Wie sich Theater und Orchester hinter den Kulissen auf die kommende Spielzeit vorbereiten
Zusammen auf Abstand

Bielefeld (WB). Die Türen des Theaters Bielefeld und der Rudolf-Oetker-Halle bleiben voraussichtlich bis zum 31. August geschlossen. Doch dahinter planen die Mitarbeiter die kommende Spielzeit. Bereits am 4. Mai soll der Probenbetrieb peu à peu wieder aufgenommen werden – unter Berücksichtigung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln.

Freitag, 24.04.2020, 15:17 Uhr
Hinter den verschlossenen Türen des Stadttheaters laufen die Vorbereitungen für die kommende Saison weiter. Foto: Thomas F. Starke
Hinter den verschlossenen Türen des Stadttheaters laufen die Vorbereitungen für die kommende Saison weiter. Foto: Thomas F. Starke

Abstand halten beim Tanzen, Singen, Spielen und Musizieren, wie soll das funktionieren? „Da ist die Kreativität der Regisseure gefragt“, sagt Intendant Michael Heicks, der beim spartenübergreifenden Musical „The Black Rider“ selbst Regie führt und den Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern „als spannende Aufgabe“ annimmt. Eigentlich sollte das Stück am 23. Mai Premiere haben. Jetzt wird es wie weitere Produktionen auch in die kommende Spielzeit verlegt (das WESTFALEN-BLATT berichtete).

Hoffen auf Antikörpertest

Beim Tanzen gestaltet sich der Probenprozess indes schwieriger. „Ich hoffe sehr, dass uns bis September zumindest ein Antikörpertest zur Verfügung steht. So könnten Tänzerinen und Tänzer, die das Virus hatten und Antikörper entwickelt haben, gefahrlos miteinander tanzen“, verdeutlicht der Intendant.

Auch die Pulte des philharmonischen Orchesters müssen auseinanderrücken. Normalerweise teilen sich jeweils zwei Streicher ein Pult. Muss während des Spiels umgeblättert werden, übernimmt das ein Spieler, während der andere ungehindert weiterspielen kann. „Wir müssen schauen, wie wir diese Sachen logistisch lösen“, erklärt Generalmusikdirektor Alexander Kalajdzic. Ebenso bräuchten die Bläser eine Trennvorrichtung, die andere Orchestermitglieder vor feuchtem Ausstoß schütze. Sowohl der Orchesterprobenraum in der Brunnenstraße als auch die Bühne der Oetkerhalle biete unter Berücksichtigung der Auflagen Platz für eine mittelgroße Besetzung, ist Kalajdzic zuversichtlich. Möglicherweise, so der GMD, würde der WDR das für Juni geplante Symphoniekonzert im Rahmen seiner Städtekonzerte in der Oetkerhalle aufzeichnen – dann natürlich vor leeren Sitzreihen.

Logistische Überlegungen sind des Weiteren bezüglich des Eintretens in die Probe zu leisten und beim Beenden derselben. Da müsse der Strom der Musiker, die normalerweise im Pulk das Podium betreten, entzerrt werden.

Publikumsströme entzerren

Gleiches gilt nach den Worten von Michael Heicks auch für die Publikumsströme, sollte der Spielbetrieb wie derzeit erhofft Anfang September wieder aufgenommen werden. „Hier gibt es verschiedene Gedankenspiele. Wir könnten zum Beispiel im Stadttheater mehrere Eingänge öffnen. Und die Pausen müssten entfallen, damit sich das Publikum nicht zu nahe kommt“, sagt der Intendant. Um während der Vorstellung den Sicherheitsabstand zu wahren, würde nur jeder zweite oder dritte Platz besetzt.

„Es tut gut, dass wir uns jetzt mit diesen Fragen beschäftigen und verschiedene Varianten durchspielen können. Alle Abteilungen des Theaters arbeiten konstruktiv mit. In Zeiten der Krise zeigt sich einmal mehr, was für eine gute Truppe wir sind“, betont Heicks.

Gleichwohl sind dreieinhalb Monate der laufenden Spielzeit verloren. Zeit, in der die Kosten weiterlaufen, Theater und Orchester indes keine Einnahmen verzeichnen. „Ich kann derzeit noch nicht sagen, wie hoch der Verlust sein wird und in welcher Weise wir ihn auffangen werden. Bis zur Schließung waren wir gut im Soll. Ohne Corona wäre es eine Mega-Spielzeit geworden“, sagt Heicks.

Appetithappen auf die kommende Konzertsaison

Das sieht Alexander Kalajdzic ähnlich. Der GMD bedauert, dass Highlights wie die Aufführung des Verdi-Requiems oder Gastauftritte renommierter Künstler wie Martin Helmchen, der in dieser Saison eigentlich seinen Klavierkonzert-Zyklus von Béla Bartók beenden wollte, nicht stattfinden können. „Wir wollen Künstler wie Helmchen oder Viviane Hagner, die das Violinkonzert von Sibelius hier spielen wollte, in der Spielzeit 2021/22 erneut einladen“, sagt der GMD.

Die Spielzeit 2020/21 soll hingegen wie geplant durchgeführt werden. Dass Bielefelds Generalmusikdirektor das Programm bislang unter Verschluss hält, liegt am Kartenvorverkauf, der aufgrund der aktuellen Krise noch nicht anlaufen kann. Einen kleinen Appetithappen kann er dann allerdings doch noch anbieten: „Wir konnten erneut den Estnischen Kammerchor verpflichten, der in der Passionszeit die Matthäus-Passion von Bach singen wird. Des weiteren werden wir in Kooperation mit dem Orchester Hagen die dritte Symphonie von Mahler aufführen. Und gegen Ende der Saison gibt es wieder ein Festival für Neue Musik.“

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