audimax verzichten. Sie wurde durch ein Online-Angebot ersetzt, wie auch für sämtliche 25.000 Studierende der Universität nunmehr Online das Gebot der Stunde ist. Da ein Präsenzstudium unter den aktuellen Gegebenheiten nicht möglich ist, wurde der Lehrbetrieb auf Online- und Distance-Learning-Formate umgestellt.

Selbst mündliche Prüfungen sollen in Videokonferenz-Formaten möglich sein. Ob schriftliche Prüfungen in die vorlesungsfreie Zeit oder das Wintersemester verlegt werden, kann die Uni-Leitung derzeit noch nicht mit Klarheit sagen. „Wir wissen zu wenig darüber, wie sich die Pandemie entwickeln wird und wie die Situation im Sommer ist“, bittet Sagerer um Verständnis bei Prüfungskandidaten, die derzeit ein wenig in der Luft hängen .

Alles online

Die technischen Voraussetzungen für ein Online-Studium wurden in den vergangenen Wochen weitgehend geschaffen. „Wir haben Geräte auf dem Gebrauchtmarkt gekauft und neue Lizenzen erworben“, erklärt Kanzler Dr. Stephan Becker. Dort, wo die private IT-Ausstattung nicht ausreiche, würde alles getan, um für die Betroffenen angemessene Lösungen zu finden, so Becker. Und die Beratungsstellen der Universität stünden telefonisch und per E-Mail für individuelle Fragen zur Verfügung.

Die Universitätsbibliothek (UB) bleibt als einzige in NRW zumindest einer Teilöffentlichkeit zugänglich. Wissenschaftler und Studenten der Universität dürfen die UB betreten, allerdings nur, um Literatur auszuleihen, die nicht elektronisch zur Verfügung steht. Ein Lernen in der UB ist indes nicht möglich.

Und auch die Labore können in einem begrenzten Umfang und unter verschärften Zugangsbedingungen weiter genutzt werden. „Wir müssen sicher stellen, dass einer Person 20 Quadratmeter im Raum zur Verfügung stehen, wenn sich mehrere Menschen in einem Labor aufhalten“, erläutert der Kanzler.

Für Praktika und Exkursionen gibt es allerdings kaum Alternativen. In einigen Fällen können etwa naturwissenschaftliche Praktika im Wald auch einzeln durchgeführt werden.

Finanzielle Sorgen

Während Vorlesungen im Online-Format gut machbar sind, gestaltet sich die virtuelle Seminararbeit als schwieriger. „Wir werden Seminare teilen, so dass kleinere Gruppen entstehen, um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre in den Videokonferenzen zu schaffen“, sagt Sagerer. Dazu würden weitere Hilfskräfte herangezogen. Gleichwohl, so der Uni-Rektor, könnte diese Splittung eventuell dazu führen, dass einige im Vorlesungsverzeichnis aufgelisteten Seminare nicht stattfinden könnten. „Wir hoffen, dass es keine Pflichtfächer trifft“, betont Gerhard Sagerer.

Zu den vielfältigen Herausforderungen gesellen sich bei einigen Studierenden noch finanzielle Sorgen und Nöte, etwa weil sie durch die Corona-Krise ihren Job verloren haben. Auch ihnen will die Uni helfen. „Der AStA ist berechtigt, Sozialdarlehen zu vergeben“, sagt Stephan Becker und fügt an: „Wir wollen alles dafür tun, dass dieses Semester nicht verloren ist.“

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