Nachfrage extrem gestiegen – Mobiel appelliert an Fahrgäste
So bereitet sich Bielefeld auf die Maskenpflicht vor

Bielefeld (WB). Von Montag an gilt auch in Nordrhein-Westfalen die Pflicht, in Geschäften sowie in Bussen und Bahnen einen Schutz vor Mund und Nase zu tragen. Und bereits am Mittwoch setzte in Bielefeld der Ansturm auf die Masken ein. „Die Nachfrage ist schon seit der vergangenen Woche immer weiter gestiegen, aber seit heute ist es extrem“, sagt Dr. Maren Gottesmann, Apothekerin in der Apotheke am Alten Markt am Mittwochnachmittag.

Donnerstag, 23.04.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 23.04.2020, 10:20 Uhr
Anne Goldmann (von links), Dr. Maren Gottesmann und Freya Stöhr von der Apotheke am Alten Markt zeigen die drei verschiedenen Masken-Typen, die dort vorrätig sind. Seit Mittwoch ist die Nachfrage nach dem Schutz „extrem“, so Gottesmann. Foto: Thomas F. Starke
Anne Goldmann (von links), Dr. Maren Gottesmann und Freya Stöhr von der Apotheke am Alten Markt zeigen die drei verschiedenen Masken-Typen, die dort vorrätig sind. Seit Mittwoch ist die Nachfrage nach dem Schutz „extrem“, so Gottesmann. Foto: Thomas F. Starke

Klar ist allerdings auch: Alle Bielefelderinnen und Bielefelder müssen sich selbst einen Schutz organisieren, betont Stadt-Sprecherin Gisela Bockermann: „Eine Verteilung kostenloser Masken von Seiten der Stadt wie in Dresden wird es in Bielefeld nicht geben.“ Sorgen müsse sich deshalb jedoch niemand, unterstreicht die Sprecherin. Denn wenn keine andere Maske zur Hand sei, reiche auch ein Tuch oder ein Schal, um Mund und Nase zu bedecken. „Es geht auch mit einfachen Mitteln, die jeder zu Hause hat.“

Oberbürgermeister Pit Clausen hat sich am Mittwoch wenige Stunden nach Bekanntwerden der ab Montag geltenden Maskenpflicht erneut mit einer Videobotschaft an die Bielefelder gewandt. Nachdem er sich, wie berichtet, bereits am Dienstag für die Maskenpflicht ausgesprochen hatte, stellte sich Clausen hinter die Entscheidung aus Düsseldorf.

„Ich bin sehr dankbar dafür, dass die Landesregierung heute angekündigt hat, verbindliche Regelungen für ganz Nordrhein-Westfalen landeseinheitlich zu schaffen“, so der OB.

Dass die Schutzregeln wie das Halten des Abstandes sowie die geltenden Hygieneregeln und auch die Maskenpflicht eingehalten werden, sei „die Bedingung dafür, dass wir die Lockerungsstrategie bei der Kontaktsperre so fortsetzen können“, erklärte Clausen.

Die Stadt selbst sieht sich gut vorbereitet auf die Maskenpflicht. „Wir haben einen Bestand, den die Feuerwehr verwaltet und der in erster Linie für den Rettungsdienst und Pflegeeinrichtungen gedacht ist. Und wir haben weitere Bestellungen aufgegeben, die zum Teil auch schon geliefert worden sind“, sagt Bockermann. Benötigt werden die Masken aber auch, wenn das Rathaus schrittweise wieder für den Publikumsverkehr geöffnet werde, um die Mitarbeiter dort zu schützen. Anfang Mai könnte der Betrieb im Rathaus „sukzessive hochgefahren werden“ – wann genau und wie, werde im Krisenstab beraten.

Kontrollen

Überwacht werden soll die Maskenpflicht bei den üblichen Kontrollen, die das Ordnungsamt seit Beginn der Kontaktbeschränkungen durchführe und für die das Personal bereits deutlich aufgestockt worden war. 100 städtischen Mitarbeiter seien im Einsatz, „und bei ihren Rundgängen werden sie ab Montag auch darauf achten, ob dort, wo es vorgeschrieben ist, die Masken getragen werden.“

Neben Geschäften sind dies vor allem die Busse und Stadtbahnen. Das Verkehrsunternehmen Mobiel appelliert an die Fahrgäste, zum eigenen Schutz und dem der anderen Fahrgäste, dieser Pflicht nachzukommen, will ab Montag aber auch verstärkte Präsenz in Bussen und Bahnen zeigen. „Fahrer und Kontrollpersonal sind berechtigt, Fahrgäste ohne Maske nicht mitfahren zu lassen“, so Mobiel-Sprecherin Yvonne Liebold.

Steigende Fahrgastzahlen

Mobiel können allerdings nicht dafür sorgen, Fahrgäste mit Masken auszustatten. Die Stadtwerke Bielefeld Gruppe behalte sich aber vor, in den nächsten Wochen ein Konzept zu entwickeln, wie sie einen Beitrag zur Umsetzung der Maskenpflicht leisten könne.

Da in den kommenden Wochen mit wieder steigenden Fahrgastzahlen zu rechnen sei, so Yvonne Liebold, sollten Fahrgäste zudem prüfen, ob insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten möglicherweise auch eine frühere oder spätere Fahrt möglich ist, um zu volle Fahrzeuge zu vermeiden.

Wo es noch Masken zu kaufen gibt

„In den Apotheken sollte es noch Masken geben“, sagt Kersten Hartmann, Vorsitzender der Bezirksgruppe Stadt Bielefeld des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe. Sie seien jedoch lange nicht mehr so günstig wie noch vor ein paar Wochen. „Die Einkaufspreise haben sich um bis zu 300 Prozent erhöht“, ist nicht nur Hartmann erzürnt über das Geschäftsgebaren verschiedenster Anbieter. So müssten auch die heimischen Apotheken diese Einkaufspreise an den Endkunden weitergeben. Bei Bestellungen im Internet rät der Apotheker zur Vorsicht. „Da gibt es viele schwarze Schafe.“ So würde unter Umständen Ware angeboten, die es gar nicht gibt. Außerdem solle man genau auf das Lieferdatum achten. So werden derzeit zwar viele Masken angeboten, diese können aber erst Ende Mai, Anfang Juni geliefert werden. Kurzfristige Lieferungen gibt es kaum.

Im Zweifelsfall plädiert auch Kersten Hartmann für Masken der Marke Eigenbau. „Selber nähen ist ein guter Schritt,“ erklärt er.

Angeboten werden Mund-Nasen-Masken aus Stoff auch von mehreren Einzelhändlern in Bielefeld, entweder als „Bausatz“ oder schon fertigt genäht.

 

Kommentare

Bibo  schrieb: 23.04.2020 15:45
Hätte der Herr Maas unseren Notvorrat an Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel nicht im Februar nach China verschenkt... Ach komm, was rege ich mich auf. Heutzutage braucht keiner mehr zurücktreten. Helau Alaaf und Halleluja
Leon Jung  schrieb: 23.04.2020 08:54
Vielen Dank für den guten Artikel, der akute Fragen beantwortet
2 Kommentare
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