Berater sehen aber Chance zu vorsichtigem Wiedereinstieg an der Börse
Anleger vor Harakiri gewarnt

Bielefeld (WB). Ein großes Vermögen ist ein gutes Ruhekissen, sollte man meinen. Doch eine Entwicklung wie die derzeitige Corona-Krise kann den, der viel Geld angelegt, schon mal um den Schlaf bringen.

Dienstag, 28.04.2020, 03:01 Uhr aktualisiert: 28.04.2020, 05:01 Uhr
Vor gut einem Monat hatte der Frankfurter Börsenindex Dax seinen größten Absturz. Foto: dpa
Vor gut einem Monat hatte der Frankfurter Börsenindex Dax seinen größten Absturz. Foto: dpa

Immerhin ist der führende deutsche Börsenwert Dax Mitte März innerhalb eines Monats von 13.798 auf 8441 Punkte abgesackt. Da häufen sich besorgte Anrufe beim

Mark Wemhöner

Mark Wemhöner

Berater des Vertrauens. „An einigen Tagen ging es in unserem Wertpapier-Center zu wie in einem Call Center“, berichtet Mark Wemhöner, Leiter des Private Banking bei der Sparkasse Bielefeld . Inzwischen hat der Dax wieder klar die Zehntausender Marke überschritten. Wemhöner rät trotzdem zur Vorsicht: „Wer einsteigen will, sollte dies schleichend tun – in kleinen Schritten.“. Alles andere sei „Harakiri“ und lohne sich nicht.

Auch Willi Ernst, geschäftsführender Gesellschafter der mehrheitlich zur Verbund-Volksbank OWL in Paderborn gehörenden Bielefelder Vermögensberatung Werther &

Willi Ernst

Willi Ernst

Ernst mahnt, dass es bis zur vollständigen Erholung der Wirtschaft Zeit braucht. Vorsicht seien bei Anlagen im Tourismus und – wegen der Kreditrisiken – im Finanzsektor angebracht. Positiv sieht er die Chancen bei Lebensmitteln, im Technologiebereich, bei Pharma und in der Medizintechnik. Immerhin: Selbst Kunden, die bei Werther & Ernst ihr Geld ausschließlich in Aktien anlegten, verloren Ernst zufolge seit Jahresbeginn schlimmstenfalls 11,3 Prozent „und damit deutlich weniger als Dax und Euro-Stoxx“.

Dr. Bernd-Christian Balz, Leiter des Private Banking bei der Deutschen Bank in Bielefeld, hält Prognosen aktuell für schwierig – für nicht viel mehr wert als der Blick in eine Glaskugel. Die positive Entwicklung an der Börse könne durch eine zweite

Bernd-Christian Balz

Welle der Infizierung mit dem Coronavirus schnell wieder ins Gegenteil verkehrt werden. Auf der anderen Seite seien die Anleger – nach dem Platzen der Dot.com-Blase, 9/11 und der Finanzkrise – auch schon krisenerfahren. Im Augenblick reagierten Börsianer auch auf politische Entscheidung sehr sensibel.

Auf die Krisenerfahrung der Anleger hebt auch Matthias Steinhauer ab. Der Gründer und geschäftsführende Gesellschafter der Bielefelder Vermögensberatung Concept ,

Matthias Steinhauer

Matthias Steinhauer

sagt: „Viele, vor allem vorsichtige Anleger haben schon, noch während sich der Dax auf seinem Höhenflug befand, ihre Aktienquote vorsorglich reduziert.“ Und Besitzer großer Vermögen sind, da stimmen die Berater der unterschiedlichen Institute überein, meist vorsichtig. Wie oft in Krisensituationen, so stieg Steinhauer zufolge auch jetzt die Nachfrage nach Gold. Entsprechend sei der Preis seit Jahresbeginn um 18,5 Prozent gestiegen. Steinhauer hält auch gezielte Aktienkäufe wieder für möglich. Für attraktiv stuft er, „weil die Digitalisierung sicher weitergeht“, besonders Technologiewerte ein. Google, Amazon und Netflix beispielsweise könnten auch noch weiterhin zulegen.

Auch Rolf Bedner, Bielefelder Niederlassungsleiter des Hannoveraner Vermögensverwalters Valexx AG, berichtet ebenfalls, dass die meisten Besitzer großer

Rolf Bedner

Rolf Bedner

Privatvermögen den Aktienanteil in ihren Depots rechtzeitig und noch unabhängig von der Corona-Krise reduziert hätten. Nach seiner Ansicht hätten die Börsen inzwischen aber das Tal durchschritten. Die Zeit sei günstig, wieder einzusteigen. Bedner glaubt, dass neben den genannten Konzernen auch die DHL aktuell gute Wachstumschancen besitzt. Von Staatsanleihen rät er ab – nicht nur wegen der niedrigen Verzinsung, sondern auch wegen des durch die immensen Ausgaben in der Corona-Krise gestiegenen Risikos.

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