26.567 Unterschriften für einen besseren Radverkehr übergeben
Ein politisches Ausrufezeichen

Bielefeld (WB). In Zeiten des neuartigen Coronavirus ist es eine denkbar schlechte Idee, mit mehr als 20 Menschen, Fahrrädern und Fahnen vorm Alten Rathaus aufzutauchen und zu viert dicht an dicht für Gruppenfotos zu posieren. Als am Donnerstag die Initiatoren des Radentscheids, dem Bürgerbegehren für einen verbesserten Radverkehr in Bielefeld, Oberbürgermeister Pit Clausen 26.567 Unterschriften für den von ihnen geforderten Bürgerentscheid übergaben, rief das prompt eine Doppelstreife des Ordnungsamtes auf den Plan.

Freitag, 24.04.2020, 05:10 Uhr aktualisiert: 24.04.2020, 05:20 Uhr
Michael Schem (von rechts) und Monika Haverkamp vom Radentscheid, dem Bürgerbegehren für einen verbesserten Radverkehr, übergeben OB Pit Clausen 26.567 Unterschriften. Foto: Starke
Michael Schem (von rechts) und Monika Haverkamp vom Radentscheid, dem Bürgerbegehren für einen verbesserten Radverkehr, übergeben OB Pit Clausen 26.567 Unterschriften. Foto: Starke

„Wir sind angerufen worden. Was ist das hier?“, waren die ersten Fragen vor Ort. Auf Weisung des OB durften die Aktiven des Radentscheides fünf Minuten lang vorm Alten Rathaus für sich werben. „Die Veranstaltung können wir so nicht weiter durchführen. Da gibt es ein paar Besonderheiten in Coronazeiten. Ich habe jetzt schon beide Augen zugedrückt“, zog Clausen dann die Notbremse.

Bilanz zur Aktion Radentscheid

Im Nahariyaraum im ersten Stock des Alten Rathauses zogen Michael Schem und Monika Haverkamp anschließend Bilanz der Aktion Radentscheid und stellten noch einmal ihre Ziele vor. „Wir wollen, dass sich in Bielefeld der Radverkehr entwickelt“, brachte Monika Haverkamp die Kernforderung auf den Punkt. Die Aktivisten wollten weg vom motorisierten Individualverkehr. Radwege sollten zum Fahren einladen, Radler und Fußgänger auf ihren Wegen deutlich von den Autofahrern getrennt sein. Das Gros der Radwege in Bielefeld habe Verbesserungsbedarf, sagte Haverkamp.

Als beispielgebend bezeichnete sie die Hauptstädte Skandinaviens. Dort gibt es Haverkamps Angaben zufolge inzwischen keine Verkehrstoten mehr, Autofahrer müssten sich teilweise an Tempo 10 halten. „Sicher Rad fahren von 8 bis 88. Wir wollen, dass man Kinder alleine durch die Stadt schicken kann“, sagte Michael Schem. Menschen jeden Alters müssten sicher ans Ziel und wieder zurück kommen. Um das zu erreichen, müssten nicht jedes Mal Bagger rollen und die Straßen für Radler und Fußgänger umbauen. Die Forderungen wie jedes Jahr fünf Kilometer geschützte Radwege in Bielefeld neu zu bauen und Kreuzungen oder Kreisverkehre fahrradgerechter zu gestalten, ließen sich schnell und preisgünstig umsetzen, meinte Schem.

„Ich persönlich sage, Sie haben meine volle Sympathie“, kommentierte Clausen den Radentscheid als „gelebte Demokratie“. Es sei ein politisches Ausrufezeichen gesetzt worden. Als Verwaltungschef rechne er jedoch mit Hindernissen. Der Rat werde noch vor der Sommerpause die rechtliche Zulassung auf ein Bürgerbegehren prüfen. Zur Kommunalwahl im September könnten die Bielefelder dann über das Bürgerbegehren für einen besseren Radverkehr in der Großstadt abstimmen.

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