Kein Kundenansturm in OWL – Appell von sechs Bürgermeistern
Tendenziell eher ruhig

Paderborn/Bielefeld/Herford/Höxter/Lübbecke  (WB/ef). Erstmals seit mehreren Wochen haben am Montag in Ostwestfalen-Lippe zahlreiche vor allem kleinere Geschäfte die Türen wieder für ihre Kunden aufgemacht.

Dienstag, 21.04.2020, 03:58 Uhr aktualisiert: 21.04.2020, 05:00 Uhr
Herford: Nadine König und Frank Götting vom Ordnungsamt im Gespräch mit Depot-Mitarbeiterin Petra Wolff. Foto: Moritz Winde
Herford: Nadine König und Frank Götting vom Ordnungsamt im Gespräch mit Depot-Mitarbeiterin Petra Wolff. Foto: Moritz Winde

Bummeln ja, kaufen eher weniger – das ist der Eindruck aus der Bielefelder Innenstadt . Die Fußgängerzonen wurden erst gegen Mittag etwas voller. Die großen Geschäfte wie Karstadt, SinnLeffers, H&M oder C&A durften wegen der 800-Quadratmeter-Regel nicht öffnen. Erstaunlich war, dass selbst kleine Filialen von großen Mode- oder Sportartikelherstellern zu blieben. Im Einkaufscenter Loom waren maximal fünf Kunden gleichzeitig in sonst gut besuchten Läden zu sehen. Mehr los war in der Altstadt, wo die oft inhabergeführten Geschäften viele Stammkunden begrüßten.

Bielefeld: Im Porta-Möbelmarkt warten Geschäftsleiter Michael Hillebrenner und Beraterin Jessica Bauer auf Kunden.

Bielefeld: Im Porta-Möbelmarkt warten Geschäftsleiter Michael Hillebrenner und Beraterin Jessica Bauer auf Kunden. Foto: Thomas F. Starke

Der Paderborner Einzelhandel startete behutsam. Die Innenstadt war zwar nicht prallvoll, aber auch nicht gähnendleer. Große Frequenzbringer hielten sich an die Schließungsvorgaben. Zu den Umsätzen gab es keine Aussagen. Immerhin gab es einige zielgerichtete Möbelkäufe, berichteten Händler. Kunden könnten jetzt von kurzen Lieferzeiten profitieren, hieß es dort.

In Herford blieb es auch eher ruhig. Der von einigen befürchtete Ansturm bleibt aus. Mindestabstand, Hygiene, Zutrittssteuerung: Der Einzelhandel hat sich auf den Tag X gut vorbereitet. „Natürlich achten wir penibel auf die Vorschriften – zum Schutz unserer Kunden und unserer Mitarbeiter. Ich öffne mit gemischten Gefühlen. Einerseits freue ich mich, andererseits habe ich Angst vor einer Ansteckung. Schließlich gehöre ich mit 58 Jahren fast schon zur Risikogruppe“, sagt Depot-Angestellte Petra Wolff. Vier Ordnungsamt-Mitarbeiter patrouillieren durch die City. „Wir kommen aber nicht gleich mit der Bußgeld-Keule, sondern wollen informieren. Für alle ist die Situation ja neu“, sagt Frank Götting. Insgesamt sei aber nur wenig zu beanstanden gewesen. Klingenthal, Saturn, H&M und C&A müssen geschlossen bleiben, weil sie größer als 800 Quadratmeter sind.

Paderborn: Snipes-Geschäftsführer Karsten Gonzaga kann wieder Sportschuhe verkaufen.

Paderborn: Snipes-Geschäftsführer Karsten Gonzaga kann wieder Sportschuhe verkaufen. Foto: Oliver Schwabe

In Höxter freute sich Dirk Sommer vom gleichnamigen Zweirad-Fachgeschäft über die Öffnung und zahlreiche Kunden: „Die Leute können ja die Fitnessstudios noch nicht besuchen. Also setzen sie sich am liebsten auf E-Bikes, um sich in der Natur zu bewegen.” Die Bestellliste sei nach der mehrwöchigen Zwangspause lang.

Keine Auffälligkeiten gab es in Lübbecke . Maximal ein Kunde auf zehn Quadratmetern Ladenfläche ist momentan erlaubt, doch nach Angaben des Lübbecker Ordnungsamtes haben die meisten Geschäftsleute eine geringere Anzahl für sich festgelegt, um auf Nummer Sicher zu gehen.

Im Einkaufscenter Werre-Park in Bad Oeynhausen wurde die maximale Besucherzahl von 3000 auf 2000 reduziert. Laut Centermanager Torben Schulz ist der große Ansturm ausgeblieben. „Bis zu 300 Kunden sind in der Spitze im Werre-Park unterwegs gewesen“, sagt er.

Derweil geht die Kontroverse um die 800-Quadratmeter-Regelung zur Eindämmung des Coronavirus weiter. Die Bürgermeister von Paderborn, Herford, Detmold, Gütersloh, Höxter und Minden appellierten in einem Brief an NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP), die Regel zu überdenken. Es sei nicht nachvollziehbar, dass es Handelseinrichtungen mit einer Gesamtfläche größer als 800 Quadratmeter nicht gestattet sei, durch organisatorische Vorkehrungen die zugänglichen Verkaufsflächen auf 800 Quadratmeter zu reduzieren.

Die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland, in der Bielefelds Marketing-Chef Martin Knabenreich NRW-Landessprecher ist, warnt vor zu hohen Kundenfrequenzen. Zudem sollte es kein Denkverbot bei der Sonntagsöffnung geben.

Bielefeld: Im Möbelhaus Zurbrüggen berät sich Hausleiter Jörg Schmelter mit Deko-Leiterin Tanja Neumann.

Bielefeld: Im Möbelhaus Zurbrüggen berät sich Hausleiter Jörg Schmelter mit Deko-Leiterin Tanja Neumann. Foto: Thomas F. Starke

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